Sommerzeit ist Ferienzeit und um sich die heissen Tage angenehmer zu gestalten, verreisen die Menschen hierzulande gerne ans Meer oder in die Berge. Was für den Durchschnittsbürger relativ leicht umzusetzen ist, stellt Menschen mit einer Behinderung oftmals vor grössere Probleme. In diese Bresche springt Insieme Solothurn und ermöglicht seit nunmehr 15 Jahren, dass auch anders begabte Menschen Ferien geniessen können.

Eine gefragte Tradition

So auch in diesem Jahr, als wieder 24 Teilnehmer die Möglichkeit erhielten, zwei Ferienwochen in Heiligenschwendi im Berner Oberland zu verbringen. Dort hat man sich nun schon zum neunten Mal in Folge im Hotel Bellevue einquartiert. Bereits seit Mitte der 70-er Jahre wurden solche Angebote für Menschen mit Beeinträchtigungen angeboten. Damals wurden die Ferien noch von Pro Infirmis geplant und durchgeführt, bis sie dann im Jahre 2000 von Insieme übernommen wurden. «So kommt es, dass wir Leute dabei haben, die seit rund 36 Jahren mit in die Ferien kommen», sagt Heilpädagogin und Co-Leiterin Eva-Maria Fischli. Das Sommerferienangebot ist dementsprechend bekannt wie auch begehrt und die Plätze schnell belegt: «Die Anmeldefrist beginnt im Februar und bereits nach zwei Tagen sind wir praktisch ausgebucht».

Jedes Jahr wartet das Lager mit einem grossen und vielseitigen Programm auf. Schifffahrten über den Thuner-und Brienzersee, Minigolfturniere, Höhlenbesuche, Stadtbummel, Volkloreabende und natürlich viele Wanderungen in den Berner Alpen. Trotz mehrere Rollstühle im Schlepptau scheut man keinen Aufwand, um auch Plätze wie den Oeschinensee oder den Niesen zu erkunden. Damit dies alles reibungslos funktioniert, steht den Feriengästen ein siebenköpfiges Betreuerteam zur Seite. Die meisten von ihnen sind ehrenamtlich dabei.

Zusammen geht alles besser – und macht erst noch Spass.

Zusammen geht alles besser – und macht erst noch Spass.

Den Klassiker slber einstudiert

Eines der grossen Highlights jedes Jahr ist auch der Besuch der Thuner Seespiele. Dieses Jahr steht Shakespeares «Romeo und Julia» auf dem Programm. Bevor am Abend aber das Musical auf der imposanten Seebühne bestaunt wurde, erfolgte für die Feriengäste zunächst eine intensive Auseinandersetzung mit dem Stück. So wurde zuvor ein Theateratelier eingerichtet, in dem die Teilnehmer die dramatische Geschichte selbst lernten und nachspielten. «Gerade bei anspruchsvollen Aufführungen wie in diesem Jahr ist eine Vor– und Nachbereitung des Stücks mit den Teilnehmern essenziell, damit das Ganze nicht einfach zur Alibiübung verkommt», so Fischli. Das Musical gefiel, wenn auch einige etwas Mühe mit der modernen Umsetzung des Stücks hatten: «Unsere Aufführung war schon besser», erklärt ein Feriengast.

Motto: «Hilf mir, es selbst zu tun»

Das Ziel hinter solchen Ausflügen ist es, sich unter die Menschen zu mischen. «‹Normale› Menschen gehen am Abend in den Ausgang, also machen wir dies auch», erklärt die Co-Leiterin. Deshalb lautet das Insieme Motto «Hilf mir, es selbst zu tun». Das bedeute, dass den behinderten Menschen Ferien ermöglicht werden sollen, wie sie auch andere Menschen machen. So gehe man mit den Teilnehmern, die allesamt erwachsen sind, explizit in ein Hotel und nicht in eine Lagerunterkunft. «Menschen in diesem Alter gehen nicht mehr in ein Lager in die Ferien, sondern wollen in ein Hotel. Und dort weiss man sich auch zu benehmen», sagt die Heilpädagogin.