Dass dieses Gespräch unter der Rubrik «Auf einen Kaffee mit …» läuft, ist für Andrea Elsener Rieder kein Problem. «Bei uns gibts nicht nur Tee», sagt sie lachend. Tatsächlich aber steht letzteres Getränk bei ihr und ihrem Mann Philipp Rieder-Elsener im Mittelpunkt. Seit sechs Jahren betreiben die Oensinger jeweils samstags auf dem Solothurner Märet einen Teestand unter dem Label «Lichtsegel». Ihr Tee, verpackt in durchsichtigen Tüten, wirkt wie ein Farbenspiel. Daneben stehen passende Becher aus Keramik. Was bringt die beiden auf die Idee, selber Tee zu produzieren? «Wir bieten besonders aromatische Teemischungen an», antwortet Andrea Elsener Rieder. «Besonders werden die Mischungen deshalb», ergänzt Philipp Rieder-Elsener, «weil sich kaum jemand so viel Zeit beim Anbau, bei der Ernte und bei der Aufbereitung nehmen will.»

Ganz viel Ausdauer

Beim Besuch im Haus des Ehepaars in Oensingen am Fusse des Roggens wird man von einer kleinen Gesangsgruppe aus Keramik begrüsst und beim Rundgang auf dem Grundstück sind noch zahlreiche weitere Figuren und Skulpturen zu entdecken. Sie stammen aus der Werkstatt von Philipp Rieder-Elsener. «Von Zeit zu Zeit reizt es mich, die Eigenschaften des Tons auszuloten und figürlich zu arbeiten. Handwerk und Handarbeit überhaupt», sagt er, «das lieben wir beide.» In der Tat: Ohne diese Liebe, gepaart mit ganz viel Ausdauer, würde die Teeproduktion – von Bio-Inspecta zertifiziert – auch gar nicht funktionieren. Ein Grundwissen über Kräuter hat sich Andrea Elsener Rieder in einem Lehrgang im Wallierhof angeeignet und beide haben ihr Wissen laufend mit Fachlektüre erweitert.

Angebaut werden die Teepflanzen für die farbigen Mischungen im eigenen Garten und auf einem angrenzenden Grundstück. Im Frühling starte die Gartenarbeit gemächlich, berichtet Andrea Elsener Rieder. «Im Sommer sind wir von morgens früh bis abends spät am Ernten. Es ist ganz zentral, dass die Blätter nicht gebrochen werden, damit die ätherischen Öle, die dem Tee das gute Aroma geben, nicht vor dem Angiessen verloren gehen. Jede Blüte lesen wir von Hand einzeln ab. Blätter schneiden wir mit einer kleinen Schere vom Stängel.» Diese zeitintensive Arbeit nutzt das Ehepaar hin und wieder dazu, sich mit Hörbüchern in andere Welten entführen zu lassen.

Nach dem Trocknen kommen die Blüten und Kräuter für 48 Stunden in den Tiefkühler. So sei man ganz sicher, dass alle Schädlinge vernichtet werden. In Gefrierbeuteln liegen die einzelnen Sorten zum Mischen bereit. Vorsichtig, dass die Blätter nicht zerquetscht werden, geht es schliesslich ans Mischen von mittlerweile 17 Sorten, jede mit einem stimmigen Namen wie Fidibus, Blaues Wunder, Drachenflug, Goldrausch oder Schlingel. «Der Fidibus-Tee zum Beispiel bringt mit seinen leuchtenden Farben den Sommer zurück», sagt Philipp Rieder-Elsener. «Fidibus war früher die Bezeichnung für eine Anzündhilfe. Im ‹Nervenkitzel› dominieren Basilikum und Rosmarin. Sie erweitern im Körper Gefässe und können helfen, sich zu konzentrieren.» Der Koboldtrank könne bei Husten Linderung bringen. «Aber alle Teesorten sind in erster Linie zum Geniessen da.»

Woher kommen nun der Name Lichtsegel und die Symbole auf dem Logo? «Lichtsegel erinnert uns an die hellen und langen Sommernächte des Nordens, das Wikingerschiff symbolisiert das Vorankommen», erklärt Andrea Elsener Rieder. «Die Spirale, der stilisierte Becher und die angedeutete Blüte stehen für die Verbindung von Töpferei und Kräuterwerkstatt.» Philipp Rieder-Elsener sieht die Spirale zudem als Zeichen für Veränderung und Wandel, beides begleite ihn und seine Frau schon, seit sie sich kennen: «Wir haben vieles ausprobiert und sobald wir merken, dass es für uns nicht mehr stimmt, dann ändern wir es.» Vom Tee und von der Keramik alleine leben können sie allerdings nicht, gemeinsam geben sie ihr Wissen über Kräuter in Kursen weiter. Andrea Elsener Rieder hat eine Lehrerinnenstelle in Teilzeit, ihr Mann erteilt Töpferkurse. Diese Mischung aus Handwerk und Wissensvermittlung stimme derzeit für sie beide, bestätigen sie einhellig. Apropos Mischung: Jene beim Tee bedarf auch keiner Änderung. Die Kostprobe beweist es.