Ferienzeit
Reisebüros mit Mehraufwand: Trotz Reiselust herrscht Unsicherheit bei Solothurnerinnen und Solothurnern

Es geht wieder aufwärts in der Reisebranche. An den Lieblingsreisezielen der Solothurnerinnen und Solothurner hat sich nicht viel geändert – am liebsten erholen sie sich im Herbst am Mittelmeer. Reisebüros aus der Region bemerken aber noch immer eine grosse Unsicherheit und haben einen organisatorischen Mehraufwand.

Anja Neuenschwander
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Mehr Meer: Die Solothurner zieht es im Herbst und im Winter an den Strand.

Mehr Meer: Die Solothurner zieht es im Herbst und im Winter an den Strand.

Massimo Virgilo/ / Unsplash

Man kann es sich ausmalen: Die Reisebüros hatten 2020 ein denkbar schlechtes Jahr – laut Schweizer Reiseverband (SRV) das wohl schlechteste seit dem Zweiten Weltkrieg. Rund 70 Prozent weniger Umsatz hatten die Reisebüros zu verzeichnen, etwa 1700 Vollzeitstellen mussten abgebaut werden, schreibt der SRV in einer Medienmitteilung.

Doch nun gehe es langsam wieder aufwärts. Im Grenchner Reisebüro Vasellari habe man zwar noch nicht so viele Anfragen wie vor zwei Jahren, aber es werden wieder mehr:

«Die Leute sind hungrig nach Ferien»,

sagt Inhaber Rolf Probst.

Das bestätigt auch Petra Hubler-Schäfer vom Reisebüro el travel in Solothurn. «Die Länder gehen wieder auf und die Leute wollen reisen.» Die Reiselust der Solothurner sei unverändert und auch die Wunschdestinationen seien ziemlich gleich geblieben.

Eine Umfrage bei vier Reisebüros im Kanton zeigt klar: Die Solothurner zieht es in diesem Herbst ans Mittelmeer. Griechenland, die Kanarischen Inseln oder die Südtürkei stehen hoch im Kurs. Einige Reisende würden aber die entgegengesetzte Richtung vorziehen, merkt Rolf Probst an. Im hohen Norden Skandinaviens locken Nordlichter und verschneite Wälder. «Ausserdem sind Fluss- und Kreuzfahrten gefragt», sagt der Inhaber des Reisebüros Vasellari.

Gegen den Winter hin nehmen die Reiselustigen längere Distanzen auf sich, um auf der Südhalbkugel etwas Sonne zu erhaschen: Auf den Malediven, in Mexiko, Mauritius oder der Dominikanischen Republik erwarten sie endlose Traumstrände.

Zusätzlich zum Strand, dem angenehmen Klima und dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis seien neuerdings auch die Pandemiebestimmungen ein Kriterium, erklärt Hubler-Schäfer. All die oben genannten Länder seien momentan recht einfach «bereisbar».

Viele Solothurner zieht es im Herbst ans Mittelmeer. Im Bild die Stadt Mykonos in Griechenland.
7 Bilder
Auch die Kanarischen Inseln sind ein beliebtes Ferienziel. Hier die Insel Fuerteventura.
Ein Strand westlich von Antalya in der Südtürkei.
Magische Nordlichter im finnischen Teil Lapplands.
Im Winter nehmen die Solothurner längere Distanzen auf sich: Das South Ari Atoll Resort auf den Malediven.
Der Strand in Cancún, Mexico.
Palmen, türkises Meer und weisse Sandstrände in der Dominikanischen Republik.

Viele Solothurner zieht es im Herbst ans Mittelmeer. Im Bild die Stadt Mykonos in Griechenland.

Walter Schwager / LEB

Doch die Reisebranche hat sich noch nicht ganz erholt. Die Unsicherheit bei den Kunden sei noch gross, bestätigen alle vier Reiseanbieter. Bei den Buchungen kämen verständlicherweise vermehrt Fragen zu Einreisebestimmungen und der Impfung auf. Corina Weber vom Reisebüro Travellino in Solothurn bemerkt die Veränderung im Reiseverhalten:

«Die Leute sind sehr skeptisch.»

Das Interesse sei zwar da, die Buchungen aber noch spärlich. Ausserdem würden die Reisen kurzfristiger gebucht, informiert Weber.

Auch im Reisebüro TUI in Olten seien die Kunden vorsichtiger geworden. «Wir brauchen viel mehr Zeit für die Beratung», sagt Reiseexpertin Marion Müller. «Die Leute fragen nach sicheren Unterkünften und sicheren Ländern.» Viele würden auf Pauschalangebote setzen, individuelle Reisen seien weniger gefragt.

Die Reiseplanung bereitet den Reisebüros derweil einen Mehraufwand: Die Einreisebestimmungen ändern sich ständig. Genauso die Flugpläne, informiert Corina Weber. Zusätzlich müsse man den Überblick über alle notwendigen Dokumente und Massnahmen in den verschiedenen Ländern behalten, sagt Hubler-Schäfer. Dies sei momentan die grösste Herausforderung.

Rolf Probst bemerkt:

«Eine optimale Kundenberatung ist in diesen Zeiten sehr wichtig geworden.»

Bei den vielen Dokumenten, die es momentan ergänzend benötigt, könne man als Reisender schnell mal den Überblick verlieren. Und mit ein wenig Pech strande man am Flughafen Zürich, weil der Name auf dem Covid-Zertifikat nicht mit demjenigen im Pass übereinstimme.

All die zusätzliche Organisationsarbeit habe aber auch eine gute Seite: Den Kunden sei bewusster geworden, wie wertvoll es sein könne, jemanden mit Know-how an ihrer Seite zu wissen, sagt Petra Hubler-Schäfer. Die Frage sei nur, wie lange dieser Effekt anhalten wird.

Befragte Reisebüros

  • Reisebüro Vasellari, Grenchen
  • Reisebüro el travel, Solothurn
  • Reisebüro Travellino, Solothurn
  • TUI Reisebüro, Olten

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