Flüchtlingskinder
Solothurner Kantonsrat wünscht sich mehr unbürokratische Unterstützung für die Schulen

Die Folgen der Pandemie sind noch keineswegs verdaut und jetzt stellt die Integration von Flüchtlingskindern aus der Ukraine die Schulen noch einmal vor eine neue grosse Herausforderung. Die Zusagen der Regierung, sie dabei zu unterstützen, sind vielen Kantonsrätinnen und Kantonsräten etwas zu vage.

Urs Moser
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Unterricht mit Mädchen aus der Ukraine.

Unterricht mit Mädchen aus der Ukraine.

Patrick Huerlimann

Ein Unterschied zum letzten grossen Flüchtlingsstrom von 2015: Die Flüchtenden aus der Ukraine kommen auf ganz verschiedenen Wegen ins Land und es sind vor allem Frauen mit ihren Kindern.

Das stellt insbesondere auch die Schulen, die nach wie vor unter den Folgen der Coronapandemie mit vielen Absenzen ächzen, bereits wieder vor neue zusätzliche Herausforderungen. Wie können und sollen sie bei der Bewältigung unterstützt werden? Die Frage beschäftigte am Mittwoch den Kantonsrat, wo zwei dringliche Interpellationen der FDP-Fraktion und von Andrea Meppiel (SVP, Hofstetten-Flüh) zum Thema zur Debatte standen.

Flexibel, kreativ, unbürokratisch und pragmatisch waren Begriffe, die dabei immer wieder genannt wurden. Die Ausführungen der Regierung waren daher für viele Kantonsrätinnen und Kantonsräte nur bedingt befriedigend, da ihrer Meinung nach doch eher allgemein, formalistisch und zum Teil auch vage gehalten.

Spezialklassen nur für ukrainische Kinder?

Zum Beispiel was die Bildung von Integrationsklassen für Fremdsprachige betrifft. Das sei sehr gut möglich, das Volksschulamt unterstütze die Schulen bei der Bildung solcher Klassen, es stehe auch ein Musterkonzept zur Verfügung, so der Regierungsrat. Allerdings riet er von Klassen ausschliesslich für Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine ab, auch wenn das «kurzfristig organisatorische Herausforderungen abmildern» könnte.

Grund: Es bestehe die Gefahr einer «Parallelgesellschaft-Schule», für die Flüchtlingskinder sei es besser, wenn sie mit anderen Kindern zusammen sein können, so könnten sie Schlimmes am besten verarbeiten.

Für Tamara Mühlemann Vescovi (Mitte, Zuchwil) eine erstaunliche Aussage, würden Experten doch solche Spezialklassen eher empfehlen. Das sei sinnvoll, meinte auch Johanna Bartholdi (FDP, Gemeindepräsidentin von Egerkingen), die noch ein anderes Problem mit der ihrer Meinung nach eben nicht so flexiblen und pragmatischen Haltung im Volksschulamt hatte: Der Start mit einer regionalen Integrationsklasse im Gäu werde kaum vor Mai erfolgen können, da erwarte sie vom Kanton schon, dass man von der üblichen Einschulungsfrist («möglichst umgehend, nach einigen Tagen, spätestens etwa zehn Tage nach der Anmeldung bei der Wohngemeinde») abweicht.

Bildungsdirektor Remo Ankli dazu: Ein paar Tage mehr oder weniger seien kein Problem, aber man könne Kinder nicht monatelang nicht beschulen, hier gehe es auch um das Recht auf Bildung.

Unterstützung für Schulleitungen verlangt

«Ein grosses Fragezeichen» setzte nicht nur Janine Eggs (Grüne, Dornach) hinter die vage in Aussicht gestellten Entlastungen für die Schulleitungen, insbesondere was die Kapazitäten des schulpsychologischen Diensts SPD betrifft.

Der SPD befasse sich seit langem mit Traumatisierung, im Rahmen der Flüchtlingsströme 2015 sei das Thema neu aufbereitet und mit den Schulleitungen besprochen worden, so die Regierung. Die Ressourcen würden für «limitierte Beratungen zur Unterstützung der Schulleitungen» ausreichen. Unklar, was das heisst und was der Kanton nun wirklich unternimmt, um die Situation zu entschärfen, kritisierte die Sprecherin der Grünen.

Auch Mathias Stricker (SP, Bettlach), der Präsident des Verbands der Lehrerinnen und Lehrer, sieht da Luft nach oben. Die Schulen kämen an ihre Grenzen, Lehrpersonen und Schulleitungen seien erschöpft, da «nützen uns limitierte Beratungen gar nichts».