«Die Absicht ist, dass die Marke Fortis, die Fabrik und die Jobs in Grenchen erhalten werden. Das ist keine Garantie für die nächsten 40 Jahre – aber immerhin.» Diese Aussage von Sachwalter Andreas Feuz dürfte aus Sicht der Betroffenen wohl die wichtigste im öffentlichen Teil der Verhandlung vom Mittwoch am Amtsgericht Solothurn-Lebern sein. Dort ging es um die Bestätigung des Nachlassvertrages in Sachen der in finanzielle Schieflage geratenen Traditionsfirma Fortis Uhren AG.

Gegenüber Amtsgerichtspräsident Yves Derendinger bestätigte Sachwalter Feuz, dass bei der vorangegangenen Gläubigerversammlung eine grosse Mehrheit dem Nachlassvertrag zugestimmt habe. Das nötige Quorum – die Hälfte der Gläubiger mit zwei Dritteln der Forderungen – sei «auf jeden Fall erreicht worden».

Bezüglich eines weiteren grösseren Gläubigers, der seine Forderungen nicht fristgerecht eingereicht hatte, ist derzeit in Deutschland ein Prozess hängig, hiess es vor Amtsgericht. Laut Feuz «geht man bei Fortis allerdings davon aus, dass eher ein Guthaben besteht, als Schulden». Mit Feuz nahm auch Maximilian Spitzy anwesend, der Fortis seit 2013 leitet.

Der zweite Teil der Verhandlung, in der es um den Verkauf der Firma und die entsprechenden Details und Summen ging, fand dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wie anschliessend zu vernehmen war, hat der Gerichtspräsident den Nachlassvertrag und die Vermögensabtretung gerichtlich genehmigt und bestätigt, womit «nun der Liquidator am Zug ist», wie festgestellt wurde.

Ein Käufer steht bereit

«Die Verkaufsverhandlungen befinden sich in der Schlussphase», erklärt Sachwalter Feuz auf Anfrage: «Der Vertrag sollte in den nächsten zwei bis drei Monaten unter Dach sein.» Gleich mehrere Kauf-Interessenten für die traditionsreiche Uhrenmarke seien im Rennen gewesen. Den Zuschlag werde der Meistbietende erhalten. Nicht nur, weil dies im Interesse der Gläubiger sei, sondern auch deswegen, weil der potenzielle neue Besitzer «die beste Wahl» darstelle.

Andreas Feuz: «Es ist offensichtlich ein grosser Fan der Marke Fortis.» Nähere Angaben zu dieser Person sind Feuz nicht zu entlocken. Nur so viel: «Der Investor stammt aus dem deutschsprachigen Raum, hat eine Gesellschaft und Wohnsitz in der Schweiz.» Die Person habe gewisse Affinitäten zur Uhrenbranche, sei selber aber nicht in dieser tätig. Mit der Bestätigung des Nachlassvertrages sei nun der Weg frei für die finalen Verhandlungen. Feuz rechnet damit, dass diese innerhalb der nächsten zwei, drei Monate abschlossen werden können.

Keine Angaben waren zu den konkreten Summen zu erhalten. Jedenfalls könnten laut Feuz «die Forderungen der normalen Gläubiger gedeckt werden». Wie viel sich der vorgesehene Käufer das «Abenteuer Fortis» kosten lässt, ist erst recht nicht bekannt. Mit dem Kauf der Firma wird es ja ohnehin nicht getan sein: «Der neue Besitzer muss tatsächlich investieren. Vor allem in den Verkauf und das Marketing – denn das Produkt und die Marke stimmen», ist Feuz überzeugt.

Chef möchte weitermachen

Grossen Investitions- und Handlungsbedarf bestätigt gegenüber dieser Zeitung auch Fortis-Chef Maximilian Spitzy. Nur so sei es möglich, die Firma wieder auf Kurs zu bringen und die Zahl der Jobs nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen. Der gegenwärtige Personalbestand beträgt rund 10 Personen. Der Geschäftsverlauf zeigt laut Spitzy ein «leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr». Doch die gegenwärtigen Umstände würden nun einmal wenig Gestaltungsspielraum offenlassen.

«Ich würde mich sehr gerne weiterhin für Fortis einsetzen», antwortet Spitzy auf die Frage nach seiner beruflichen Zukunft. Aber: «Der Entscheid darüber liegt natürlich letztlich bei den neuen Besitzern».