«Das Netz der öffentlichen Ladestationen ist im Kanton Solothurn dicht genug und es kann den derzeitigen Bedarf decken. Die Navigationssysteme der Elektrofahrzeuge finden heute problemlos rechtzeitig die nächste öffentliche Ladestation», so Markus Chastonay.

Überhaupt: Durchschnittlich 35 Kilometer wird ein elektrisch betriebenes Auto heute pro Tag gefahren und weil die Reichweite massiv gewachsen ist, kommt man damit heute meistens problemlos nach Hause, ohne dass unterwegs die Batterie geladen werden muss. «Das bedeutet aber nicht, dass neue Anlagen nutzlos sind. Jede zusätzliche Ladestation bringt etwas», so Chastonay.

Wie viele Ladestationen es im Kanton gibt, weiss man selbst auf dem Amt für Umwelt nicht so genau. «Es werden laufend neue Stationen in Betrieb genommen und, das ist gut so, denn auch die Zahl der elektrisch betriebenen Fahrzeuge wächst.» Im Internet finden sich verschiedene Karten, auf denen die Ladestationen aufgezeichnet sind. Auf chargemap.com findet man für die Region Gäu-Olten-Niederamt die Zahl 124, für die Region Leberberg-Solothurn-Wasseramt 53. Wie diese Zahlen erhoben werden, ist aber nicht bekannt, weshalb sie nur als grobe Schätzung zu bewerten sind.

Rekordhalter im Kanton Solothurn ist laut chargemap.com die Gemeinde Egerkingen mit zehn Ladestationen. Hier haben die Groupe E und Autogrill Schweiz im April vier neue, ultraschnelle Ladestationen für Elektrofahrzeuge eingeweiht. Diese befinden sich an strategisch günstiger Lage beim Autobahnkreuz A1/A2 auf dem Parkplatz des Comfort Hotels. Die Ladestationen bringen eine Leistung von 350 kW und der Anbieter verspricht, dass man hier die Batterie eines Elektrofahrzeugs in einer Viertelstunde zu 80 Prozent aufladen kann. Solche Ladestationen sind laut Chastonay sinnvoll: «Entlang der Hauptverkehrsachsen sind die neuen, extrem leistungsfähigen Ladestationen sehr gut besucht. Wer auf langen Strecken unterwegs ist, hat meistens nicht vier Stunden Zeit, um sein Auto aufzuladen. Bei diesen Schnellladestationen der neusten Generation reicht eine halbe Stunde, also die Zeit, die man so wie so für eine Kaffeepause einrechnen würde.»

Stationen für Mieter fehlen

Chastonay weiss, wo es mehr Stationen bräuchte: «Die wichtigste Ladestation ist die, die man zu Hause hat. Die Leute wollen mit einer vollgeladenen Batterie losfahren.» Solche Ladestationen kosten heute weniger als 1000 Franken. «Das ist für Hausbesitzer, die auf ein Elektromobil umsteigen möchten, eine tragbare Investition», so Chastonay. «Das Problem sind aber die Mietwohnungen. Die meisten Immobilienfirmen haben einen grossen Nachholbedarf und müssten ihre Renditeimmobilien jetzt unbedingt mit Ladestationen ausrüsten.» In Zukunft werde die Ladestation in der Garage bei der Wohnungssuche ein Argument. Ultraschnelle Ladestationen der neusten Generation bringen eine Leistung von 350 kW und können die Batterie eines Elektrofahrzeugs in einer Viertelstunde zu 80 Prozent aufladen.

Andere Ladestationen leisten nur 22 kW. Es dauert also rund 16 Mal länger, bis eine Batterie auf 80 Prozent geladen ist. Das bedeutet, ein Elektrofahrzeug müsste hier vier Stunden stehen bleiben. «Weil die Zeit eines Einkaufs bei einer Station mit nur 22 kW zum Laden nicht reicht, stellt sie keinen echten Standortvorteil für das umliegende Kleingewerbe dar», nennt Markus Chastonay einen Grund, warum es etwa bei Einkaufszentren nicht viele E-Stationen gibt.

«Das Tanken zu Hause und am Arbeitsplatz dürfte mittelfristig stark im Vordergrund stehen», schreibt auch die Solothurner Regio Energie, die in Luterbach 22 kW-Stationen aufstellen will (vgl. Text unten). «Dazu müssen aber die Liegenschaften nachgerüstet werden.» Viele Nutzer seien weiterhin auf öffentliche Ladestationen angewiesen. Kurzfristig brauche es zusätzliche öffentliche Tankstellen. Regio Energie Solothurn hofft, dass sie bald 10 bis 15 solche Tankstellen bauen kann.