Kanton Solothurn

Das sagen Schulen und Altersheime zur Arbeit mit der Kesb

Die Kesb-Regionen Solothurn, Dorneck-Thierstein/Thal-Gäu und Olten stehen in der Kritik.

Die Kesb-Regionen Solothurn, Dorneck-Thierstein/Thal-Gäu und Olten stehen in der Kritik.

Schulen und Heime kommen häufig in Berührung mit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde. Sie äussern verschiedene Kritikpunkte, unter anderem die zu langen Bearbeitungsdauern und Wartezeiten bei Einweisungen und Gefährdungsmeldungen.

Hört man sich bei Lehrern um, wird die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) allenthalben kritisiert. Überfordert, fachlich ungeeignet, abgehoben. So oder ähnlich lauten noch die netteren Erfahrungsberichte.

Damit konfrontiert sagt Dagmar Rösler, Präsidentin der Solothurner Lehrerinnen und Lehrer: «Von Mitgliedern bin ich bis jetzt noch nie darauf angesprochen worden.» Auch wenn sie keine negativen Erlebnisse mit der Kesb hatte, könne sie sich «gut vorstellen, dass es bei Gefährdungsmeldungen zu Beginn Probleme gab».

Das bestätigt auch Adrian van der Floe, Präsident des Verbands der Solothurner Schulleiter: «Zu Beginn waren die Wartezeiten klar zu lang.» Auf Anregung von Lehrkräften reichen nämlich in der Regel die Schulleiter eine Gefährdungsmeldung ein. «Wir suchten mit den Kesb das Gespräch, nun haben sie sich besser organisiert.» Aus van der Floes Sicht noch einfacher und einheitlicher ginge es,wenn alle drei Kesb ein Präsidium hätten. «Positiv am Ganzen ist, dass die Solothurner Kesb für die Schulen inzwischen als wichtige Partner sensibilisiert sind.»

Dieses Liedchen können auch die Heimverbände singen: Die Gemeinschaft Solothurner Alters- und Pflegeheime musste erst auf Konfrontation gehen, um gehört zu werden. Und beim Behindertenverband Insos Schweiz weiss Geschäftsführer Peter Saxenhofer inzwischen von keinen Reklamationen mehr von Mitgliedern aus dem Solothurnischen zu berichten.

Fredy Meury, Geschäftsführer Stiftung Kinderheime Solothurn, erklärt sogar: «Kesb und Sozialregionen sind interessiert, mit uns möglichst früh zusammen zu sitzen und eine massgeschneiderte Lösung für jeden Fall zu erarbeiten.» In diese Richtung äussert sich auch David Oberholzer vom Dachverband Curaviva: «Es gibt kein einheitliches Stimmungsbild.» Trotz oft knappen Stellendotationen zeige sich nach zwei Jahren Kesb aber vielerorts, dass Profis und nicht mehr Laien am Werk seien. «Und das ist sicher im Sinn der Sache.»

Altesheime beklagen sich über die Kesb

Was sagt die Fachwelt zur Kesb? Um die Sicht direktbetroffener Verbände und Institutionen zu erhalten, wird der Solothurner Regierungsrat von Fachkommissionen beraten.

Anruf bei Iris Schelbert, Präsidentin der kantonalen Alterskommission: «Die Kesb war bisher nie Thema in unseren Diskussionen.» Selber habe sie die Arbeit der Kesb als Stadträtinvon Olten kennen gelernt. «Ich kann mir zwar gut vorstellen, dass auch ältere Leute Probleme mit der Kesb haben, hätte aber nichts gehört.»

Anders tönt es bei Urs Hufschmid, Präsident der Gemeinschaft Solothurnischer Alters- und Pflegeheime (GSA): «Die Prozesse, die mit der Kesb eingeführt wurden, lösen bei unseren Mitgliedern grossen Unmut aus.» Darum verlangte die GSA, dass das Thema an jeder Fachkommissionssitzung diskutiert wird. «Seither werden wir von Vertretern des Kantons zwar regelmässig vertröstet, geändert hat sich aber nichts.» Dass es anders ginge, zeigt laut Hufschmid die AHV: «Nach einigen Treffen besserte die Zusammenarbeit.»

Etwas vorsichtiger drückt sich Kurt Boner aus. Der Leiter Soziale Dienste Oberer Leberberg vertritt die GSA in der Fachkommission: «Die Kesb ist inzwischen auf dem richtigen Weg, das Zusammenspiel muss sich nun aber noch einspielen.»

Darauf angesprochen, dass die Kesb in der kantonalen Fachkommission offenbar doch Thema war, sagt Präsidentin Schelbert: «Wenn gewünscht,können wir die Arbeit der Kesb sichernäher behandeln.» Anders als bei Kindern und Jugendlichen sei die Kesb im Alter aber seltener ein Thema.

Überraschenderweise «kein Thema» war die Arbeit der Kesb bisher auch in der kantonalen Fachkommission Familie, Kind und Jugend. Präsident Marc Friedlis Begründung: «Uns beschäftigten zuletzt vorab die Sparmassnahmen des Kantons.» Zur Kesbsei in diesem Zusammenhang einzigdiskutiert worden, ob es sinnvoll sei,einer überlasteten Behörde von den Gemeinden zusätzliche Aufgaben zu übertragen.

«Im neuen Jahr kann ich mir aber gut vorstellen, dass wir das Thema Kesb einmal näher diskutieren», ergänzt Kommissionspräsident Friedli auf Nachfrage. «Wenn sich der Staat ins Familienleben einmischt, ist das nämlich immer ein sehr schwerwiegender Eingriff.»

So beschäftigt die aktuelle KesbDebatte den solothurner Kommissionspräsidenten auch ohne dass bisher Vorwürfe oder offene Punkte an ihn herangetragen worden wären. «Und zwar nicht nur aus Sicht der möglichen Opfer, sondern auch aus Sicht der Behörden, die jetzt bedroht werden», so Friedli.

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