Gastkolumne

Ein rostiges Kässeli reicht nicht

Der Monolith auf dem Murtensee. Key

Der Monolith auf dem Murtensee. Key

113 Tonnen Blech, 34 Meter lang, rostig auf einem Betonfundament im Murtensee. Vielleicht erinnern Sie sich an dieses Bild? Der Monolith. Er war eine der Hauptattraktionen an der Landesausstellung Expo.02 im Drei-Seen-Land. Er stand für die Vergänglichkeit allen Seins, passend zum Motto «Augenblick und Ewigkeit» und thematisierte die Frage: «Ist die Schweiz am Verrosten?». Für die einen war es Kunst, für die anderen schlicht ein Schandfleck auf dem Murtensee.

Knapp 20 Jahre später ist sie lanciert die Diskussion um eine weitere «Landi». Drei grosse Projekte stehen für einen erneuten nationalen Catwalk in den Startlöchern, eines davon ist die Nordwestschweizer Initiative Svizra27. Die kantonalen und nationalen Wirtschafts- und Gewerbeverbände haben die Idee lanciert und rühren die Werbetrommel dafür. Die Expo soll unter dem Motto «Mensch-Arbeit-Zusammenhalt» stehen, ein Budget von maximal 1 Milliarde Franken betragen und dezentral in der Region Nordwestschweiz, Kanton Solothurn inklusive, stattfinden.

Es stellen sich nun auf der einen Seite die ketzerischen Fragen: Wollen wir bei uns wirklich so etwas Teures auf die Beine stellen? Ist das nicht ein bisschen narzisstisch? Sind Messen und Ausstellungen nicht Auslaufmodelle in der heutigen digitalen Welt? – Wir mögen zwar positive Erinnerungen an die letzte Landesausstellung haben. Doch im Rückblick hinterlässt sie hinsichtlich Organisation, Budgetplanung, Finanzierung und Nachhaltigkeit und ein getrübtes Bild.

Und auf der anderen Seite bieten echte Besucherströme – wir reden von mehreren Millionen Menschen – dem Kanton Solothurn aus Sicht der Standortpromotion eine riesige Chance. Im Zeitalter der Informationsüberflutung gewinnen Analoge und direkte Begegnungen mit Menschen an Bedeutung. Die Svizra27 könnte mit einem smarten, innovativen und nachhaltigen Konzept Emotionen bei den Besuchern wecken und dabei unseren Kanton optimal in Szene setzen. Sie könnte Antworten auf brisante gesellschafts- und wirtschaftspolitische Fragestellungen liefern: Was ist, wer hat, wer gibt, wer nimmt Arbeit? Wie sieht heute, morgen oder übermorgen Arbeit aus? Ein überkantonales, überzeugendes Umsetzungskonzept ist jedoch Grundvoraussetzung.

Eine smarte Svizra27 kann das Image unseres Kantons über die Landesgrenzen hinaus aufwerten. Zudem erfordert ein solches Projekt, dass die Regionen und Kantone ihre Kooperationen stärken. Klar ist, der Kanton Solothurn mit seinen vielseitigen und heterogenen Regionen muss sich innerhalb der Nordwestschweiz mit einer überzeugenden Botschaft einreihen. Nur schon dieser Prozess kann eine Chance sein.

Ein solches Megaprojekt generiert zudem zwangsläufig Arbeit für Herrn und Frau Solothurner und Aufträge für lokale Unternehmen. Die Wertschöpfung einer Landesausstellung fällt hauptsächlich im Tourismus und im Gewerbe sowie im Bereich des Auf- und Abbaus der Eventinfrastruktur, an. Kleinere und grössere Unternehmen haben Aussicht auf Aufträge – für die Wirtschaft ein wichtiges Argument.
So oder so, eine erneute – siebte – Landesausstellung muss am Schluss in vielerlei Hinsicht einen Mehrwert bieten. Nur teurer «Schall und Rauch» darf es in der heutigen Zeit, in der Nachhaltigkeit und Klima zu Recht im Vordergrund stehen, nicht sein.

Es bleibt spannend, ob und wie der Schauplatz Kanton Solothurn in die Schweizer «Landi»-Geschichte eingeht. Das Monolith-Blech jedenfalls, lebt bis heute dank einem Murtner Künstler als Kässeli, Küchenuhr oder einfach als rostiges Stück Blech im bunten Garten weiter. Sarah Koch
Leiterin kantonale Wirtschaftsförderung

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