«Enkeltrickbetrüger» ist mittlerweile fast allen ein Begriff. Das sind Menschen, die sich – vorwiegend bei Senioren – als Verwandte ausgeben und Geld fordern. Auf diese Weise wechselten schon so manch Tausend Franken den Besitzer. 

Jetzt taucht ein neuer Begriff auf. Die Kantonspolizei spricht von «CEO-Betrug». Die Täter würden in allen Fällen ähnlich vorgehen. Sie geben sich als Präsident, Vorsitzender, CEO, CFO oder dergleichen aus und kontaktieren einen Angestellten der Buchhaltung oder Finanzabteilung einer Firma.

«Die Personen geben vor in einer dringenden und vertraulichen Angelegenheit Hilfe zu benötigen», teilt die Polizei mit. Durch geschickte Gesprächsführung würden die «CEO-Betrüger» versuchen, Angestellte dazu zu bewegen, eine bestimmte Summe in der Höhe von mehreren 10‘000 Franken auf ein Konto im Ausland zu überweisen.

Die Kantonspolizei Solothurn hat Kenntnis über ein halbes Dutzend Firmen, welche von Betrügern kontaktiert wurden. Betroffen sind Firmen im gesamten Kantonsgebiet. Mindestens drei Überweisungen in Länder wie die Türkei, England, Slowakei oder China haben stattgefunden.

Per E-Mail oder Telefon

«Es handelt sich um eine perfide Betrugsmethode mit ausgeklügeltem Vorgehen», sagt Martin Gunzinger vom Wirtschaftsdelikte-Dienst der Kantonspolizei. 

Kontaktiert werden die Angestellten in der Regel entweder per E-Mail oder via Telefon. «In einigen Fällen wurde dabei der E-Mail-Account der Vorgesetzten gehackt und den Angestellten, unter Verwendung der echten E-Mail-Adresse der Chefs, Aufträge erteilt», heisst es in der Mitteilung. Eine Nachricht ist persönlich adressiert und geschrieben vom eigenen Chef, der vielleicht gerade in den Ferien weilt. Er brauche dringend Geld, weil er gerade dabei sei, einen wichtigen Deal abzuschliessen, heisst es darin etwa.

Wenden sich die Betrüger per Telefon an die Angestellten, behaupten die Anrufer beispielsweise, eine Vorschusszahlung sei fällig und müsse nun überwiesen werden.

«Es ist deutlich schwieriger, einen solchen Betrugsversuch zu erkennen», sagt Ermittler Gunzinger. Oft würden die Angelegenheiten als geheim und dringend deklariert, was zusätzlichen Druck aufbaue. Durch geschickte Gesprächsführung gelinge es den Betrügern, Angestellte in der Finanzabteilung dazu zu bewegen, tausende Franken auf ein Konto im Ausland zu überweisen.

Die entsprechenden Angaben über die personellen Firmenstrukturen holen sich die Betrüger zum Beispiel auf der firmeneigenen Internetseiten.

Die betrügerisch erlangten Gelder werden dann entweder rasch bezogen oder weiterüberwiesen.

Ermittlungen zur Eruierung der unbekannten Täterschaft/Tätergruppe sind in die Wege geleitet worden. Die Nachverfolgung der entsprechenden Taten ist aber schwer bis unmöglich. «Am Werk sind meist organisierte Kriminelle», weiss Gunzinger. Die Täter können kaum identifiziert werden, denn sie agieren vom Ausland aus, und das erbeutete Geld transferieren sie rasch über mehrere Konten in mehreren Ländern. Auch deshalb setzt die Polizei jetzt verstärkt auf Prävention. (ldu/sva)