An vier Abenden im vergangenen Mai waren Interessierte, Kulturschaffende, Behördenvertreter und Politiker eingeladen, an einem der vier Regionalforen zum neuen Kulturleitbild des Kantons Solothurn teilzunehmen. Eva Inversini, Chefin des Amtes für Kultur und Sport und Christoph Rölli, Präsident des Kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung sowie der Bildungs- und Kulturdirektor, Regierungsrat Remo Ankli, waren in Solothurn, Olten, Oensingen und Dornach mit dabei, führten durch den Abend und nahmen Anregungen und Kritik entgegen.

«Wir konnten die Foren alle wie geplant durchführen. Pro Anlass waren zwischen 30 bis 60 Personen anwesend – insgesamt waren es 150 Leute, die kamen», sagt Eva Inversini. «Eine gute Grösse, um jeweils auf Fragen und Anregungen einzugehen und zu diskutieren. Bei grösseren Gremien wird es erfahrungsgemäss für einen Einzelnen eher schwierig, seine Meinung zu sagen».

Christoph Rölli bestätigt: «Jeder hatte Platz zum Reden. Es kam oft zu wirklich intensiven Gesprächen.» «Ich habe sogar bemerkt, dass es Personen gab, die an zwei Foren mit dabei waren», sagt Inversini und ergänzt, noch bis zum 6. Juni hätten sie weitere 20 schriftliche Eingaben erreicht. «Mit Anregungen, die an den Abenden unerwähnt blieben, oder um Anliegen nochmals in schriftlicher Form festzuhalten.» Alles in allem waren die Regionalforen also eine sehr gelungene Sache; ein Umfragen-Format, auf welches man gerne wieder zurückgreifen werde, betonen beide.

Alle Abende protokolliert

Die Stimmung sei überall sehr offen, interessiert und engagiert gewesen, sagt Inversini. «Es kamen sehr konstruktive Vorschläge, und was ausserdem mich sehr gefreut hat, war, dass die Durchmischung von Teilnehmenden mit verschiedenen Funktionen und aus unterschiedlichen Generationen gelungen ist. Ältere haben auch für Junge gesprochen. Eine besonders schöne Sache.» An allen Veranstaltungen hat Inversini grundlegende Angaben zur Kulturförderungspolitik des Kantons gemacht, Rölli hat dann die Diskussion geleitet. «An diesem Prinzip haben wir überall festgehalten; es hat sich bewährt», so Rölli. «Und an allen Abenden wurde ein Protokoll geführt», hebt Inversini hervor.

Die am häufigsten zur Sprache gekommenen Themen werden derzeit ausgewertet. Unter anderem ein überall erwähnter Punkt: «Von Institutionsvertretern wurde immer wieder der Umstand bemängelt, dass fast keine mehrjährigen Förderbeiträge gesprochen würden. Dadurch sei die Planungssicherheit oft in der Schwebe. Diesen Punkt verstehen wir gut. Da werden wir uns um Lösungen bemühen», sagt Inversini. Weiter sei auch die Kommunikation über die Förderprojekte hinterfragt worden. «Auch in diesem Bereich werden wir eine Optimierung anstreben, indem beispielsweise regelmässig ein Newsletter versandt wird». Zu reden gab auch immer wieder das administrative Eingabeverfahren. «In Solothurn meinte man, das Verfahren sei zu kompliziert; in Olten war man der Ansicht, das Verfahren sei schlank und einfach», erzählt Rölli.

Zur Sprache kam auch die Haltung des Kantons gegenüber den vielen Museen, die ganz unterschiedliche Trägerschaften haben. «Bei Museen, die nicht dem Kanton gehören, kann er nicht operativ eingreifen. Denkbar wäre aber beispielsweise via Leitbild mit Anreizen auf die im Kanton sehr unterschiedlich aufgestellten Museums-Trägerschaften einzuwirken», sagt Inversini.

Kulturleitbild bis Ende Jahr

Es gelte nun, die richtigen Hebel anzusetzen, um die Kulturförderung zukunftstauglich zu machen. «Wir haben aber auch erfahren, dass es Aspekte in der Förderpolitik gibt, die als sehr gut beurteilt werden. Das ist eine wichtige Erkenntnis im Hinblick auf das Kulturleitbild», sagt Inversini. Zudem werde die Digitalisierung ein wichtiges Thema sein.

Wie geht es nun weiter mit den gemachten Erkenntnissen? «Wir sind sportlich unterwegs», sagt Eva Inversini, denn schon bis Ende des Jahres soll das Kulturleitbild zuhanden des Regierungsrates vorliegen.

Doch was sich bereits heute abzeichne: Höchstwahrscheinlich werde das Kulturleitbild keine «Revolution» in der Kulturförderung des Kantons Solothurn bedingen, bei welcher kein Stein mehr auf dem anderen bleiben würde, denn: «Wir haben gesehen, dass der jetzige Weg in vielen Teilen solide, reell und nahe bei den Bedürfnissen der Kulturschaffenden liegt», sagen Inversini und Rölli einhellig.