Auch im Solothurnischen

«Das ist beängstigend»: Kröten, Frösche und Molche wandern früher als sonst

Die Erdkröten überwintern in Laubhaufen, Baumwurzeln oder feuchten Erdlöchern.

Die Erdkröten überwintern in Laubhaufen, Baumwurzeln oder feuchten Erdlöchern.

In verschiedenen Kantonen sind Kröten schon auf Wanderschaft – wegen der wärmeren Temperaturen viel früher als sonst. Auch im Kanton Solothurn.

«Das ist schon ein bisschen beängstigend», meint Esther Schweizer. Aus Büsserach bekam sie am Wochenende die Meldung von wandernden Amphibien. Zehn Grasfrösche, neun Erdkröten und neun Molche wurden an der Zugstelle entdeckt. Eine Erdkröte lag tot auf der Strasse. Das seien zwar noch nicht sehr viele, sagt die Regionalvertretung der Koordinationsstelle für Amphibien- & Reptilienschutz (karch) Kanton Solothurn Nordost. «Die Amphibien sind aber einen vollen Monat zu früh dran.» Normalerweise gehen Amphibien ab Ende Februar auf Wanderschaft.

Temperaturen ab 5 Grad und Regen würden die Frösche und Kröten aus ihren frostsicheren Winterquartieren locken und auf Wanderschaft schicken. Das war Ende Januar der Fall. Das Problem: Sobald dann wieder eine Kältewelle kommt, erfrieren die Amphibien. «Schaffen sie es ins Wasser können sie überleben, sofern es nicht kälter als 4 Grad wird», weiss Schweizer. Der Laich könne das aber nicht überstehen. «Das ist nicht gut für die Population.»

Wann die Amphibien ihr Signal zum Aufbruch erhalten, komme auch auf die Lage des Winterquartiers an, ergänzt Murielle Mermod, karch-Vertretung im unteren Kantonsteil. Würde dieses im Schatten liegen, dauere es länger bis zum Frühling. Amphibien in sonnigen Winterquartieren würden dagegen rascher auf Wanderschaft gehen.

Sie selbst hat dieses Jahr noch keine wandernden Amphibien gesehen, weiss aber durch die Hauptstelle der karch, wo Erdkröten, Grasfrösche und Molche sonst noch unterwegs sind. Bis jetzt wurden schon Kröten in Genf, Waadt, St. Gallen, Zürich und Basel beobachtet. So aussergewöhnlich ist die frühe Wanderung laut Mermod aber nicht. Vor ein paar Jahren seien die Amphibien wegen der wärmeren Temperaturen auch schon früher unterwegs gewesen. «Es kann vorkommen, ist aber nicht die Regel.»

Stefan Dummermuth ist ebenfalls Solothurner Vertreter bei der karch und zuständig für Reptilien. Durch Kollegen auf Facebook hat der Oberdörfer mitbekommen, dass die Frösche in unterschiedlichen europäischen Ländern früh dran sind. Auch in der Region hat er schon Amphibien auf Wanderschaft entdeckt: Am Freitag zwei Grasfrösche in Lommiswil auf der Strasse, Anfang Woche in der Verenaschlucht. «Heuer sind sie extrem früh dran» sagt er und geht davon aus, dass es mit der Klimaerwärmung zu tun hat.

«Ich stelle generell fest, dass auch Reptilien früher rauskommen», weiss er zu berichten und nennt Mauereidechsen oder Aspisvipern als Beispiele. 

Zäune stehen noch nicht

Als Esther Schweizer aus Büsserach von der verfrühten Wanderschaft erfuhr, gab sie die Meldung sofort weiter. Viele Zugstellen seien aber noch gar nicht parat. Früher konnte man genauer sagen, wann die Wanderungen stattfinden. Das machte es einfacher, Hilfstrupps zu organisieren. Dass die Wanderungen früher und über einen längeren Zeitraum über die Bühne gehen – dies weil sich oft kalte und warme Zeiträume abwechseln –, macht das Ganze komplizierter.

Im Februar könne noch mit Schnee gerechnet werden, meint Murielle Mermod. Aus diesem Grund habe man bei den Zugstellen in Lommiswil und Deitingen auch noch keine Zäune aufgestellt. Sonst würden diese vom Schnee runtergedrückt werden und man könne sie fast nicht mehr in Betrieb nehmen.

Gemäss Wetterdiensten soll es Anfang nächster Woche wieder Regen geben. «Es wäre möglich, dass die Kröten dann wieder wandern», meint Mermod. Die grosse Masse von Amphibien sei aber noch nicht unterwegs.

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