Unter Solothurner Böden schlummert ein Vermögen von 2 Milliarden Franken. Allerdings: Wer jetzt zu Pickel und Schaufel greifen will, um nach Gold oder Edelsteinen zu graben, der liegt falsch. Denn der Schatz, von dem hier die Rede ist, ist das im Kanton vorhandenen Kanalisationsnetz – mit einer Länge von nicht weniger als 2200 Kilometer.

Und dieser historisch gewachsene Schatz will gepflegt sein. «Damit Kanalisationen dicht, tragfähig und funktionsfähig bleiben, muss der Unterhalt gewährleistet sein», macht Philipp Staufer deutlich. Der Abteilungsleiter Wasser im kantonalen Amt für Umwelt (AfU) spricht von einer «Daueraufgabe», die von den Besitzern – Gemeinden und Zweckverbände – permanent zu verfolgen ist.

Der Kanton setzt in Sachen Unterhalt auf eine rollende Planung und entsprechend gestaffelte Erneuerungen, damit – so Staufer – am Ende nicht «auf einmal ein zu grosser Brocken ansteht, der von den Gemeinden fast nicht mehr zu stemmen ist». Diese werden denn auch angehalten, ihre Generellen Entwässerungspläne (GEP) entsprechend im Auge zu behalten. In dieser Planung haben die Gemeinden festzulegen, wie sie ihr Kanalisationssystem baulich und räumlich ausgestalten und den veränderten Ansprüchen und Rahmenbedingungen anpassen wollen.

Grösstenteils in gutem Zustand

Das Kanalisationsnetz im Kanton sei grundsätzlich auf einem guten Stand, bilanziert Philipp Staufer. Nur rund 10 Prozent der Leitungen befänden sich in den Zustandsklassen 0 und 1, das heisst in einem Zustand, der Sofortmassnahmen nötig macht oder wo zumindest in weniger als vier Jahren gehandelt werden muss. «Das ist ein schweizweit als akzeptabel geltender Wert», so Staufer. Bei rund der Hälfte der Anlagen seien mittel- bis langfristig (innerhalb 5 bis 10 Jahre) Reparaturen oder Renovationen nötig und bei 40 Prozent der Leitungen bestünden aktuell keine Mängel.

Der Abteilungsleiter Wasser attestiert den Verantwortlichen in den Gemeinden eine grundsätzlich gute Aufgabenerfüllung im Gewässerschutz. «Ich glaube nicht, dass nötige Massnahmen böswillig verzögert oder unterlassen werden. Indessen ist es manchmal so, dass diese Aufgabe weniger im Fokus der kommunalen Behörden steht – auch, weil das Leitungsnetz halt nun einmal unter dem Boden liegt», erklärt Staufer. Dazu komme der riesige Koordinationsbedarf bei Arbeiten am Kanalisationsnetz. Dabei gelte es jeweils, die manchmal unterschiedlichen Interessen aller möglichen Beteiligten – Telefonie, Strom, Gas – sowie jene der Strassen- und Leitungs-Anstösser sowie -Nutzer unter einen Hut zu bringen.

Mit regelmässigen Informationsveranstaltungen vermittelt das AfU den Mitgliedern der kommunalen Bau- und Werkkommissionen – häufig sind dies Laien – das nötige fachliche Rüstzeug, um zum Beispiel bei Bauabnahmen auf die wichtigsten Punkte zu achten. Und an Delegiertenversammlungen von Abwasserverbänden wird unter anderem regelmässig auf die Problematik von eindringendem Fremdwasser ins Kanalisationssystem hingewiesen (siehe Artikel unten).

«Die Grundlage des Lebens»

Weil der Bau und Unterhalt des Kanalisationsnetzes im Wesentlichen über die zweckgebundenen Abwassergebühren finanziert wird, besteht laut Staufer auch nicht die Gefahr, dass nötige Investitionen in den Gemeinden am Sparen am falschen Ort scheitern. Vorübergehende «Abzweigungen» für die Quersubventionierung anderer Gemeindeaufgaben würden zwar toleriert, diese dürften aber nicht zur Vernachlässigung der eigentlichen Aufgabenerfüllung führen – andernfalls greife der Kanton ein.

«Die Abwasserentsorgung und auch die Wasserversorgung sind das zentrale Element unserer Gesundheit», betont Staufer mit Nachdruck. «Wir erhalten für wenig Geld sehr grosse Leistungen. Die jährlichen Pro-Kopf-Kosten für Wasser und Abwasser sind im Mittel geringer als die monatlichen Prämien für die obligatorische Krankenversicherung.» Vor diesem Hintergrund bestehe «ein berechtigter Anspruch der Konsumentinnen und Konsumenten, dass die zweckgebunden erhobenen Gebühren auch tatsächlich zeitnah in die Wasser-Entsorgung und -Versorgung reinvestiert werden».

Gerade der letzte heisse Sommer und die folgende Trockenheit hätten auch gezeigt, dass es wichtig und richtig wäre, zum Beispiel das Dränagewasser aus landwirtschaftlich genutzten Gebieten sowie Quell- oder Brunnenwasser nutzbar zu machen (etwa für Bewässerungen), unterstreicht Staufer: «Wir erwarten Situationen wie den letzten Sommer häufiger. Es ist doch schade, wenn ein steter Strom sauberen Wassers mit Abwasser vermischt wird, während gleichzeitig lokal Mangellagen eintreten könnten, die die Wassernutzung einschränken. Diesen Widerspruch kann man niemanden erklären.»