Plädoyer

Er setzt auf «Evolution, nicht Revolution»: Bischof Gmür kämpft erneut für Frauen hinter dem Altar

Bischof Felix Gmür ist seit 2010 im Amt. (Archiv)

Bischof Felix Gmür ist seit 2010 im Amt. (Archiv)

In einer Botschaft vor Ostern setzt Bischof Felix Gmür zu einem Plädoyer für eine starke Rolle der Frau in der Kirche an. Er lote damit die Grenzen seiner Möglichkeiten aus, heisst es beim Bistum.

Der Bischof von Basel hat deutliche Worte gewählt. Am Montag hielt Felix Gmür vor Seelsorgern und Priestern seines Bistums in der Solothurner St. Ursenkathedrale eine Predigt, deren Inhalt Zündstoff für Diskussionen innerhalb der katholischen Kirche liefern dürfte. Gmür hielt ein Plädoyer für eine starke Rolle der Frau in der Kirche.

Welche Tragweite die Worte haben, zeigt die Nachfrage beim Bistum: So pointiert habe Gmür die Rolle der Frau in der Kirche noch nie dargelegt, sagt Bistumssprecher Hansruedi Huber. Er versteht die Predigt als eminent (kirchen)politisch. Gmür lote «den Handlungsspielraum bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten aus.»

Bedeutung erhalten die Worte auch, weil zur sogenannten Chrisammesse am Montag alle Priester und Seelsorgenden des Bistums eingeladen waren. Gmürs Aussagen sind somit auch eine Botschaft nach innen.

«Einzig Frauen waren dabei», heisst der Titel der Predigt. Gmür interpretiert dabei die Wichtigkeit der Frauen für die Kirche anhand von Maria Magdalena. Er gesteht ihr eine herausragende Rolle bei der Verkündigung des Evangeliums zu: «Maria ist die erste Zeugin und Verkündigerin der Auferstehung», so Gmür. Und weiter: «Es sind die Frauen – und nur die Frauen – die Kontinuität zwischen Leben, Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi garantieren. Nur sie waren dabei! Während andere – vor allem Männer – sich feige aus dem Staub machten.»

«Die Kirche ist im Wandel»

In der Frauenfrage steht der Bischof von Basel gewissermassen auch unter Druck. Kürzlich haben Theologinnen und Seelsorgerinnen unter dem Titel «Wir haben es satt!» 20 deutliche Forderungen zu einem radikalen Umbau der Kirche an den Bischof gestellt. Dazu gehören etwa dass keine Männer mehr zu Diakonen und Priestern geweiht werden, bis der Zugang zu diesen Ämtern auch Frauen offensteht. Als Reaktion auf den Forderungskatalog will man Gmürs Predigt beim Bistum Basel nicht verstanden wissen. «Bischof Felix ist in dieser Frage seit Jahren engagiert», sagt sein Sprecher. Dass die Aussagen nun pointierter ausfielen, habe auch mit der allgemeinen Entwicklung in der Kirche zu tun.

Bereits 2013 hatte Gmür in einem Interview mit dieser Zeitung nicht nur das Zölibat infrage gestellt. Er sagte auch: «Ich persönlich kann mir eine Frau am Altar vorstellen.» Nur befürchte er in dieser Frage eine Zerreissprobe und Spaltungen in der Kirche. – Inzwischen sind über fünf Jahre vergangen.

Wie viel Geduld brauchen Frauen noch? «Die Kirche ist in Bewegung», ist Sprecher Huber überzeugt. Deshalb sei es wichtig, dranzubleiben und sich für Veränderungen einzusetzen. Der Wunsch nach einem Wandel sei, etwa auch beim Zölibat, vor allem in Westeuropa festzustellen. Beim Bistum Basel hofft man deshalb man zu regional unterschiedlichen Lösungen innerhalb der Weltkirche.

«Bischof Gmür kann sich Frauen hinter dem Altar vorstellen», sagt sein Sprecher. «Aber er kann nicht einfach beginnen, Frauen zu weihen.» Das Thema müsse reifen. «Der Bischof setzt auf Evolution, nicht auf Revolution.» So oder so sind Gmür Grenzen gesetzt. Den Wunsch, Frauen weihen zu wollen, dürfte er, auch wenn er möchte, gar nicht äussern. Eine Verlautbarung von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1994 untersagt dies quasi generell.

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