Walter Schenker

Der Mann in Peter Bichsels Schatten

Walter Schenker schrieb ein Buch, unter anderem über seine Begegnungen mit Peter Bichsel, in dessen Schatten er steht. (Symbolbild)

Walter Schenker schrieb ein Buch, unter anderem über seine Begegnungen mit Peter Bichsel, in dessen Schatten er steht. (Symbolbild)

Der in Trier lebende Solothurner Schriftsteller Walter Schenker hat ein Buch über seine frühesten literarischen Versuche und über seine Begegnungen mit Peter Bichsel geschrieben.

Mit einer Lesung im Kantonsratsaal, organisiert durch die Töpfergesellschaft Solothurn, begann die schriftstellerische Karriere von Peter Bichsel. Das schildert Walter Schenker in seinem Buch «Jugendstil und das Buch Bichsel». Darin zu finden sind erste Schreibversuche Schenkers, gar solche, die bis in seine Kindheit zurückgehen.

«Es gibt Schriftsteller, die brauchen einen Anlauf, um beim Publikum anzukommen: Peter Bichsel kam auf Anhieb an», schreibt Schenker und es blitzt so etwas wie Eifersucht auf. Das nun erschienene «Buch Bichsel» schrieb Schenker bereits im Jahr 2000. Doch er zweifelte und vernichtete den Text. Dank seinem Bruder, der in Solothurn lebt, erscheint der Text nun doch.

So ist es dem Abdruck eines Briefes von Schenker an Bichsel zu entnehmen, der auch im Bändchen zu finden ist. Schenker schildert ausführlich, wie er den 26-jährigen Bichsel als 18-Jähriger kennenlernte. Bichsel war ein junger Ehemann, Vater und Lehrer. Schenker war ein Gymnasiast.

Warum man schreibt

Die beiden Schriftsteller, der kurz vor seinem Durchbruch stehende und derjenige, der noch suchte, unterhielten sich darüber, warum man schreibt. Zitat: «Normal sei wohl, meinte er, dass man mit Gedichten beginnt, wenn man das erste Mal verliebt ist.» Mir kamen Zweifel . . . «Hatte ich denn überhaupt diese Verletzungen, die für Bichsel offenbar die Ursache der Literatur waren?» ... «Ich schrieb, weil ich musste, aber genügte das als Beweggrund?» Es war ein Verhältnis des Jüngers zu seinem Meister, kein Kumpelverhältnis.

1986 traf Schenker Bichsel an einer Lesung in Trier und fragte: «Immer noch nicht in Paris gewesen?» Diese Frage langweile ihn, gab Bichsel zur Antwort. Doch Schenker mutmasst, halb schmeichle sie ihm, weil sie Teil seiner Legende sei. Und was Schenker noch bemerkt: «Seit seinem 50. Geburtstag habe ich ihn immer gleich bekleidet gesehen: Weisses Hemd mit blauen Streifen, mit schwarzem Gilet, schwarzer Hose.»

Eifersüchtig auf den erfolgreichen Schriftsteller? Schenker gibt schonungslos zu: «Ich wollte, mindestens in Solothurn, der einzige Dichter sein.» Und doch war er es, der von Bichsel in der Krone ein Autogramm holte, wie er auch Autogramme von Heissenbüttel, Ingeborg Bachmann, Hermann Hesse oder einen Brief von Max Frisch besitzt. Gemeinsam mit Bichsel bot ihm die Literatur Fluchtmöglichkeiten. Doch einen grossen Unterschied erkennt er: «Für mich war Literatur immer eine private Angelegenheit, für Bichsel nicht. Für ihn ist Schreiben etwas Soziales.» (frb)

Walter Schenker «Jugendstil und das Buch Peter Bichsel» 147 S. Norderstedt BoD, ISBN 978-3-7392-8120-9.

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