Zuerst das ganz grosse Gähnen, und dann – man glaubt es kaum – sinkt der Kopf vorneüber. Einschlafen in aller Öffentlichkeit ist nicht gerade das, was Mann braucht. Nach einer strengen Fas-Nacht zu früher Morgenstund mag der Alkoholspiegel für solche Peinlichkeiten verantwortlich sein, und der Betroffene kann noch mit einer gewissen Toleranz rechnen. Aber wenn Spitzenpolitiker bei Veranstaltungen plötzlich einnicken, und das erst noch wiederholt, dann stellt sich bald einmal die Frage: «Was ist mit – jetzt nennen wir die Kinder beim Namen – ja was ist eigentlich mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann los? Oder mit dem FDP-Nationalrat und Solothurner Stadtpräsidenten Kurt Fluri, dessen Schlafattacken vor aller Augen auch immer wieder zu Diskussionen führen? 

Augenfällig ist angesichts der geschlossenen Lider, wie unterschiedlich die Erklärungsversuche ausfallen. Bei Schneider-Ammann orten Beobachter schon gesundheitliche Probleme, Erschöpfungszustände aufgrund von Überarbeitung. Man macht sich also Sorgen. Öffentlich. Seltsamerweise macht sich diese kaum jemand um Kurt Fluri. Natürlich arbeitet er (zu) viel, ist fast omnipräsent. Aber er will das ja und schafft es auch irgendwie. Da darf mal ein Nickerchen drinliegen. Fluri gilt als absolut dossierfest, und vor allem: Wenn es draufankommt, ist er hellwach. Möglicherweise schöpft er sogar aus dem Minutenschlaf neue Energie, die ihm erst ermöglicht, das selbst auferlegte Riesenpensum durchzuhalten. Eines steht fest: In wichtigen Phasen ist Kurt Fluri immer da. Für sein Einnicken gibt es deshalb wohl einen anderen Grund: Er muss sich zu oft viel zu viel Einschläferndes anhören.

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