So weit rechts, so weit links liegt sonst niemand

Es ist weder die SP noch sind es Jungsozialisten, die unter den Solothurner Nationalratskandidaten am weitesten links stehen: Laut der Internetplattform Vimentis decken Kandidierende aus dem Umfeld der Jungen Grünen die Flanke ganz links ab: Es sind dies Maja Haus, gefolgt von Julia Hostettler und Samuel Röösli.

Auch am rechten Rand ist ein junger Politiker derjenige, der das extremste Profil aufweist: SVP-Mann Pascal Käser hat sich unter den Solothurner Kandidierenden am weitesten rechts positioniert, gefolgt von SVP-Kantonsrätin Stephanie Ritschard und SVP-Nationalrat Christian Imark.

Wer sich die Profile der beiden extremsten Kandidierenden anschaut, erblickt sofort: Der 23-jährige Jus-Student aus Rüttenen, der zeitweise an der Spitze der Jungen SVP Kanton Solothurn stand, und die 29-jährige Politologin, die derzeit noch Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz ist, haben politisch eigentlich gar nichts, aber auch wirklich gar nichts gemeinsam. Dort, wo die Spider-Grafik von Maja Haus an die Spitze ausschlägt (umfassender Sozialstaat, mehr Umweltschutz), sieht SVP-Mann Käser gar keinen Handlungsbedarf. Seine Schwerpunkte finden sich bei den restriktiven Finanzen, einer strikten Ausländerpolitik und einem strengen Rechtssystem; Forderungen, denen Haus wiederum nichts abgewinnen kann. Allenfalls könnten sich die beiden bei ganz wenigen Fragen zu einer liberalen Gesellschaft einig sein.

Jungpolitiker Käser ist mit seinen Haltungen in Sachen Ausländerpolitik, Abschaffung des Sozialstaates oder auch in Sachen Aussenpolitik jeweils auch in der SVP-Fraktion an der Spitze der Hardliner. Über die verschiedenen Themenbereiche betrachtet, fallen dort auch die Kantonsräte Rémy Wyssmann, Stephanie Ritschard und Beat Künzli sowie Nationalrat Walter Wobmann immer wieder mit besonders strikten Positionen auf.

Auffallend ist, dass, anders als rechts bei der SVP, im linken Lager weniger ein Block von solch über alle Themen hinweg durchweg pointiert linken Kandidaten ausfindig gemacht werden kann; allenfalls – neben Maja Haus – noch SP-Kantonalpräsidentin Franziska Roth mit ihrer wenig strikten Haltung in der Finanz- und Ausländerpolitik.

Die vielen Gesichter des Liberalismus

Den konservativsten Kandidaten des Kantons Solothurn würde man vielleicht bei den Schweizer Demokraten oder bei der SVP vermuten. Tatsächlich aber ist es laut der Vimentis-Auswertung CVP-Politiker Peter Brotschi, der am konservativsten tickt. Auf den Grenchner Kantonsrat folgen dann SVP-Nationalrat Walter Wobmann und SVP-Kantonsrat Beat Künzli. Brotschi ist im Kantonsrat tatsächlich als wertkonservativ aufgefallen, etwa in der Bildungspolitik. In Ausländerfragen ist er praktisch auf SVP-Linie und setzt sich auch gegen liberalere Regeln bei der Sterbehilfe ein.

Liberalste Kandidaten sind der Stadtsolothurner Gemeinderat Claudio Hug und Dornachs Gemeindepräsident Christian Schlatter. Dass die beiden GLPler hier an der Spitze stehen, dürfte damit zusammenhängen, dass wirtschafts- und gesellschaftsliberal zusammengezogen werden. Trennt man «liberal» in wirtschaftsliberal und gesellschaftsliberal auf, so führen die (Jung-)Freisinnigen Kurt Fluri, Michael Schoy und Philipp Eng die Gruppe der wirtschaftsliberalsten Kandidaten an. Am wenigsten für eine liberale Wirtschaft setzen sich Moira Walter (Juso), Kantonsrat Urs Huber (SP ) und Aileen Jenni (Juso) ein. Jenni gehört allerdings zu den gesellschaftsliberalsten Kandidaten – mit dem Jungfreisinnigen Philipp Eng. Am wenigsten für eine liberale Gesellschaft sind die SVP-Vertreter Beat Künzli, Urs Brügger und Jacqueline Ehrsam.

