Glarus Nord, Zweisimmen, Carouge, Bern, Frutigen und Capriasca haben eines gemeinsam. Sie sind sogenannte «Fair Trade Towns». Städte und Gemeinden, welche sich für den fairen Handel einsetzen. Glarus Nord war die erste Gemeinde, welche von Swiss Fair Trade mit der Auszeichnung prämiert wurde. «Der damalige Gemeindepräsident von Glarus übernahm den Grundgedanken des Projekts als eine Art Leitbild für die gesamte Gemeinde und zwar: Fair und verbindlich.», erinnert sich Philipp Scheidiger, Geschäftsführer von Swiss Fair Trade.

Fairer Handel im Kanton Solothurn

Im Kanton Solothurn gibt es derzeit noch kein zertifiziertes «Fair Trade Town». Es gibt jedoch zwei aktive Städte und eine Gemeinde, in welchen Institutionen und Betriebe sich für den fairen Handel einsetzten. Diese sind Solothurn, Grenchen und Zuchwil.

Die Jugendherberge oder der Weltladen claro sind in der Stadt Solothurn aktiv. Claro verkauft Fair-Trade Produkte wie Kaffee, Kristallzucker, Schokolade, Dörrfrüchte und Reis. Die Jugendherberge Solothurn bezieht laut Mediensprecherin Melanie Wappler Lebensmittel von Max Havelaar. Im Sortiment sind Fair-Trade Produkte wie Reis, Fruchtsaft, Zucker und Tee aus fairer Produktion. «Mit den Max Havelaar Produkten leisten wir gerne einen Beitrag für den fairen Handel.», berichtet Melanie Wappler.

In Grenchen und Zuchwil sind es je zwei Personalrestaurants der SV Group (SV-Service Schweizer Verband Volksdienst). Laut Marion Münstermann, Senior Communications Consultant, spielt das Angebot von Fairtrade-Produkten bei SV Schweiz eine wichtige Rolle. Die Firma fördert den Verkauf von fair produzierten und gehandelten Produkten in über 300 Mitarbeiterrestaurants und Mensen. Die SV Restaurants in Grenchen und Zuchwil führen beispielsweise Bananen, SV Ice Tea und Lemonade, Michel-Säfte und Zuckersticks aus Fair-Trade Produktion. «Das Projekt ‹Fair Trade Town› hat SV Schweiz von Anfang an unterstützt.», berichtet Marion Münstermann. 

«Die Arbeitsbedingungen von Produzenten in Entwicklungs- und Schwellenländern liegt in der Hand des Konsumenten.»

In erster Linie soll «Fair Trade Town» laut dem Geschäftsführer zur Bewusstseinsbildung der Bevölkerung beitragen. Viele Güter aus unserem Alltag zum Beispiel Schokolade oder Kleidung stehen in Bezug mit dem Ausland. Die dafür benötigten Rohstoffe stammen aus aller Welt. «Dabei liegt die Arbeitsbedingungen von Produzenten in Entwicklungs- und Schwellenländern in der Hand des Konsumenten.» so Philipp Scheidiger.

Im Anschluss an die Bewusstseinsbildung soll ein nachhaltiger und fairer Konsum gefördert werden. Dafür soll eine Verhaltensveränderung stattfinden, informiert Philipp Scheidiger. Um die Kriterien für den Erhalt der Auszeichnung zu erfüllen, soll bewusst die ganze Gemeinde miteinbezogen werden. Damit eine Gemeinde oder eine Stadt zu einem sogenannten «Fair Trade Town» wird, werden vier Phasen durchlaufen.

Eine bunt gemischte Arbeitsgruppe für mehr Nachhaltigkeit

Zuerst soll eine Arbeitsgruppe gegründet werden. Diese Arbeitsgruppe hat die Aufgabe, den Prozess in ihrer jeweiligen Gemeinde zu steuern. Die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe soll möglichst aus verschiedenen Personen, welche in verschiedenen Bereichen tätig sind, zusammengesetzt sein. Dank dieser Vernetzung gewinnt das Projekt gemäss dem Geschäftsführer enorm an Nachhaltigkeit. «So treffen in der Arbeitsgruppe beispielsweise ein Cafetier, ein Hotelier und ein Schulleiter aufeinander.» Die verschiedenen Parteien sprechen nicht die gleiche Sprache, das ist laut Philipp Scheidiger herausfordernd und gewinnbringend zugleich.

Die Politik geht voran

In einer zweiten Phase wird die Erfüllung der Kriterien angestrebt. Werden nur einzelne Kriterien erfüllt, gilt eine Stadt oder Gemeinde als «aktiv» jedoch noch nicht als «Fair Trade Town».

Kriterien «Fair Trade Town»

Diese sind:

  1. Die Stadt/Gemeinde bekennt sich zum Fairen Handel
  2. Eine Arbeitsgruppe koordiniert das Fair Trade-Engagement
  3. Detailhandel und Gastronomie/Hotellerie bieten Fair Trade-Produkte an
  4. Institutionen und Unternehmen verwenden Fair Trade-Produkte
  5. Durch Öffentlichkeitsarbeit wird der Faire Handel der Bevölkerung nähergebracht

Laut Philipp Scheidiger sind momentan Städte und Gemeinden sprich die Politik am aktivsten, dicht gefolgt von den Zweigen Detailhandel und Gastronomie.

Die Auszeichnung hat eine dreijährige Gültigkeit

In einer dritten Phase wird die Auszeichnung in einer öffentlichen Gemeindefeier zelebriert. Die Auszeichnung «Fair Trade Town» ist drei Jahre gültig. Es bedarf jedoch einem jährlichen Rapport der Stadt oder der Gemeinde, informiert Philipp Scheidiger. Dieser wird dann von Swiss Fair Trade geprüft.

Jeder kann einen Beitrag leisten

In einer vierten und letzten Phase soll nach der Auszeichnung eine Weiterentwicklung angestrebt werden. Bestehende Themen werden somit vertieft und weitere Bereiche adressiert, in welchen der Faire Handel eine wichtige Rolle spielt. Nur durch einen nachhaltigen und fairen Konsum können positive Veränderungen in Gang gesetzt werden. Dazu beitragen können alle, denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.