Kirschblüten-Gemeinschaft
Ehemalige Mitglieder aus Deutschland warnen vor «Manipulation der Sekte»

Der Psychiater Samuel Widmer ist auch in Deutschland bekannt: Zwei Frauen aus Bayern berichten von ihren Erfahrungen in der Szene und von Rauschgift-Sessionen, die ausgeartet seien. Eine von ihnen war früher sogar Schülerin des Gurus.

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Die beiden Frauen sagen, sie seien durch die Therapieform Psycholyse und Einnahme von illegalen Präparaten manipuliert worden. (Symbolbild)

Die beiden Frauen sagen, sie seien durch die Therapieform Psycholyse und Einnahme von illegalen Präparaten manipuliert worden. (Symbolbild)

Edi Engeler

Zwei Frauen aus Bayern warnen in der «Süddeutschen Zeitung» vor der Psycholyse. Bei dieser umstrittenen Therapie-Methode werden Rauschgifte als Heilmittel eingesetzt. Sabine Bundschu und Ariela Bogenberger waren 20 Jahre lang in der Szene aktiv, in der diese Behandlung praktiziert wird. So waren sie auch an missglückten Therapie-Sessionen dabei und waren Teil der Gemeinschaft von Samuel Widmer, die auf Psycholyse schwört. Die beiden Frauen nahmen früher an Seminaren der Kirschblütler in Lüsslingen teil.

In Deutschland mussten kürzlich 29 Ärzte in Krankenhäuser eingeliefert werden, nachdem sie an einem Seminar Halluzinogene eingenommen hatten. Das brachte die ehemaligen Anhängerinnen der Gemeinschaft dazu, von ihren eigenen Erlebnissen in der Szene zu berichten. Sie selbst hätten früher illegale Präparate eingenommen, weil ihnen die Psycholyse als therapeutische Massnahme empfohlen worden war. Zu dieser Zeit war Widmer, der heute noch in Lüsslingen praktiziert, ihr Guru. «Ich war eine ergebene Schülerin», sagt Bogenberger. Es sei alles «absolut manipulativ» gewesen.

Die 53-Jährige war sogar in Lüsslingen an einer Zusammenkunft der Gemeinschaft dabei, die völlig aus dem Ruder gelaufen sei. Bevor Pillen eingenommen wurden, seien alle Anwesenden zu absolutem Stillschweigen verpflichtet worden. Als bei diesem Treffen einige der Gruppe wegen der Rauschmittel ausgerastet oder in eine Art Koma gefallen seien, hätte Widmer nichts unternommen – ein Krankenwagen sei auch nicht gekommen. Sie bezeichnet die Methode als eine «unsäglich kaputte Therapie» und die Gemeinschaft als Sekte. Man hätte ihr damals wirklich eine Gehirnwäsche verpasst.

Auch Sabine Bundschu war in der Kirschblüten-Gemeinschaft integriert. Sie besuchte die Meisterklasse als Ausbildung zum Co-Therapeuten bei Widmer – zusammen mit Garri R. Dieser wurde 2010 wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt, weil zwei Männer starben, nachdem sie von R. Rauschgifte erhielten, welche sie danach auch in seiner Praxis einnahmen. Bundschu ist davon überzeugt, dass der Ursprung des ganzen Übels beim Heilsbringer der Kirschblütler liegt. Dies sagte sie in der ARD-Sendung «Beckmann» im März. Die Todesfälle in der Berliner Praxis von R. hätten an Widmers Methoden jedoch nichts geändert.

Bei den Kirschblütlern ist es schon mehr als einmal zu einer Razzia gekommen. Dabei wurden verschiedene Mitglieder festgenommen, darunter auch der Sohn von Samuel Widmer. Zudem laufen mehrere Strafverfahren. Samuel Widmer bestreitet alle Vorwürfe. (nka)