Eine 16-Jährige wird weltbekannt – weil sie jeden Freitag Schule schwänzt und für das Klima streikt. Greta Thunberg aus Schweden ging mit ihrem stillen Protest durch die Medien. Und diese Woche reiste sie sogar ans Weltwirtschaftsforum in Davos. Die kleine blonde Jugendliche löste eine ganze Bewegung aus. In verschiedenen Städten gingen Schülerinnen und Schüler, Anhänger des «Climate-Strike», auf die Strasse. Auch in Solothurn gab es eine Demo, vor genau einer Woche. Was als Idee in einem Whatsapp-Chat begann, führte dazu, dass über 300 Jugendliche am frühen Morgen vor dem Bahnhof zusammenkamen und schliesslich durch die Stadt zogen. Darunter Julia Hostettler, Mitorganisatorin des Solothurner Klimastreiks. «Ich bin sehr zufrieden.», sagt sie rückblickend auf letzten Freitag. «Es ist schön, dass die Jungen auf dem Vormarsch sind.»

Solothurner Kantonsschüler streiken

Solothurner Kantonsschüler streiken

Am Freitagmorgen um 7.30 gingen Solothurner Kantonsschüler auf die Strasse und demonstrierten für den Klimaschutz.

Nun geht es aber noch weiter: Laut Hostettler ist sicher noch eine weitere Aktion geplant. Die Details wollen die Verantwortlichen, die sich diese Woche zu einer Sitzung trafen, erst noch bekannt geben. Fest steht aber: Die Aktion soll nicht mehr an einem Freitag und nicht mehr so früh stattfinden. Was laut der 21-Jährigen Studentin dazu führen wird, dass noch mehr Anhänger der «Climate-Strike»-Bewegung teilnehmen werden. Nicht nur Schülerinnen und Schüler – die sich dann auch nicht noch einmal vom Unterricht dispensieren lassen müssen, wie sie dies etwa an der Kantonsschule Solothurn für den ersten Streik tun mussten.

«Nicht wie in den 68ern»

Hostettler erzählt über sich selbst, sie sei sehr politisch aufgewachsen. «Als das erste Abstimmungscouvert kam, hiess es, jetzt setzen wir uns zusammen hin und schauen uns das an.» Später, in der Kantonsschule Solothurn, hätte sie dann Glück gehabt mit Lehrern, die politische Diskussionen in der Klasse zugelassen und gefördert hätten. Hostettler spricht aber auch vom Leistungsdruck vieler Jungen, von der Angst, später keinen Arbeitsplatz in der Wirtschaft zu finden – was ausserschulisches Engagement vielfach nicht zulasse. Anders als damals, in der 68er Bewegung, wie es Hostettler «etwas einfach» ausdrückt: «Damals studierte man und machte nebenbei Politik.» Heute gehe das nicht mehr.

Heute studiert Hostettler in Zürich. Weil es in Solothurn keine Uni gibt, oder wegen auswärtiger Jobangebote, führe dies verständlicherweise dazu, dass viele Junge wegziehen, erzählt sie. Das mache politische Aktionen für die Jungen manchmal schwierig, so Hostettler. Sie selber habe wegen des Studiums im letzten Jahr auch das Co-Präsidium der Jungen Grünen abgegeben. «Solothurn wirkt in dieser Hinsicht etwas verschlafen.» Aber: «Ich glaube schon, dass die Jungen politisch interessiert sind. Und das ist auch das Privileg der Jugend: Etwas verändern, auch mal etwas lauter auftreten als die Älteren.» Dass man mit der aktuellen Bewegung auch langfristig etwas fürs Klima tut, darauf hoffe sie nun. Ausdrücke wie «Generation Easyjet» oder gehässige Kommentare nach dem Streik – die Schüler wollten bloss Schule schwänzen oder stellten Forderungen und würden dann selbst mit Flugreisen dem Klima schaden – erachtet sie als unfair. «Ich glaube schon, dass der Trend bei vielen Jungen ins Oekologische hineingeht. Viele sind für diese Themen viel sensibler geworden.»

Forderung: Politische Bildung

Was der Streik wirklich bewirkt ist laut Philipp Eng, Präsident der Jungfreisinnigen Kanton Solothurn, «schwierig einzuschätzen». «In einem halben Jahr können wir nicht die Welt retten.» So sei eine Demo auch nicht die Art der Jungfreisinnigen, sich auszudrücken. Man versuche lieber, mit anderen Mitteln – etwa Motionen – etwas zu bewegen. «Grundsätzlich finde ich es aber super, wenn sich Junge engagieren und nicht einfach die Faust im Sack machen.» Laut Eng können die Jungparteien im Kanton nämlich etwas bewirken. «Wir veranstalten mehr als einfach nur etwas Wirbel. Manchmal werden wir aber von den Mutterparteien zu wenig einbezogen», so der Günsberger.

Was Eng und Hostettler auch fordern: Mehr politische Bildung an der Schule. Ein eigenes Fach Staatskunde gibt es im Kanton nicht. Das hat die Regierung 2016 aus finanziellen Gründen abgelehnt. «Wir müssen verstehen, wie unsere Welt funktioniert. Es ist Aufgabe der Schule, dieses Wissen zu vermitteln», so Eng. Bloss ein Podium vor den anstehenden Nationalratswahlen zu veranstalten, reiche nicht aus. «Wir müssen wissen, was es bedeutet, in einer Demokratie zu leben und mitzubestimmen», sagt Hostettler. «Egal, von welcher politischen Seite aus wir das dann tun.»

Was eine Solothurner Kanti-Lehrerin zum Streik und politischem Engagement von Jungen sagt, lesen Sie hier.