«Und hier sind meine Grossen», sagt Angela Wiprächtiger. Die Geschäftsführerin der International School Solothurn (ISSO) öffnet die Tür zum Klassenzimmer. Stille. Die Stühle stehen auf den Pulten, der Abfalleimer im Lavabo. Es sind Ferien. Erst nächste Woche füllen die Schüler der ISSO wieder die Räume. Auch «die Grossen», die 7.- bis 9.-Klässler, die die zweisprachige Tagesschule hinter dem Hauptbahnhof besuchen.

Die 42-jährige Geschäftsführerin aber ist im Haus. Brauner Kurzhaarschnitt, schräger Pony, schwarzer Hosenanzug mit Bluse. Die Tür zu ihrem Büro ist offen. Auch, wenn nicht Ferien sind. Schüler, Lehrer und Eltern sollen sich bei Fragen oder Problemen an die Chefin wenden können. Das ist mit ein Grund, weshalb Wiprächtiger die ISSO aus der Krise holte. In diese schlitterte die Schule im Jahr 2015.

Das Chaos bereinigt

Die ISSO wurde 2009 gegründet. Die Schule sollte zweisprachig ausbilden, nach Vorgaben des «international baccalaureate». Das funktionierte nicht. Die Geschäftsführer waren oft im Ausland, nicht erreichbar, die Eltern unzufrieden. Die Schülerzahl sank, ebenso das Eigenkapital. Bevor die Schule ihre Türen aber endgültig schliessen musste, beschlossen zehn hiesige Aktionäre, in die ISSO zu investieren (siehe auch Interview). Ein neuer Verwaltungsrat wurde aufgebaut, die neue Geschäftsführerin Angela Wiprächtiger übernahm das Ruder.
Zu Beginn als «Mädchen für alles», wie sie selbst sagt. Sie hat die Schule umgestellt.

Das «Puff» aufgeräumt – im übertragenen und im wörtlichen Sinne. Alte Möbel wurden entsorgt, Schulzimmer durchgeputzt und neu eingerichtet. Wiprächtiger zeigt das gemeinsame Esszimmer mit Bibliothek, das farbige Spiel- und Lernzimmer für die Jüngeren, das Mini-Chemielabor im Keller. Während die Schule neu aufgebaut wurde, hat die 42-Jährige auch die Lehrerschaft neu organisiert. Fächer wie Musik oder Geografie waren beispielsweise von Lehrern übernommen worden, die eigentlich etwas anderes studiert hatten. Nun erhielt jeder Lehrer seinen Schwerpunkt zurück. Für Lücken wurde neues Personal eingestellt.
Administrative Aufgaben, welche die Lehrer früher noch Zeit kostete, übernahm Wiprächtiger.

Zahlenstrahl zur Geschichte der International School Solothurn

Lehrplan 21 in 2 Sprachen

Während früher nur einzelne Fächer zweisprachig waren, ist heute der gesamte Unterricht zur Hälfte in Deutsch, zur Hälfte in Englisch. Diese Sprachen werden gelebt, erzählt die Geschäftsführerin, die selber auch in Englisch verhandlungssicher ist. Die Kinder «switchen» auch auf dem Pausenplatz von Mundart auf Deutsch, von Deutsch auf Englisch. Auch die Gruppen, die eigentlich eine andere Muttersprache teilen. «Wie eine Familie», beschreibt die Geschäftsführerin den Schulalltag.

Gelehrt wird an der ISSO heute nach dem Solothurner Lehrplan. Das frühere System, so Wiprächtiger, habe für die Lehrer einen zu breiten Spagat zwischen hiesiger Kultur und internationalem Diplom dargestellt, erklärt sie. Der Unterricht sei heute strukturierter. In den kleinen Klassen von 8 bis 16 Kindern haben die Lehrer zudem Zeit, Themen, die Schwierigkeiten bereiten, zu vertiefen.

So seien auch Kinder, die zu Beginn der Schulzeit noch einen «Chnopf» hätten, hier gut aufgehoben. Oder Kinder berufstätiger Eltern, die eine Tagesstruktur brauchen. Keineswegs nur Kinder ausländischer Eltern, betont die Geschäftsführerin. Um mehr Schweizer zu erreichen, soll der Name der ISSO deutsch werden: Internationale Tagesschule Solothurn. Die bekannte Abkürzung bleibt.

Zahlen zur International School Solothurn

Oberstufe wird aufgelöst

Rund 24'000 Franken kostet ein Platz an der ISSO pro Schuljahr. Vor allem die 3. und 4. Klasse sind beliebt. «Viele Eltern schicken ihre Kinder zuerst in die öffentliche Schule», sagt Wiprächtiger. Und würden erst dann merken, dass sie ein individuelleres Angebot wollen. Anders in der Oberstufe. Diese besteht nur aus 8 der insgesamt 47 Schüler. Vielen gelingt nach 6 Jahren ISSO der Sprung an die Kantonsschule. Deshalb löst die ISSO die Oberstufe auf kommendes Schuljahr auf und konzentriert sich auf die Unterstufen, dort steigt die Nachfrage stetig.

Ihr werde es also nach diesen drei Jahren nicht langweilig, sagt Wiprächtiger lachend. Sie ist täglich an der Schule – wenn die ersten Schüler um 7 Uhr eintreffen und die letzten um 18 Uhr wieder gehen. Auch an Elternabenden, Verwaltungsratssitzungen und bei Fragen ihrer Lehrerschaft. Sie habe schon lange Arbeitstage. «Dafür auch glückliche Schüler.» Die «Kleinen» und die «Grossen».

Interview mit Josef Maushart, Verwaltungspräsident der ISSO