Dramatisch: Das Wort scheint untertrieben, wenn man diese Familiensituation beschreiben will. Und mittendrin sind die beiden Kinder. Inzwischen untergebracht an einem geheimen Ort, den die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) aus Sicherheitsgründen vor den Eltern verschweigt.

Der Vater: Syrischer Flüchtling. Schlug die Mutter vor den Augen der Kinder blutig, würgte sie mit Elektrokabeln, isolierte sie. Die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde platzierte Mutter und Kinder auswärts. Der Vater drohte mit Suizid, trat in den Hungerstreik. Im Juli 2016 übergoss er sich und den Schalter der Kesb Olten-Gösgen mit Benzin und drohte, sich anzuzünden. Ein Gutachter sieht «massive Anzeichen für eine schwere Gewalttat».

Die Mutter: Analphabetin. Aus Syrien. Der deutschen Sprache nicht mächtig. Nach einem negativen Asylentscheid hat sie im Sommer 2017 grosse Angst, die Schweiz verlassen zu müssen. Sie lässt sie die Kinder alleine in der Institution zurück und geht wieder zum gewalttätigen Mann, hofft, er könne besser mit den Behörden verhandeln und schauen, dass sie nicht ausreisen muss. Er schlägt sie weiter. Sie leben nicht am selben Ort. Sie sagt: Sie habe keinen Kontakt mehr zu ihm. Sie ist jetzt wieder schwanger. Von ihm.

Ihre Kinder sieht sie nicht mehr. Darf sie seit mehr als einem Jahr nicht mehr sehen. Die Behörde hat Angst, dass der Vater die Kinder entführen könnte, wenn er weiss, wo sie sind. Erlaubt ist nur Briefkontakt. Doch geschrieben hat sie bisher nur einen einzigen Brief. Die Analphabetin braucht Hilfe. Und einen Dolmetscher. Denn der Brief muss auf Deutsch sein, damit ihn die Behörden kontrollieren können. Wie soll eine Analphabetin Briefkontakt halten? Die Mutter klagt, sie will die Kinder sehen.

Untergebracht an geheimen Ort

Die Kinder: Ein Knabe, fünfeinhalb Jahre alt. Eine Tochter, zwölfjährig. Untergebracht an einem geheimen Ort.

Die Tochter sagt: Sie will die Mutter nicht treffen. Die Kinder haben Angst, wieder in die früheren Zustände zurückzukehren. Sie fürchten, dass sich die Mutter wieder unter Druck setzen und misshandeln lässt. Die Beiständin argumentiert: «Die Zusprechung eines ausgedehnten Besuchsrechts würde die Kinder stark verunsichern und ihre gewonnene Stabilität zunichtemachen.»

In einer Institution platziert

Die Behörde sagt, sie wolle den Kontakt zwischen den Kindern und deren Mutter nicht verhindern. Deshalb habe man die Mutter gemeinsam mit den Kindern in einer Institution platziert.

Solange die Kindsmutter mit dem gewalttätigen Kindsvater zusammen sei, müssten die Kinder geschützt werden, notfalls vor beiden Elternteilen. «Die Kesb sei mit dem Wiederaufbau der Kontakte vorsichtig, weil die Kinder den Vater wie auch die Mütter fürchteten, da diese sei verlassen habe», heisst es im Urteil des Solothurner Verwaltungsgericht, das über den Fall entschieden hat.

Das Gericht sagt: «Der gänzliche Ausschluss eines Elternteils vom persönlichen Verkehr kommt nur als ultima ratio in Frage; er ist einzig dann statthaft, wenn sich die nachteiligen Auswirkungen eines Besuchsrechts nicht anderweitig in für das Kind vertretbaren Grenzen halten lassen». Die Solothurner Verwaltungsrichter kommen zum Schluss, dass sich die Frau nicht einmal dann vom gewaltbereiten Partner trennen will, «wenn die Konsequenz daraus lautet, dass sie ihre Kinder nicht mehr sehen darf.» Sie würde den Aufenthaltsort wohl nicht geheim halten, glauben die Richter.

Das Kontaktrecht einzuschränken sei deshalb gerechtfertigt. Die Platzierung der Kinder dürfe unter keinen Umständen gefährdet werden, sagt das Gericht. Vorläufig bleibt der Mutter deshalb lediglich, halt doch mithilfe von Dolmetschern Briefe an die Kinder zu schreiben.

Der Staat: Er bezahlt die rund 8000 Franken Gerichts- und Anwaltskosten. Die Familie hat kein Geld.