Mangelerscheinungen

Ernährungsberaterin findet: «Veganismus ist übertrieben»

Die Ernährungsberaterin Petra Martel baut nicht auf Veganismus.

Die Ernährungsberaterin Petra Martel baut nicht auf Veganismus.

Veganer in der Schweiz ernähren auch Kinder ohne tierische Produkte. Die Zuchwiler Ernährungsberaterin Petra Martel rät davon ab.

Veganismus ist Trend. Auch in der Schweiz. Einerseits verzichten immer mehr Erwachsene auf tierische Produkte. Andererseits tischen Eltern auch ihren Kindern keine Milch, Wurst oder Eier auf. Das sorgt bei vielen vor allem dann für Unverständnis, wenn über Klinikeinweisungen von mangelernährten, veganen Kindern berichtet wird (siehe Kontext). 

Solch einen Fall hat auch die Zuchwiler Ernährungsberaterin Petra Martel schon erlebt. Sie arbeitete rund sieben Jahre lang als Ernährungsberaterin im Kinderspital Zürich. Dort sei einmal ein Kind eingeliefert worden, wobei man die Mangelernährung erst im Verlaufe der Untersuchung feststellte. «Von selbst kommen die Eltern oft nicht», sagt Martel. «Sie haben das Gefühl, sie hätten alles im Griff.»

Informiert sein, ist wichtig

Es gebe tatsächlich Eltern, die ihre Kinder vegan ernähren und das im Griff haben. «Dazu muss man aber sehr gut informiert sein», so Martel. Die Zuchwiler Ernährungsberaterin rät grundsätzlich davon ab. «Vegane Ernährung kann das Wachstum und die Entwicklung von Kindern verzögern. Sie können zu klein oder zu leicht sein.» Ein weiteres Problem sei der Kalzium-Mangel: «Bis zum 25. Lebensjahr kann ein Mensch Knochenmasse aufbauen.»

Ernährt man sich nicht bedarfsgerecht, wird die Knochenmasse abgebaut. Bei Kalzium-Mangel führe das dann zu Problemen im Alter – wie zum Beispiel Osteoporose, die schleichende Knochenerkrankung. Der Kalzium-Mangel rühre einerseits von der fehlenden Kuhmilch her. Es gebe aber auch vegane Mütter, die ihre Kinder nicht stillen. «Die Muttermilch ist ja streng genommen auch nicht vegan», sagt Ernährungsberaterin Martel. 

Tabletten statt Fleisch

Als Ersatz zu Fleisch und Co. gibt es bereits heute in vielen Schweizer Läden zum Beispiel Sojaprodukte. Diese seien bei Kindern und Säuglingen nicht verboten, sagt die Zuchwilerin. «Sojaprodukte werden aber auch nicht empfohlen», so Martel.

Eisen oder Vitamin B12 kann man heute auch in Form von Tabletten zu sich nehmen. Ohne solche Ergänzungsmittel könne eine vegane Ernährung bei Kindern nicht funktionieren, sagt die Ernährungsberaterin. Erwachsene könnten sich mit diesen Mitteln «bedarfsgerecht» ernähren. Kinder hätten jedoch nochmals einen erhöhten Bedarf. Problematisch sei noch etwas anderes: «Man weiss noch nicht genau, wie sich das langfristig auf den Körper auswirkt, wenn man sich diese Nährstoffe alle künstlich zuführt», erklärt Martel.

Sture Eltern mit religiösen Zügen

Trotz möglichen Mangelerscheinungen oder sogar Hirnschäden kann Martel Eltern in ihrer Praxis praktisch nie umstimmen. «Das ist wie eine Religion», berichtet die Ernährungsberaterin. Einmal habe sie eine Mutter dazu bringen können, ihrem Kind ab und zu Fisch zu geben. Oftmals könne sie überzeugten Veganern aber nur aufzeigen, was es alles für Ergänzungsmittel gibt. Veganer sollten auch regelmässig Bluttests machen, sagt Martel. Warum Eltern trotz Risiken ihre Kinder ohne Milch, Fleisch oder Eier aufziehen wollen, darüber kann die Ernährungsberaterin nur spekulieren.

Aus Sicht der Veganer wolle man Tiere schützen und tue so etwas für die eigene Gesundheit. Dazu kommt: «Veganer wollen die Umwelt schonen», und dieser Gedanke sei grundsätzlich ja ein guter. Vegetarische Ernährung oder Fleischkonsum in Massen und die Verwendung regionaler Produkte sei sinnvoller: «Veganismus ist übertrieben», so Martels persönliche Meinung. «Man könnte sich die Frage stellen, ob eine aus Italien importierte Mandelmilch eine bessere Ökobilanz hat als Kuhmilch von regionalen Bauern.»

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