Lüsslingen-Nennigkofen
Ein schwerer Schlag für Kirschblütler: Die Ärztegesellschaft Avanti erhält kein Geld mehr von Krankenkassen

Die Ärztegesellschaft Avanti in Lüsslingen-Nennigkofen kann ihre Leistungen nicht mehr über die Krankenversicherungen abrechnen.

Balz Bruder
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Die Krankenversicherungen müssen die therapeutischen Leistungen der Ärztegesellschaft für Echte Psychotherapie und Alternative Psychiatrie nicht mehr übernehmen. (Archivbild)

Die Krankenversicherungen müssen die therapeutischen Leistungen der Ärztegesellschaft für Echte Psychotherapie und Alternative Psychiatrie nicht mehr übernehmen. (Archivbild)

hanspeter baertschi

Das sind kurz vor Weihnachten sehr schlechte Nachrichten für die Lüsslinger Kirchblütengemeinschaft: Wie der «Beobachter» ausgebracht hat, müssen die Krankenversicherungen ab kommendem Jahr die therapeutischen Leistungen der Ärztegesellschaft für Echte Psychotherapie und Alternative Psychiatrie nicht mehr übernehmen.

Konkret: Es gibt ab 1. Januar 2021 für die «Echte Psychotherapie» nach Samuel Widmer keine Leistungspflicht mehr. Das heisst, es kann künftig nicht mehr über die Krankenversicherung abgerechnet werden. So steht es im jüngsten, noch provisorischen Anhang zur Krankenpflege-Leistungsverordnung, die sich über die Vergütungspflicht der obligatorischen Krankenpflegeversicherung für bestimmte ärztliche Leistungen äussert.

Den Entscheid hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf der Grundlage einer sogenannten Umstrittenheitsabklärung durch die Eidgenössische Kommission für allgemeine Leistungen und Grundsatzfragen (EKLG) gefasst. Dieses Gremium befindet darüber, ob eine medizinische Behandlung in den Leistungskatalog der Krankenversicherer aufgenommen wird oder nicht.

Urheberin der Abklärung ist die Solothurner Psychiaterin Alexandra Horsch, die im Mai 2018 im Namen der Schweizerischen sowie Solothurnische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie in der Sache tätig geworden war. Für sie ist der Entscheid «ein wichtiger Schritt im Interesse der Patientensicherheit».

Methode ist ein Dorn im Auge

Und auch einer der beiden Dachverbände der Krankenversicherungen, Santésuisse, hat bereits deutlich gemacht, dass er den Entscheid, die Leistungen nicht mehr auf Kosten der Prämienzahlenden abzurechnen, begrüsst. Die Methoden der von Avanti sei Santésuisse schon lange ein Dorn im Auge gewesen.

Offensichtlich auf dem falschen Fuss erwischt wurde die Ärztegesellschaft selber: «Wir sind weder vom BAG noch von der EKLG informiert worden, dass eine Umstrittenheitsabklärung durchgeführt würde, noch sind wir um eine Stellungnahme angefragt worden», schreibt der Vorstand.

Und weiter: « Es wird von Menschen, die uns offensichtlich schaden wollen, immer wieder bewusst eine Vermischung und Verwechslung provoziert von ärztlichen Leistungen zu Lasten der Krankenversicherung auf der einen Seite und von Vortragsinhalten, Seminarangeboten und privaten Aktivitäten der Kirschblütengemeinschaft auf der anderen Seite – noch dazu mit Gerüchten und Verleumdungen, die von diesen Personen selbst in die Welt gesetzt worden sind.»

Alte Geschichten kommen an die Oberfläche

In der Tat kommen nun wieder viele alte Geschichten an die Oberfläche, die im Umfeld des 2017 verstorbenen Gründers der Gruppierung Kirschblüte, Samuel Widmer, anzusiedeln sind. Es geht um den Einsatz von LSD und anderen bewusstseinserweiternden Substanzen, es geht um Polyamorie und Sex mit Patienten sowie das Inzesttabu in der Therapie.

Sowohl das Gesundheitsamt als auch die Staatsanwaltschaft und die Politik mit der Kirschblütengemeinschaft befassten sich mit dem Wirken der Kirschblütler. Doch es blieb am Ende nichts hängen. Ein Punkt, den Horsch heftig kritisiert. Es wäre Aufgabe der beim Kanton beziehungsweise beim Departement des Innern angesiedelten Medizinalaufsicht gewesen, dem Treiben ein Ende zu setzen.

Dass die Leistungen der Ärztegesellschaft künftig nicht mehr von den Krankenversicherungen übernommen werden müssen, ist ökonomisch ein schwerer Schlag für die in Lüsslingen-Nennigkofen tätigen Psychotherapeuten. Faktisch entspricht dies einem Berufsverbot. Und dies, obwohl alle ordentlichen Mitglieder der Ärztegesellschaft über die Voraussetzungen zur Berufsausübung und Abrechnung zu Lasten der Grundversicherung verfügten sowie gemäss den anerkannten Richtlinien praktizierten und auch die Standesordnung akzeptierten, wie der Vorstand betont.

Umso bitterer für die Ärztegesellschaft: «Wir wurden in der Sache weder gehört, noch wurden sämtliche auf kantonaler Ebene getätigten umfangreichen Abklärungen, der Vorwürfe durch die Staatsanwaltschaft und das Gesundheitsamt, die zu unserer vollumfänglichen Entlastung geführt haben, berücksichtigt.» Juristische Abklärungen in der Sache sind im Gang. Rechtsmittel gegen den Entscheid gibt es allerdings nicht. Ein rechtliches Vorgehen wäre demnach erst gegen die Umsetzung des Beschlusses durch die Krankenkassen möglich.