Sozialstaat

Geht es um einen umfassenden Sozialstaat, dann sind die Jungen Grünen nicht weit. Julia Hostettler, Maja Haus und Samuel Röösli stehen nämlich an der Spitze derjenigen Kandidatinnen und Kandidaten, die am stärksten einen ausgebauten Sozialstaat fordern.
Ihnen gegenüber stehen die SVP-Kandidaten Pascal Käser, Stephanie Ritschard und Rémy Wyssmann, die dem Ausbau des Sozialstaates wenig bis gar nichts abgewinnen können. Sie sind etwa dafür, dass der Leistungskatalog der Obligatorischen Krankenkasse auf die lebensnotwendigsten Leistungen eingeschränkt wird und alle anderen medizinischen Massnahmen über Zusatzversicherungen geregelt werden.

Aussenpolitik

An vorderster Front setzen sich für eine aussenpolitische Öffnung Vertreter der GLP ein, die ein progressives Verhältnis zur EU als eines ihrer Kernthemen bezeichnet. Hinter Marco Bonanno und Claudio Hug (beide GLP) folgt in dieser Frage allerdings bereits alt Regierungsrat Peter Gomm (SP). Er ist etwa für bewaffnete Auslandeinsätze der Armee unter UNO-Mandat oder für Freihandelsabkommen und den Abbau von Schutzzöllen für die Schweizer Landwirtschaft.
Klar gegen eine aussenpolitische Öffnung sind dagegen Kandidaten der SVP, am deutlichsten Nationalrat Walter Wobmann, Jungpolitiker Pascal Käser und der Thaler Kantonsrat Beat Künzli. 

Umwelt

Die umweltfreundlichste Kandidatin findet sich nicht etwa bei den Grünen, sondern laut Vimentis bei den Grünliberalen. Es ist die Grenchner Kantonsrätin Nicole Hirt, gefolgt von BDP-Kantonalpräsident Chris van den Broeke (BDP) und David Gerke (Grüne). Hirt etwa ist klar für eine CO2-Abgabe auf Flüge, für ein Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2030 oder für ein Verbot der industriellen Massentierhaltung.

Am wenigsten umweltfreundlich sind die SVP-Kantonsräte Markus Dick, Rémy Wyssmann und Stephanie Ritschard, die meist zusätzliche oder Kosten auslösende Massnahmen im Umwelt- und Verkehrsbereich ablehnen. 

Finanzen

Für die restriktivste Finanzpolitik ist SVP-Kandidat Christian Riesen, gefolgt von SVP-Kantonsrätin Stephanie Ritschard und SVP-Kantonsrat Rémy Wyssmann. Gemäss ihnen soll das Ausgabenwachstum des Bundeshaushaltes maximal gleich hoch sein wie das Wirtschaftswachstum.

Am wenigsten restriktiv in der Finanzpolitik ist unter den Solothurner Kandidierenden der amtierende SP-Nationalrat und Gewerkschafter Philipp Hadorn, gefolgt von Rudolf Moor sowie Franziska Roth (beide SP). Sie sind etwa für die Abschaffung der Pauschalbesteuerung oder dafür, dass der Bund kantonale Mindeststeuersätze bei der Unternehmens-Gewinnbesteuerung erlässt.

Ausländerpolitik

SVP-Nationalrat Walter Wobmann ist für die strikteste Ausländerpolitik, gefolgt von seinen Parteikollegen Pascal Käser, Beat Künzli. Diese drei Politiker führen auch, vielleicht nicht ganz zufällig, die Liste derjenigen Kandidaten an, die am vehementesten gegen eine aussenpolitische Öffnung der Schweiz sind. Wobmann ist etwa gegen den Ausbau zusätzlicher Gelder für die Integration ausländischer Jugendlicher. Dafür natürlich als Urheber einer entsprechenden Initiative für ein Verhüllungsverbot.

Am wenigsten strikt sind in der Ausländerpolitik Grünen-Kantonalpräsidentin Laura Gantenbein, SP-Kantonalpräsidentin Franziska Roth und die Junge Grüne Maja Haus.