Am 4. März 2001 war der 19-jährige Polymechaniker-Lehrling Christian Imark auf der Liste der SVP Thierstein in den Kantonsrat gewählt worden, als jüngster Kantonsparlamentarier in der Solothurner Geschichte. Morgen – zehn Jahre und neun Monate später – wird der Kantonsrat Christian Imark zu seinem Präsidenten für das Jahr 2012 wählen. Er wird der jüngste Kantonsratspräsident in der Solothurner Geschichte sein. Wenn Imark Ende Januar seinen 30. Geburtstag feiern kann, wird er schon den ersten Monat als höchster Solothurner erlebt haben.

Anfang des Internets ist der Anfang seiner Karriere

Christian Imark ist ein Beispiel dafür, dass Jugendliche in der kantonalen Politik eine Chance haben. Imark meldete sich als 16-Jähriger mit einem Internetformular bei der SVP an. Bald darauf wurde er an eine erste Sitzung eingeladen, ins Restaurant Gigersloch, das Clublokal des SC Dornach. Den Weg von Fehren nach Dornach legte er mit dem Töffli zurück. «Weil ich nicht wusste, ob das Benzin reichen würde, nahm ich eine Reserve in einem Petfläschli mit», erinnert er sich.

Zur SVP hatten den Lehrling der Isolawerke Breitenbach Themen wie die Europafrage oder die Ausländerkriminalität gezogen. Im Kantonsrat standen dann andere, weniger emotionale Themen auf der Traktandenliste. «Ich war ein absoluter Anfänger», gibt er zu. Zu Themen aus den Bereichen Wirtschaft und Bau fand er den Zugang von seiner Ausbildung und seinem Beruf her. Von 2006 bis 2011 war er bereits Vizepräsident der SVP-Fraktion.

A propos Beruf: Nach der Lehre, der Berufsmatura an der Berufsschule in Olten und einem dreijährigen Studium an der Fachhochschule in Burgdorf, das er 2008 mit dem Bachelor in Architektur, Vertiefung Management abschloss, fand Imark den Weg zurück zu seinem Lehrbetrieb: Bei Von Roll in Breitenbach ist er heute für das Qualitätsmanagement im Bereich Wire (Drahtproduktion) zuständig. Ab März wird er eine neue Funktion im Aussendienst übernehmen. 2010 hat er ausserdem mit einer Weiterbildung an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ein CAS in Politischer Kommunikation erworben.

Immer noch in Fehren

Privat lebt Imark mit seiner Freundin Carmen Schmidhalter nach wie vor in Fehren – genauer «im Unterfehren», wie er augenzwinkernd präzisiert, denn in dem 600-Seelen-Dorf gibt es zwar keine Halle, die für eine Kantonsratspräsidentenfeier gross genug wäre (die Feier findet morgen in Meltingen statt), aber einen oberen und einen unteren Dorfteil. «Der Fehren», wie man in der Region sagt, ist ihm mehr als nur Wohnort. So war Imark im August OK-Präsident eines dreitägigen Dorffests, des ersten überhaupt.

Dass der 29-Jährige sein Leben trotz seiner politischen Rolle durchaus altersgemäss lebt, zeigt sich daran, dass er bis vor kurzem als fleissiger Partygänger bekannt war. «Ich habe vorher jedes Fest mitgemacht», gibt er zu, «bis mir der Körper die Grenzen aufzeigte». Im letzten Frühling zwang ihn eine Bauchspeicheldrüsenentzündung zu einem dreiwöchigen Spitalaufenthalt. Er verpasste eine Kantonsratssession, und zeitweise war sogar sein Präsidialjahr gefährdet. «Seither bin ich etwas ruhiger geworden.»

Erfahrung wichtig

Ist er nicht zu jung für das Kantonsratspräsidium? Imark widerspricht: «Es kommt nicht darauf an, ob man 30 oder 50 ist, sondern auf die Erfahrung im Kantonsrat. Nach zehn Jahren kenne ich jetzt die politischen Abläufe.» Auch das überparteiliche Denken ist ihm nicht fremd: Im Schwarzbubenland «sind wir es als Minderheit gewohnt, die Interessen der Region parteiübergreifend zu vertreten.»

Sein Präsidialjahr werde ein Spezielles, freut er sich: Wegen des Umbaus des Kantonsratssaals tagt das Parlament für zwei viertägige Sessionen im Juni/Juli in Grenchen, im August/September in Nunningen. «Es ist gut, dass die ehemaligen Untertanengebiete auch einmal Hauptort des Kantons Solothurn sein dürfen.» Das sei eine Chance : «Die Politik soll und wird sich dadurch ändern», ist er überzeugt.

Ebenso freut Imark sich, nachher in den umgebauten Kantonsratssaal zurückzukehren: «Der Saal wird demokratischer und weniger hierarchisch angeordnet sein als heute. Für mich ist der Kantonsratssaal der Ort, unterschiedliche Positionen zu vertreten: Hart in der Sache, aber fair im Umgang.» Auch dass jetzt mehr Parteien im Rat vertreten sind als früher, verändere den Politstil. Die Positionen würden härter vertreten. «Das finde ich auch richtig – dazu ist die Institution Kantonsrat da.»

Wenn Christian Imark in einem Jahr wieder vom Stuhl des Kantonsratspräsidenten heruntersteigt, wird er 30-jährig sein. Welche weiteren Ziele setzt er sich in der Politik? Denkt er gar an einen Wechsel auf die Regierungsbank, wo heute sein heimlicher Sympathisant und «Dorflandsmann» Walter Straumann sitzt? Imark dazu: «Jetzt schauen wir zuerst mal, wie dieses Jahr herauskommt. Gewisse Leute zweifeln ja daran, dass ich das kann. Je nachdem schauen wir dann weiter.»