Am 14. Juni wird gestreikt. Wirklich? Offiziell findet zwar der Frauenstreiktag statt. In Olten, Grenchen und Solothurn gibt es verschiedene Aktionen, gemeinsame verlängerte Mittagspausen, bis dann alle Teilnehmenden in Solothurn zusammen kommen, wo um 16 Uhr eine Demonstration beginnt. Eine Umfrage bei verschiedenen Firmen im Kanton zeigt aber, dass Frauen und Männer dafür nicht ihre Arbeit niederlegen. Einerseits heisst es, man müsse frei nehmen, um am Streiktag dabei zu sein. Andererseits ist auch davon die Rede, dass Mitarbeitende gar kein Interesse am Streiken hätten. Eine Übersicht:

Solothurner Spitäler AG: Beim grössten Arbeitgeber im Kanton arbeiten 3150 Frauen. Dies entspricht 77 Prozent aller Mitarbeitenden. «Da im GAV der Mitarbeitenden eine Friedenspflicht festgehalten ist, sind Kampfmassnahmen wie Streik, Warnstreiks und Aussperrungen ausgeschlossen», sagt Andreas Woodtli, Direktor der Personaldienste und Geschäftsleitungsmitglied. «Es steht jedoch allen frei, im Rahmen ihrer Freizeit teilzunehmen. Vorausgesetzt, dass der Dienstbetrieb uneingeschränkt aufrechterhalten werden kann.» Den Mitarbeiterinnen sei es auch erlaubt, an diesem Tag einen Button oder ein spezielles T-Shirt zu tragen. Weiter teilt Woodtli mit, dass sich die Solothurner Spitäler bezüglich Gleichstellung von Frau und Mann nicht verstecken müssten. So hätten sie kürzlich eine Überprüfung der Lohngleichheit zwischen weiblichen und männlichen Angestellten durchgeführt. Das Ergebnis: «Es gibt keine nennenswerten Unterschiede», so Woodtli.

Migros Aare: Auch im Detailhandel arbeiten überwiegend Frauen. Bei der Genossenschaft Migros Aare sind es 66 Prozent. Auf die Frage nach dem Frauenstreik heisst es: «Wir sind überzeugt, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Verständnis dafür haben, dass der Betrieb weiterlaufen muss.» Man empfehle deshalb streikenden Frauen und Männer, sich vorzeitig mit den Vorgesetzten abzusprechen – so dass zum Streiken Überzeit kompensiert oder frei genommen werden kann. Man unterstütze aber die Forderung «gleicher Lohn für gleiche Arbeit». Dieser Grundsatz ist auch im GAV der Migros festgehalten.

Kanton Solothurn: In der kantonalen Verwaltung arbeiten rund 2 150 Frauen. Laut Steve Käsermann, Abteilungsleiter Personaldienst, soll die Teilnahme am Frauenstreik «soweit betrieblich möglich» ermöglicht werden. «Dies allerdings zulasten der Freizeit, da unser GAV einen Verzicht auf Kampfmassnahmen vorschreibt.» Man nehme aber die Themen des Streikes sehr ernst und führe beispielsweise dieses Jahr auch eine Lohngleichheitsanalyse durch.
Stadtschulen Solothurn: 188 Frauen arbeiten als Lehrerin oder Kindergärtnerin. 55 Männer sind bei den Stadtschulen angestellt. Den Mitarbeitenden schreibt einerseits der GAV des Kantons Solothurn eine Friedenspflicht vor. Dann gibt es noch die Dienst- und Gehaltsordnung der Stadt Solothurn, in welcher explizit ein Streikverbot erwähnt ist. Der GAV und das Lohnsystem der Stadt garantierten Lohngleichheit, so Schuldirektorin Irene Schori. Grundsätzlich dürfe nicht während der Arbeitszeit gestreikt werden. Zudem empfiehlt auch der kantonale Lehrpersonenverband seinen Mitglieder und Mitgliederinnen: «Da es beim Frauenstreik auch um GAV-Themen geht (z.B. Löhne), kann der LSO nicht zum Streik aufrufen ohne den GAV zu verletzen.»

Ypsomed: Laut einer internen Umfrage des Solothurner Medizintech-Unternehmens gibt e sim Betrieb keine einzige Streikwillige. Die Firma geht davon aus, dass niemand streiken gehen wird.

Sonnhalde Gempen: Der Frauenstreiktag war bisher kein Thema bei den Mitarbeitenden der sozialen Institution, und es gibt auch noch keine Anfragen an die Geschäftsleitun. Man geht davon aus, dass niemand streiken gehen wird. Falls jemand streiken möchte, müssten die Einsatzpläne angepasst werden – damit die Patienten nicht alleingelassen werden.
Stadtverwaltung Olten: Hier arbeiten laut Stadtschreiber Markus Dietler 98 Frauen und 129 Männer. «Alle Mitarbeitenden dürfen, soweit betrieblich möglich, am Frauenstreik teilnehmen, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen.» Die Teilnahme gelte aber nicht als Arbeitszeit. Weiter teilt Dietler mit, dass die Stadt Olten als Arbeitgeberin die Zielsetzungen des Frauenstreiks teile. Das sorge Lohnsystem für Rechtsgleichheit und auch in Kaderpositionen seien mehrere Teilzeitarbeitsplätze vorhanden.

Jura AG: «Unsere Leute haben keinen Grund zum Streiken», heisst es beim Niderbuchsiter Kaffeemaschinen-Hersteller. Es gebe einen GAV und eine Angestelltenkomission. Wer streiken will muss freinehmen oder Überzeit abarbeiten.
Fachhochschule Nordwestschweiz: Hier hat man den Grundsatzentscheid getroffen, dass alle Mitarbeitenden und Studierenden am Frauenstreik teilnehmen dürfen. Für die Teilnehmenden sollen keine Nachteile entstehen.

Genossenschaft Baseltor: Laut Martin Volkhart von der Solothurner Genossenschaft, zu der Restaurant- Bar- und Hotelbetrieb gehören, ist der Frauenstreik kein eigentlicher Streik. Wenn jemand trotzdem teilnehmen möchte, kann der Einsatzplan umgestellt werden. Im Übrigen finde man die Forderungen des Streiks absolut berechtigt. In der Genossenschaft pflege man eine absolute Lohngleichheit; 60 Prozent des Kaders machen zudem Frauen aus.