Persönlich

Der strategische Biss in das Zmorgegipfeli

Frische Gipfeli, wer mag sie nicht?

Frische Gipfeli, wer mag sie nicht?

Es gibt unterschiedliche Methoden, seinen Platz zu verteidigen – oder schon nur seinen Anspruch anzumelden. Strategie ist dabei von höchster Bedeutung.

Vielleicht ist es nach dem gestrigen Vorsommer-Auftakt ja tatsächlich so, dass wir in den nächsten Wochen noch in die Situation kommen, das Badetuch im Schwimmbad oder den Liegestuhl am Strand frühzeitig – am besten vor dem Zmorge – platzieren zu müssen, um den Tag in der Folge nicht auf blossem Rasen oder nacktem Sand zu verbringen. Wer weiss, das könnte ja sein.

Nun, gestern machte ich im Café meines Vertrauens eine andere, hoch interessante Beobachtung. Nein, der Gast legte nicht sein Badetuch aus, um seinen Kafi-Gipfeli-Platz zu kennzeichnen. Und, nein, er breitete auch nicht den feinen Sakko, den er trug, auf der Stuhllene aus. Und, nein, ebenfalls nein, er lehnte auch nicht den Stuhl auf zwei Füssen an den Tisch, um seinen Platz nicht an einen Mitbewerber zu verlieren.

Er machte es viel raffinierter. Bevor er sich Richtung Toilette aufmachte, stand er einen Moment lang unschlüssig vor seinem Gedeck, ehe gleichsam die Funken sprühten und er mit einem wohlangesetzten Griff das Gipfeli behändigte, einen kräftigen Biss tat und mit vollem Mund, aber sichtlich zufrieden über die strategische Meisterleistung von dannen zog.

Der Erfolg gab ihm Recht. Als er nach gefühlten dreieinhalb Minuten an seinen Tisch zurückkehrte, war tatsächlich alles wie gehabt. Nicht einmal der kleine Spatz, der von draussen mutig den Weg an die Wärme gefunden hatte, erfrechte sich, das angebissene Croissant zu annektieren. Es muss dem Respekt vor der gedanklichen Überlegenheit des Mit-Lebewesens geschuldet gewesen sein.

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