Corona-Tourismus

Der Juli knackte in Solothurn den Vorjahresrekord – andernorts sieht es bitter aus

Hier gings im Juni/Juli ab «wie eine Rakete»: Der TCS-Campingplatz an der Aare in Solothurn

Hier gings im Juni/Juli ab «wie eine Rakete»: Der TCS-Campingplatz an der Aare in Solothurn

Die Folgen der Coronakrise verursachten bei den Übernachtungszahlen von Olten bis Grenchen einen massiven Rückgang. Diesen Einbruch können auch die in Solothurn verzeichneten Traumzahlen von Juni und Juli bei weitem nicht wettmachen.

Der optische Eindruck täuscht nicht: Die Hotellerie und Parahotellerie im Kanton profitiert derzeit davon, dass viele Schweizerinnen und Schweizer ihre Ferien im eigenen Land verbringen. Allen voran frohlocken die Gastgeber in der Kantonshauptstadt: Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus, spricht mit Blick auf die letzten zwei Monate denn auch von einem «super Sommer» und «ausserordentlich guten Frequenzen, die so nicht erwartet werden konnten». Wie in Solothurn fällt auch in Olten auf, dass insbesondere viele Romands den Kanton besuchen.

Allerdings: Damit können die Einbussen während des Lockdowns – insbesondere im Seminar und Tagungstourismus – längst nicht aufgeholt werden. Tatsächlich hinterliess der praktische Stillstand des öffentlichen Lebens auch im Kanton massive Bremsspuren. Seminare, Kongresse, Geschäftsreisen – in «normalen» Zeiten sowohl in Olten, Grenchen wie in Solothurn wichtige und zuverlässige Gästelieferanten – fielen von einem Tag auf den andern aus. Mit entsprechenden Konsequenzen nicht nur für die Anbieter von Seminar- und Tagungsräumen, sondern ebenso auch für Caterer, Gewerbe, Handel und andere mehr.

Ein Minus von 30 Prozent ist nicht einzuholen

Gemessen an den Vorjahres-Übernachtungszahlen muss in der Stadt Solothurn bis Ende Juli unter dem Strich ein Minus von fast 30 Prozent registriert werden. Den 87'113 Übernachtungen von 2019 stehen heuer deren 63'038 gegenüber. Damit kommt die Ambassadorenstadt verglichen mit den Regionen Olten und Grenchen noch am besten weg (siehe Kasten unten).

Anfragen und Buchungen für Tagungsräume nehmen gemäss Jürgen Hofer inzwischen zwar wieder erfreulich zu. Dies werde aber nichts an der Tatsache zu ändern vermögen, dass die Ausfälle der ersten Monate «nicht mehr voll kompensierbar» sind. Mehr als die beiden anderen Städte kann Solothurn aber aktuell einen eigentlichen Ansturm von Freizeit- und Feriengästen profitieren. Besonders sticht dabei der letzte Monat hervor: In den Hotels übernachteten im Juli mit 10 700 Personen deren 705 mehr als in der Vorjahresperiode (als mit dem inzwischen geschlossenen «Astoria» gar noch ein zusätzliches Hotel zur Verfügung stand). Die Gesamtzahl der Logiernächte – inklusive Parahotellerie – beträgt 22'243, was gegenüber Juli 2019 gar ein Plus von 5000 Übernachtungen ergibt.

Im langjährigen Durchschnitt beträgt die Aufenthaltsdauer in hiesigen Hotels laut Hofer 1,8 Tage. Seine positive Beobachtung aus der jüngsten Zeit: «Hoteliers berichten von Familien, die ihre Zimmer bis zu fünf Nächte buchen und Solothurn auch als Ausgangspunkt für Ausflüge in die weitere Umgebung nutzen. Da sind unsere Altstadt und die nahen Ausflugsziele halt schon Gold wert.» Flanieren und Einkaufen in den Gassen, Baden in der Aare, Veloausflüge, Wanderungen – das alles verlocke derzeit vermehrt auch zu einem längeren Aufenthalt.

Boom im Freizeitbereich stimmt optimistisch

Hofer spricht von einem «Boom im Freizeitbereich», zu dem der Sektor Parahotellerie massiv beitrage. So insbesondere der TCS-Campingplatz an der Aare. Das sei umso bemerkenswerter, als die Campingplätze im Land ja erst spät aus dem Lockdown entlassen worden sind. «Doch seither ging’s hier ab wie eine Rakete», schwärmt der Direktor von Region Solothurn Tourismus. Inzwischen habe sich der Campingplatz Solothurn «fast auf Vorjahresniveau» erholt. Positiv entwickeln würden sich die Frequenzen nun auch in der Jugendherberge wieder, die nicht nur die Coronakrise spürt, sondern zusätzlich die Konkurrenz alternativer Anbieter wie Airbnb. Die Auslastung der Jugi ist laut Hofer aktuell auf rund 60 Prozent des letztjährigen Wertes angelangt.

«Es ist schön, zu realisieren, dass wir nicht nur im Geschäftstourismus, sondern auch im Bereich des Freizeittourismus mithalten können», zieht Hofer ein Fazit zu jüngsten Erfahrungen. Noch sei nicht absehbar, ob der Trend auch nach einer weiteren Normalisierung an der Corona­front anhalte. Auf jeden Fall aber werde man die Anstrengungen im Sektor Freizeittourismus in nächster Zeit intensivieren. Bei allem vorsichtigen Optimismus gelte es aber realistisch zu sein: «Was jetzt und hoffentlich noch bis in den Herbst hinein läuft, ist ein Beitrag dazu, dass dieses spezielle Jahr etwas weniger schwierig endet.»

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

Meistgesehen

Artboard 1