Nunningen

Das Ziel vom Museum: «Den Besuchern die Geschichte des Velos näherbringen»

In Nunningen betreibt der 86-jährige Urs Hänggi sein eigenes Velomuseum. Auf seine Oldtimer-Fahrräder steigt der Schwarzbube meist nur in historischer Kleidung

Unmöglich könne er in seinen Alltagskleidern auf das Fahrrad steigen, um für das Foto zu posieren. Urs Hänggi fährt kurz nach Hause, wirft sich in Schale und kehrt nach wenigen Minuten zurück. Nun lässt er sich gerne auf der Nachbildung des ältesten Velos der Welt abbilden.

Es gehe nichts über ein passendes Outfit, meint der 86-jährige Schwarzbube. In einer roten Weste, weisser Hose und mit einem schicken Zylinder auf dem Kopf stellt er sein Velomuseum vor. Im umgebauten Stall eines Bauernhauses in Nunningen führt er uns durch zwei Jahrhunderte Fahrrad. «Wir wollen den Besucherinnen und Besuchern die Geschichte des Velos näherbringen», sagt Hänggi. Das sei das Ziel gewesen, als er das Museum im Jahr 2002 ins Leben rief. Seither öffnet er es auf Anfrage, wobei es vor allem Vereine und Gruppen sind, die den Weg hierher finden.

Nimmt oft an Treffen teil

Der Rundgang durch die Geschichte des Fahrrads entpuppt sich nicht als falsches Versprechen. Über 60 Modelle aus den unterschiedlichen Epochen der Velo-Historie stehen in den beiden Räumen chronologisch nebeneinander. Angefangen mit einer Holz-Draisine aus dem Jahr 1817. «Bei uns steht nur eine Nachbildung. Ein Original befindet sich im badischen Landesmuseum in Karlsruhe», erklärt Urs Hänggi.

Der deutsche Forstbeamte Karl von Drais stellte damals eine Laufmaschine mit Lenkvorrichtung vor. Sie gilt als Urtyp des Fahrrads und wurde immer wieder modifiziert. «Die wichtigste Errungenschaft in der Geschichte des Fahrrads war die Erfindung des Rads», stellt Hänggi klar. Sie stehe ganz am Anfang und sei Voraussetzung dafür gewesen, dass das Velo überhaupt seinen Siegeszug antreten konnte. Bei der Entwicklung des Fahrrads hebt er die Erfindung des Luftreifens durch John Boyd Dunlop und diejenige der Kettenschaltung durch Oscar Egg als bedeutende Schritte hervor. In Massenproduktion ging das Velo erst, als 1885 das Sicherheitsniederrad vorgestellt wurde.

Gefährliche Hochräder

Es folgte auf das sturzanfällige und gefährliche Hochrad, von dem es auch einige Exemplare ins Museum geschafft haben. Früher ist Urs Hänggi häufig auf Hochräder gestiegen und damit gefahren. Davon zeugen einige Fotos an den Wänden seines Velomuseums. «Jetzt liegt das nicht mehr drin, da ich Probleme mit den Fussgelenken habe», bedauert er.

Der frühere Betreiber einer Carrosserie-Werkstatt und Altersheim-Leiter gehört seit Jahrzehnten dem Velo-Veteranen Club Schweiz an. Zusammen mit seiner Frau Berta nimmt er regelmässig an internationalen Treffen mit Gleichgesinnten teil. «Wir waren schon in den USA, in Kanada, in Russland und in Australien», sagt er. Es mache ihm und seiner Frau grossen Spass, sich bei den Ausfahrten in historische Kleider zu werfen.

Um die Menschen in der Region mit seiner Leidenschaft anzustecken, entschied er sich nach seiner Pensionierung, ein Museum zu gründen. «Ich hatte schon in jüngeren Jahren eine Affinität zum Fahrrad», sagt Hänggi. Eine Zeit lang sei er amateurmässig Velorennen gefahren und anschliessend habe er Fahrräder gesammelt. «Ich hatte schon viele Velos, als ich das Museum einrichtete. Einige musste ich mir noch anschaffen.» Selbst wenn die Fussgelenke nicht mehr mitspielen, fährt er noch immer Fahrrad. «Ich habe ein Rennvelo, mit dem ich oft unterwegs bin.» Gedanken, was dereinst mit seinem Museum passiert, macht er sich nicht. Er habe noch lange nicht vor, abzutreten.

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