Alle im Amtsgericht Solothurn-Lebern waren sich einig, dass zivile Instanzen wie die Kesb versagt hatten. Der Schweizer türkischer Abstammung Aslan G. (Namen geändert) musste sich wegen versuchten Raubs, Erpressung, Sachbeschädigung, Beschimpfung, Drohung, Hausfriedensbruchs und Drogenkonsums verantworten, in mehrfachen Fällen.

Die Taten des an Schizophrenie Erkrankten erfolgten vorwiegend um die Weihnachtszeit 2015/2016. Dann im März 2019. Er versuchte, von Familienmitgliedern maximal hundert Franken zu erlangen. Etwa von seiner Schwester: «Wenn du mir jetzt nichts gibst, bringe ich dich um, dann bringe ich deine Kinder um.» Eine Schwester bezahlte erst, als er seine Drohungen, auf Facebook «schlechte Sachen» zu posten, umgesetzt hatte. Aslan wurde gewalttätig. Schlitzte Reifen der Autos von Familienmitgliedern auf, warf Steine gegen die Fenster der Geschwister. Ein Vorfall: In einer Solothurner Coop-Filiale traf er seine Mutter und Schwester mit deren Kind im Kinderwagen an, verlangte Geld. Als die Schwester sich weigerte, habe er sie in den Nacken geschlagen. Er liess erst von ihr ab, als Passanten die Polizei riefen. Der 35-Jährige erschien aus der Sicherungshaft, durfte die Handschellen nie ablegen.

Sein Gesicht ist von der Drogensucht gezeichnet. Eine Schwester im Zeugenstand: «Er ist nicht so. Er tat das nur, weil er drogenabhängig ist.» Sie wollte ihn nicht ins Gefängnis bringen. An vieles, das ihn belastet hätte, erinnerte sie sich nicht mehr. Warum sie die Polizei geholt hätten? «Wir wollten nur, dass er sich behandeln lässt.» Sie rang deutlich mit der Situation wie auch die zwei andern Schwestern. Drogensucht und Schizophrenie traten bei Aslan im Alter von 19 Jahren auf. Trotzdem arbeitete er phasenweise. Die Familie unterstützte ihn meist mit zehn bis zwanzig Franken zweimal pro Woche, wozu ein Arzt geraten habe.

Verteidiger Beat Muralt argumentierte, dass es sich nicht um Erpressung oder Raub gehandelt habe, sondern die Familie habe ihm aus seiner Sichtweise 180'000 Franken geschuldet, nämlich das Geld, das ihm die Invalidenversicherung und eine andere Institution rückwirkend zugesprochen hätten und das die Familie eingestrichen habe. Zudem hätten sich die Familienangehörigen nicht einschüchtern lassen, es habe keine Bedrohung gegeben. Staatsanwältin Petra Grogg wollte 18 Monate unbedingte Haft, Muralt bloss acht Monate, beide aufgeschoben zugunsten einer Therapie. Muralt plädierte für eine ambulante Massnahme.

Grogg folgte dem am Prozess aussagenden psychiatrischen Gutachter Lutz-Peter Hiersemenzel, der eine stationäre Massnahme forderte. Aslan habe eine schwere Form der Schizophrenie mit Psychosen, somit eine stark verminderte Schuldfähigkeit.
Das Gericht mit Matthias Steiner, Christoph Geiser und Markus Zubler verurteilte Aslan zu 13 Monaten Haft, doch aufgeschoben zugunsten einer stationären Therapie (kleine Verwahrung).