Solothurner Wahlen

«Fast ein bisschen aufgeregt»: Diese Schülerin darf zum ersten Mal wählen

«Fast ein bisschen aufgeregt» wegen den anstehenden Wahlen: Anna Maria Rieder.

Diesen Herbst darf die Kantischülerin Anna Maria Rieder zum ersten Mal wählen. Das tut sie auch. Nachdem sie Politik eine Zeit lang gar nicht interessierte, ist die 20-Jährige heute rundum informiert. Bei vielen Gleichaltrigen sehe das aber nicht so aus, erzählt sie im Gespräch.

Als sie zum ersten Mal abstimmen durfte, hat die Politik Anna Maria Rieder noch nicht wirklich interessiert. Die ersten Abstimmungen liess sie sausen. Jetzt, mit 20, darf die Kantischülerin zum ersten Mal wählen – und das tut sie auch. «Ich bin schon fast ein bisschen aufgeregt», sagt sie breit lächelnd.

Rieder ist aus Günsberg und absolviert ihr letztes Jahr an der Kantonsschule Solothurn, wo sie die Sonderklasse für Sport und Kultur besucht. Rieder spielt Klavier, seit sie 10 Jahre alt ist; begann mit 15 Jahren auch an Talentförderprogrammen teilzunehmen und will Klavierlehrerin werden. Oder vielleicht Jura studieren.

Politisch aufgewachsen ist die junge Frau aber überhaupt nicht; auch durch die aktuellen Klimademos wurde sie nicht politisiert. Das politische Interesse hat sie ihrer generellen Neugier zu verdanken.

«Was auf der Welt passiert, geht mich etwas an»

Rieder beschreibt das so: «Wenn mich etwas stört, dann mache ich etwas dagegen.» So befand sie nach einigen verpassten Abstimmungen, es könne doch nicht sein, dass sie nicht wirklich wisse, wie mit dem Abstimmungsmaterial umzugehen ist. Sie ging mit dem Couvert zu einer Lehrperson und das Prozedere wurde im Unterricht angeschaut. Seither hat Rieder keine Abstimmung verpasst.

Die Wahlunterlagen für den 20. Oktober hat sie mittlerweile auch ausgefüllt – dafür habe sie sich Zeit genommen. Etwas unsicher sei sie auch gewesen, ob sie das richtig macht. Die beigelegte Wahlanleitung habe aber geholfen. Gespannt wartet sie nun darauf, wie die Wahlen ausgehen – «ob etwa die grüne Welle auch im Kanton Solothurn Folgen hat».

Wenn Rieder spricht, wird schnell klar, wo sie sich politisch sieht: in der Mitte. Grundsätzlich hält sie das politische System für gut, akuten Änderungsbedarf sieht sie nicht. Dass die Klimademos Aufmerksamkeit auf die globale Erwärmung lenkten, finde sie ebenfalls wichtig. Selbst teilgenommen hat sie aber nicht. «Ich persönlich will lieber bei mir selbst anfangen», sagt die junge Frau. So benutze sie heute nur noch Glasflaschen und keine Plastiksäckli mehr, die Abschlussreise will die Klasse mit dem Zug antreten. Das Anliegen «Mehr Frauen in der Politik» finde sie zwar wichtig – sie glaube aber, dass dieser Prozess bereits stattfindet.

Rieder spricht in der Schulkantine von CO2-Abgaben, von Krippenplätzen, von der AHV. «Die Zeitung lese ich am liebsten in gedruckter Form», sagt sie. «Ich kann doch nicht hiersitzen und nicht wissen, was um mich herum geschieht. Was auf dieser Welt passiert, geht auch mich etwas an». Nur: Viele ihrer gleichaltrigen Bekannten teilten ihr ausgeprägtes Interesse für politische Themen oft nicht.

«Keine Zeit» oder «eine Stimme bringt nichts»

So würden in der Klasse – Rieder ist die einzige mit Schwerpunkt Kultur, die anderen haben Sport gewählt – oft sportliche Erfolge diskutiert, kaum aber über Politik. Höchstens vielleicht nach einer Schulstunde, in welcher eine bevorstehende Abstimmung besprochen wurde.

«Die Schule liefert uns Grundlagen darüber, wie das politische System aufgebaut ist», so Rieder. Sie gibt aber zu bedenken: «Wenn man dann wirklich etwas über laufende Prozesse wissen will, muss man sich das selbst aneignen.» Und im Schulalter seien – nebst der Ausbildung – oft andere Themen wichtig: Hobbies, Beziehungen und Ausgangsmöglichkeiten.

Umso mehr schätze sie es, dass dann die Schule ein Podium mit Nationalratskandidaten organisiert habe, nachdem alle Feuer und Flamme gewesen seien – oder dass einige Kandidaten Social Media nutzen. «So viele sind ja ohnehin am Handy und scrollen sich durch, vielleicht bleibt der eine oder die andere so auch mal bei einem politischen Thema hängen.»

Auch bei diesem Thema spricht Rieder sehr ausgeglichen, lacht oft. Verurteilen wolle sie niemanden, der «keine Zeit hat», sich mit Politik zu befassen. Bei ihr sei das ja nicht anders gewesen. Wo Rieder aber klare Worte fasst: Das Argument «Meine Stimme bewirkt nichts» verstehe sie nicht. «Doch, meine Stimme zählt – das ist gar keine Frage. Und wenn jeder Stimmberechtigte, der findet ‹ich habe doch nur eine Stimme› wählen würde – dann hätten wir sofort viel mehr Stimmen. Und die Wahlen wären viel repräsentativer.»

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