Tochter missbraucht

Erneut massive Vorwürfe: Kesb blieb trotz Meldungen und Beschwerden untätig

Beim Vater gibt es gemäss den vorliegenden Akten die begründete Vermutung, dass er seine knapp achtjährige Tochter missbraucht hat. (Symbolbild)

Beim Vater gibt es gemäss den vorliegenden Akten die begründete Vermutung, dass er seine knapp achtjährige Tochter missbraucht hat. (Symbolbild)

Ein neuer Fall der zuständigen Kesb Dorneck-Thierstein/Thal-Gäu erlaubt tiefe Einblicke in deren Handeln. Dieses Mal geht es um einen Kindsvater, der seine achtjährige Tochter missbraucht haben soll – ohne Konsequenzen.

Neues Ungemach für die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Dorneck-Thierstein/Thal-Gäu: Nachdem deren Präsident Anfang Mai neben dem Departement des Innern und dem Amt für Soziale Sicherheit mit einer Aufsichtsbeschwerde eingedeckt wurde, liegt nun ein Fall von noch viel gravierenderem Ausmass auf dem Tisch.

Bei diesem handelt es sich um einen Kindsvater, bei dem es gemäss den vorliegenden Akten die begründete Vermutung gibt, dass er seine knapp achtjährige Tochter fortlaufend ohne behördliche Konsequenzen missbraucht hat. Nun kommt auf verschiedenen Ebenen Bewegung in die Sache. Mit Datum vom 25. Mai hat ein Rechtsanwalt eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Vizepräsidentin der Kesb Dorneck-Thierstein, gegen eine leitende Mitarbeiterin sowie eine Beiständin und gegen zwei Ärztinnen der Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland (KJP BL) – mit dem die Behörde zusammenarbeitet – eingereicht.

Erschütternde Protokolle von den Besuchen

Die Vorwürfe, die darin erhoben werden, sind massiv. Obwohl es mehrfach Gefährdungsmeldungen und Aufsichtsbeschwerden gab und eine Strafanzeige vom Dezember 2019 gegen den Kindsvater hängig ist, blieb die Kesb untätig. Sie bestellte zwar eine Kinderanwältin, die das Kind bisher aber noch nie gesehen hat. Das sollte sie jedoch dringend. Denn vor einigen Wochen sind beim Mädchen alle Dämme gebrochen. Es liegen erschütternde Protokolle der Besuche beim Kindsvater vor.

Das Mädchen, das in der Obhut seiner vor Jahren vom Kindsvater geschiedenen Mutter steht, schildert die erschreckenden Begegnungen in einer ebenso klaren wie aufwühlenden Detailliertheit. Gehandelt wurde bisher nicht – jedenfalls nicht so, dass sich die Situation für das Mädchen in Bezug auf den von ihm verweigerten Kontakt mit seinem Vater verbesserte. Für den Verfasser der Aufsichtsbeschwerde eine «klare Verletzung von Amtspflichten».

Doch es kommt noch schlimmer: Die Mitteilung einer der beiden KJP-Ärztinnen über die entlarvenden Äusserungen des Kindes ging nicht nur an die Behörde, sondern auch direkt an den beschuldigten Kindsvater. Damit ist dieser in Kenntnis sämtlicher Beweismittel – eine massive Gefährdung des laufenden Strafverfahrens. Und Auslöser einer weiteren Strafanzeige, die von dritter Seite eingereicht wurde. Sie richtet sich gegen die beiden Ärztinnen, denen vorgeworfen wird, auf zumindest fahrlässige Art und Weise strafrechtlich relevante Informationen weitergegeben zu haben. Zur Illustration der Dramatik in diesem Fall: Es ist eine Mordankündigung an die Adresse des Mädchens dokumentiert, die selbst die potenzielle Mordwaffe beinhaltet. Zudem gibt es Drohungen des Kindsvaters, seine Tochter zu entführen und in ein Heim zu stecken, sollte sie anderen Personen von den Ereignissen erzählen.

Handlungsbedarf für alle dringend

Sowohl aus den Gefährdungsmeldungen als auch aus der Aufsichtsbeschwerde und den Strafanzeigen geht hervor: Es besteht dringender Handelbedarf – zum Schutz des Mädchens und seiner Mutter ebenso wie zu jenem des Vaters und von beteiligten Dritten. In der Beschwerde, die an das Departement des Innern gerichtet ist, werden denn auch konkrete Massnahmen beantragt. Erstens ein Aufsichtsverfahren gegen die Verantwortungsträgerinnen in Kesb und KJP, zweitens der Ausstand der Kesb-Vizepräsidentin sowie der Mitarbeiterinnen der Sozialregion, drittens die Prüfung personalrechtlicher und juristischer Schritte gegen die gleichen Personen und viertens die Umsetzung der erforderlichen Sofortmassnahmen.

«Die Kesb ist nicht fähig und nicht willens, in diesem sich dramatisch weiterentwickelnden Kindesschutzfall wirklich hinzuschauen», steht in der Aufsichtsbeschwerde, «sie ist in erschreckendem Ausmass unorganisiert.» Derweil sie den Vater schütze, benachteilige sie die Mutter, hält der Rechtsanwalt fest, der ihre Interessen vertritt. Und dies auf dem Buckel des Kindes, für das die Behörde begleitete Besuche verfügt hat. Sie konnten bisher coronabedingt nicht stattfinden. Ebenso wie das Strafverfahren stillsteht.

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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