Massnahmenplan 2020

Elternnotruf und Beratungsstelle werden «gut genutzt» – Prävention von häuslicher Gewalt bleibt Priorität

19 Personen haben sich bei der Beratungsstelle Gewalt gemeldet. (Symbolbild)

19 Personen haben sich bei der Beratungsstelle Gewalt gemeldet. (Symbolbild)

Der Kanton engagiert sich seit 2007 in der Gewaltprävention. Das laufende Mehrjahresprogramm 2019-2022 fokussiert auf die häusliche Gewalt. Hier die Fälle zu reduzieren, ist eines der Ziele im Legislaturplan des Regierungsrats.

Zum Massnahmenplan des letzten Jahres gehörte die Einführung von zwei neuen Angeboten: Einem rund um die Uhr telefonisch erreichbaren Elternnotruf und der Einrichtung einer Beratungsstelle, für Menschen, die zum Täter zu werden drohen oder es schon geworden sind. Der im September eingerichtete Elternotruf verzeichnete bis jetzt 29 Kontakte, von der Beratungsstelle Gewalt wurden 19 Personen im Rahmen von 54 Gesprächen beraten.

Die Zahlen mögen tief scheinen, für Manuela Meneghini, Leiterin Fachstelle Prävention und Gesundheitsberatung, sind die neuen Angebote aber gut angelaufen. Die Angebote können zwar kostenlos und diskret, so niederschwellig wie möglich in Anspruch angenommen werden. Dennoch brauche es Mut, sie zu nutzen, so Meneghini. Sich selbst einzugestehen, dass man ein Problem hat, sei schwierig. Der Regierungsrat hat nun am Dienstag den neuen jährlichen Massnahmenplan für das Gewaltpräventionsprogramm verabschiedet, für das ausserhalb des Globalbudgets soziale Sicherheit Mittel aus dem Lotteriefonds zur Verfügung stehen. Das Kostendach für 2020 beläuft sich auf 333'000 Franken.

Die ursprünglich bereits zu Jahresbeginn geplante, breite Kampagne zur Sensibilisierung der Bevölkerung für das Thema häusliche Gewalt wurde auf nächstes Jahr verschoben. Demnächst startet eine bescheidenere Kampagne, in der die neuen Angebote noch bekannter gemacht werden sollen, unter anderem mit Werbung in Bussen. Im Vordergrund steht dieses Jahr nicht die Einführung weiterer Instrumente in der Prävention, man fokussiert mehr auf die Zusammenarbeit und Vernetzung der verschiedenen Akteure, die mit der Thematik der häuslichen Gewalt befasst und konfrontiert sind.
Dazu gehören neben Polizei, Staatsanwaltschaft, Opferhilfe oder Frauenhaus insbesondere auch im Gesundheitswesen tätige Fachpersonen.

Sie sollen zur Früherkennung und Behandlung häuslicher Gewalt geschult werden. So findet im März ein Informationsanlass für Ärzte und weitere Fachpersonen in Gesundheitsberufen statt, an der es etwa um den Umgang mit häuslicher Gewalt in der Arztpraxis, aber auch um rechtliche Grundlagen geht. Ein ähnlicher Anlass widmet sich im Herbst dem Thema Menschenhandel.Vorgesehen ist weiter auch eine Veranstaltung, an der die weibliche Genitalverstümmelung thematisiert werden soll.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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