Wer will die Siggern, die bei Flumenthal in die Aare mündet, für 1300 Franken? Wer den Sagibach in Biberist für 280 Franken? So könnte es am 27. Oktober heissen, wenn der Kanton 71 kleine und mittlere Fliessgewässer zur Pacht versteigert. Dabei geht es natürlich nicht um die Gewässer an sich, sondern um das Recht, darin fischen zu dürfen. Ein idyllisches Plätzchen ganz für sich haben und nicht mit ansehen müssen, wie der Nachbar einem die schöne Forelle vor der Nase wegschnappt oder einen grösseren Hecht an Land zieht als man selbst.

Das wird Ende Oktober ermöglicht. Der Kanton verpachtet die Gebiete jeweils für 8 Jahre, die nächste Periode dauert von 2019 bis 2026. Den grossen Run werde es nicht gerade geben, ist sich Marcel Tschan sicher. «Bis jetzt haben wir noch nie eine Schlägerei erlebt», lacht er. Schon zum dritten Mal wird er als Gantrufer fungieren. Er ist seit 22 Jahren kantonaler Jagd- und Fischereiverwalter. «Es verläuft jeweils tipptopp. Zum grossen Streit kam es praktisch noch nie. Doch es kann schon sein, dass zwei Fischer unbedingt das gleiche Gebiet möchten.» Allerdings gebe es bei der Angebotsfülle fast für jeden Interessenten einen Abschnitt. Pächterinnen gab es bisher übrigens keine.

Nach Bezirken gestaffelt

Zur Versteigerung erwartet werden gleich viele Besucher wie letztes Mal, also rund hundert Personen. Die Versteigerung wird nach Bezirken zeitlich gestaffelt durchgeführt. Pächter werden dürfen Einzelpersonen, aber auch Fischervereine oder lose Gruppierungen. So können sich beispielsweise drei Freunde zusammentun. «Das geht ganz unkompliziert», erklärt Tschan. Meistens würde es beim Mindestgebot bleiben.

Die jährlichen Pachtzinse der Gewässer sind sehr unterschiedlich. Der günstigste Ausrufpreis bei der kommenden Versteigerung, jene für den den «Obergadenbach und Verbindungsbach in Derendingen», beträgt 50 Franken für die Jahrespacht. Für das teuerste Gewässer, den «Ibach» im Bezirk Thierstein, startet die Auktion bei einem Betrag von 1350 Franken. Je nach Zahl der Interessenten für ein Gewässer kann der effektive Zuschlagpreis dann allerdings auch einiges höher liegen. So betrug der höchste Jahrespachtzins der nun ablaufenden Periode immerhin 3500 Franken: Diese Summe war vor acht Jahren für die Siggern geboten worden.

Rund 33'000 Franken Pachtzins

Ausschlaggebend für den Preis sei nicht einfach die Gewässerlänge, erläutert Tschan, sondern das Lebensraumpotenzial. Nebst Länge, Breite und Tiefe sei wichtig, inwieweit der Bach einen natürlichen Lauf habe. Auch führe man einzelne Abfischungen durch, um den Wert einzuschätzen. Zählt man die Mindestpachtwerte zusammen, erhält man eine Summe von 32'640 Franken. Während der letzten acht Jahre hätten die Pachtgewässer dem Kanton also total rund 360'000 Franken eingebracht, gibt Tschan Auskunft.

Das sei aber nicht der Hauptgrund, weswegen die Bäche verpachtet würden. Sondern es nutze der Allgemeinheit: «So haben wir jemanden, der zu diesen Gewässern schaut. Die Pächter sehen schnell, wenn ein Fischsterben oder eine Gewässerverschmutzung auftreten oder wenn ein Ufer einstürzt. Dann machen sie Meldung.» Mit dem Pachtrecht gehe aber keine spezielle Verpflichtung einher. Es gebe auch keine Beschränkung in der Anzahl Fischer. Ein Pächter kann also so viele Gäste zum Fischen einladen, wie er möchte. Und: Man darf gar mehrere Reviere pachten. Dass wegen der veränderten Umweltbedingungen nun weniger Interesse bestehe, glaubt Tschan nicht. «Das schwerwiegendste Problem ist die Temperaturerhöhung, und die betrifft vor allem die grösseren Gewässer. Die Bäche sind weniger davon betroffen, weil sie in der Regel kühler sind.»

Nebst den 71 Pachtgewässern, die am 27. Oktober, ab 9 Uhr, am Wallierhof in Riedholz unter den Hammer kommen, gibt es noch ein paar andere, die nicht versteigert werden. Dies etwa, weil sie den Fischervereinen als Aufzuchtgewässer dienen oder wegen Problemen (Gewässerschutz, Trockenheit usw.).

Für Aare und Emme ein Patent

Diese grossen Gewässer – Aare und Emme – sind seit 2009 keine Pacht-, sondern neu Patentgewässer. Hier wird mittels kostenpflichtiger Jahres-, Wochen- oder Tagespatente gefischt. Die Fischereirechte in manchen Bächen und Seen sind in Privatbesitz. «Im Kanton haben wir aber nur wenige solche – im Oberaargau dagegen sind die meisten Gewässer privat», weiss der Fischereiverwalter. «Es gibt in der Schweiz zum Teil uralte Fischereirechte aus dem 14. oder 15. Jahrhundert. Im Kanton Solothurn ist das Fischereirecht in der Oesch sehr alt, es gehört zur Liegenschaft Gasthof Kreuz Kriegstetten.»

Marcel Tschan freut sich auf die Versteigerung: «Wir sind jedes Mal gespannt, welche Gewässer gerade besonders beliebt sind. Interessant ist, dass es jeweils andere sind. Ich kann nicht sagen, was ausschlaggebend ist.»

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