modernste Technik

Drohnen sollen Rehkitze vor dem Mähtod retten

Im Display ist das Infrarotbild der beiden Drohnenpiloten sowie des Fotografen zu sehen. Modernste Technik soll jetzt Rehkitze auffinden und retten.

Im Display ist das Infrarotbild der beiden Drohnenpiloten sowie des Fotografen zu sehen. Modernste Technik soll jetzt Rehkitze auffinden und retten.

Oft geraten Jungtiere, die sich im hohen Gras verborgen halten, in Mähmaschinen. Ein Jungunternehmen bietet hier Abhilfe an: Mit Drohnen können die Rehkitze geortet und so vor drohenden Verletzungen bewahrt werden

Es ist eine Szene, die im Frühling in freier Natur oft zu sehen ist: Krähen und Greifvögel stürzen sich auf ein Häufchen Fell, Fleisch und Knochen. Die Reste eines Rehkitzes, das von einer Mähmaschine erfasst wurde. Noch ein paar Minuten lang versucht das Muttertier die Vögel von ihrem toten Jungen abzuwehren, aber dann muss die Rehgeiss aufgeben und zieht weg. Trotz Bemühungen seitens der Landwirte und der Jägerschaft sind zermähte Rehkitze leider keine Seltenheit.

Auf Anfrage sagt Kurt Altermatt, neuer Präsident der Revierjagd Solothurn, dass es keine offiziellen Zahlen gibt, wie viele Rehkitze im Kanton pro Jahr durch das Mähen umkommen. «Aber aus eigener Erfahrung weiss ich», so Altermatt, «dass es alleine in unserem Revier in Aetingen, im Bucheggberg, jedes Jahr mindestens ein totes Kitz gibt während des Heuets.»

Es komme eben vor, dass man beim Absuchen vor dem Mähen in einem Feld mit hohem Gras keinen Erfolg hat oder nur ein verstecktes Kitz finden und retten kann, das zweite aber eben nicht.

Erkennung mit Infrarotkamera

Zwei Jungunternehmer aus der weiteren Region wollen nun modernste Technik für das Auffinden der Rehkitze einsetzen. Marco Tschachtli und Michael Fluri stehen am Rand eines Feldes und haben die Augen auf eine Drohne gerichtet. Von weitem sieht das fliegende Ding aus wie ein UFO. Mit acht kleinen Rotoren und einer Kreiselsteuerung liegt das Fluggerät stabil in der Luft. 

Marco Tschachtli (links) und Michael Fluri setzen eine Drohne für die Rehkitzrettung ein

Marco Tschachtli (links) und Michael Fluri setzen eine Drohne für die Rehkitzrettung ein

Es ist aber nicht einfach eine Drohne aus dem Spielzeugladen. Marco Tschachtli hat bei der Herstellerfirma in München eine Schulung durchlaufen. Rund 20 000 Franken kostet das professionelle Luftgerät mit seiner Kameraausrüstung. Die Drohne wurde nämlich speziell zum Transport von Kameras konstruiert. Durch die V-Form des Rotorenträgers lässt sich die Kamera ungehindert nach oben schwenken, womit beispielsweise auch Untersuchungen von Brückenunterseiten problemlos möglich sind.

Bei der Operation «Bambi», beim Suchflug über Feldern und Wiesen, sind die Kameras aber natürlich nach unten gerichtet. Die Drohne fliegt auf 50 Meter über Grund, womit selbst weitläufige und hügelige Fluren in kurzer Zeit abgesucht werden können. Am besten erfolgen solche Einsätze am frühen Morgen, da sich dann die Körper der Rehkitze mit ihrer Wärme von der kühleren Umgebung deutlich unterscheiden und mit der Infrarotkamera noch besser entdeckt werden können.

Bei aller Liebe zur Natur: Gratis kann die Dienstleistung für Jäger und Landwirte nicht sein. Tschachtli und Fluri möchten mit ihrer Firma Feinmotion GmbH (siehe Kasten) die Suchaktionen aber möglichst günstig anbieten. Die sehr teure Ausrüstung und die Arbeitszeit rechtfertigten laut Tschachtli die 150 Franken pro Suchaktion plus Anfahrtsspesen. Während Wildkollisionen mit Autos sich nicht immer vermeiden lassen würden, könne man mit der Drohne mit relativ wenig finanziellem Aufwand die jungen Rehe retten, argumentieren die Jungunternehmer.

Bauernsekretär: Gute Idee, aber ...

Gut kommt das Drohnenscanning beim Sekretär des Solothurnischen Bauernverbandes an: «Ich finde die Idee gut und denke, dass auch die Bauern durchaus positiv eingestellt sind», hält Peter Brügger fest. «Bisher haben die Bauern jeweils die Jagdgesellschaft orientiert und dann zusammen mit den Jägern das Feld abgeschritten. Ausser dem eigenen Zeitaufwand sind den Landwirten somit keine Kosten entstanden.» Peter Brügger gibt zu bedenken, dass die Zahlungsbereitschaft daher eher relativ klein sein werde.

Auch Kurt Altermatt als oberster Jäger im Kanton findet, dass die Idee der Rehkitzrettung mithilfe von Drohnen ausgezeichnet ist. Er weiss, dass Versuche mit Drohnen im Kreise von Fachleuten intensiv diskutiert und offensichtlich auch durchgeführt worden sind. «Man kennt die Stärken und Schwächen und Limiten des Einsatzes der heutigen Drohnen bei der Rehkitzrettung», so Altermatt.

Zugleich sei man aber auch überzeugt, dass man diese Anwendung weiterentwickeln könne. Er setzt sich deshalb persönlich für ein Pilotprojekt in Revieren ein. Dies in Zusammenarbeit mit Marco Tschachtli und Michael Fluri und in Absprache mit der kantonalen Jagdverwaltung.

Ebenfalls interessiert an einem solchen Versuch ist Bauernsekretär Brügger. Von dessen Erfolg werde abhängen, ob sich die Idee von Marco Tschachtli und Michael Fluri werde durchsetzen können.

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