Coronavirus Kanton Solothurn
Einsatz von Studenten und Pensionierten: Schulen suchen Lehrpersonen, die im Notfall einspringen

Der Schutz von Lehrpersonen hat laut dem Kanton Priorität, trotzdem kann es zu Ausfällen kommen. Damit die Schulen schnell Stellvertretungen anstellen können, braucht es qualifizierte Lehrkräfte.

Rebekka Balzarini
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Der Schutz von Lehrpersonen ist sehr wichtig. (Symbolbild)

Der Schutz von Lehrpersonen ist sehr wichtig. (Symbolbild)

Bruno Kissling

Trotz der Pandemie soll der Unterricht an der Volksschule weitergehen. Das haben die Verantwortlichen in den vergangenen Wochen mehrfach betont. So soll sichergestellt werden, dass die Kinder und Jugendlichen die bestmögliche Bildung erhalten. Während der Schulschliessung im Frühling hatte sich zumindest teilweise gezeigt, dass nicht alle Familien gleich gut mit dem Fernunterricht zurechtkommen. Ziel ist es nun, diese Lücken zu finden und zu schliessen, und möglichst keine neuen entstehen zu lassen.

Wenn eine Person über längere Zeit zwei Klassen gleichzeitig betreuen muss, führt das schnell zu einer Überlastung.

(Quelle: Mathias Sticker, Präsident LSO)

Damit die Schülerinnen und Schüler weiter im Klassenzimmer lernen können, braucht es aber auch Lehrpersonen. Und weil es unwahrscheinlich ist, dass sich bei den steigenden Fallzahlen nicht auch immer mehr Lehrpersonen anstecken oder mit Covid-19 in Kontakt kommen, möchte der Verband Lehrerinnen und Lehrer Solothurn (LSO) vorsorgen. «Das bestehende Personal reicht nicht aus um mehrere Ausfälle gleichzeitig zu stemmen», erklärt Mathias Stricker, Primarlehrer und der Präsident des LSO.

Studenten und Pensionierte könnten helfen

Damit die Volksschulen schnell Stellvertretungen anstellen können, braucht es einerseits finanzielle Mittel. Stricker, der für die SP im Kantonsparlament politisiert, hat deshalb am Dienstag einen Auftrag eingereicht, der von einer Mehrheit des Parlaments für dringlich erklärt wurde. Darin fordert er, dass der Kanton einen Teil der Kosten übernimmt, die in den Gemeinden entstehen, weil temporär Lehrpersonen eingestellt werden müssen. Über das Anliegen wird der Rat an der Session im Dezember entscheiden.

Neben der Finanzierung gibt es aber noch eine zweite Herausforderung zu bewältigen: Qualifizierte Lehrkräfte, die kurzfristig in den Solothurner Klassenzimmern aushelfen können, müssen überhaupt erst gefunden werden. Stellvertretungen für kranke Lehrpersonen zu organisieren ist auch in Zeiten ohne Covid-19 eine Herausforderung. Zwar kämpft der Kanton Solothurn noch nicht mit einem so ausgeprägten Lehrermangel wie andere Kantone, aber auch hier ist es jeweils schwer, offene Stellen zu besetzen.

Wenn in den nächsten Wochen viele Lehrpersonen gleichzeitig auszufallen drohen, dann braucht es laut Stricker einen besonderen Effort. «Unser Ziel ist es, diejenigen Lehrpersonen für Stellvertretungen zu gewinnen, die nicht mehr auf dem Beruf arbeiten», erklärt Stricker. Einerseits also pensionierte Lehrpersonen, aber auch Lehrpersonen, welche die Branche gewechselt haben. Auch Studierende der pädagogischen Hochschule könnten mithelfen, damit der Unterricht trotz krankem Personal weitergeht.

Anliegen kommt an

Damit möglichst viele Fachkräfte für Stellvertretungen gefunden werden, braucht es laut Stricker eine Kampagne, an der auch das Volksschulamt mitwirken solle. Mit seinem Anliegen stösst Stricker laut Andreas Walter, dem Leiter des Volksschulamtes, auf offene Ohren. Die Strategie des Volksschulamtes habe «prioritär» das Ziel, Ansteckungen in den Schulen möglichst zu verhindern: «Lehrpersonen sollen gesund und sicher unterrichten können. Die Schutzkonzepte der Schulen sind hierfür aufgebaut, umgesetzt und funktionieren», so Walter. «Sekundär soll dort, wo es zu personalen Engpässen kommt, qualifiziertes Personal die Schulen entlasten.»

Bereits im Frühsommer habe man deshalb die Möglichkeit geschaffen, um Studierende der Hochschulen Pädagogisches Ergänzungspersonal (PEP) anzustellen. «Beides hat sich bewährt, ersetzt aber keine ausgebildeten Lehrpersonen», so Walter. Um genügend Lehrpersonen zu finden soll eine Kampagne gestartet werden, wie sie der Kanton bereits für die Suche nach Fachpersonen im Gesundheitswesen gestartet hat. Unter anderem such die Solothurner Spitäler AG (soH ) mit Anzeigen in den Sozialen Medien nach Fachkräften.