Wirtschaft

Das Hofbergli verbindet Alp und Gastro

Bergwirtschaften im Jura gibt es viele – diese ist (fast) nur zu Fuss erreichbar. Der Spaziergang lohnt sich für den Besucher jedoch ohne Zweifel.

Wer das Weite und das Abenteuer sucht, muss nicht zwingend einen anderen Kontinent bereisen. Auch in der Nähe des eigenen Wohnortes warten abenteuerliche Pfade: Wer gerne einen abwechslungsreichen Spaziergang unternehmen möchte, kann beispielsweise einen Abstecher ins Hofbergli machen – eine Bergwirtschaft ob Günsberg.

Bei diesem Winterwetter kann bereits die Anreise zum Erlebnis werden: «Von Farnern aus wird die Strasse nicht präpariert», erklärte Gabi Fischer, Mitpächterin des Hofbergli. Am besten gelange man vom Balmberg aus zur Beiz. Von der Passhöhe führt ein rund 45 Minuten langer Spaziergang zur Bergwirtschaft. Bei diesem Wetter wartet eine märchenhafte Winterlandschaft auf die Wanderer: Ein wunderschöner, einfacher Schneespaziergang – solange man nicht in einen Schneesturm gerät.

Im Hofbergli angekommen, begrüssen Gabi Fischer und Andreas Deola ihre Gäste. Seit Frühling 2010 haben die Schaffhauser das Hofbergli gepachtet und neu eröffnet. Seit längerem wollten sie Alp und Gastronomie verbinden, im Solothurner Jura gelang es ihnen nun.

Sommer- und Winterbetrieb

«Wir kannten diese Region vorher nicht wirklich», erzählt Deola, «aber wir haben uns an diesem Platz sofort wohl gefühlt.» Obwohl die beiden nicht aus dem Bauernmilieu stammen, hatten sie bereits viele wichtige Erfahrungen auf dem Land und in der Gastronomie gesammelt. «Wir waren im Sommer auf der Alp und im Winter arbeiteten wir im Café Kairo in Bern», erklärt Fischer. Das Arbeiten in einem gastronomischen Betrieb und das Leben in den Bergen war, einmal auf dem Hofbergli angekommen, für das Paar kein Neuland. Dennoch ein Quereinstieg: Deola ist eigentlich Zeichnungslehrer und Fischer arbeitete in verschiedenen Unternehmen.

Im Sommer kann im Hofbergli nicht nur gegessen und getrunken werden: Auf den Weiden befinden sich immer Rinder, wie auf einer Alp. «Dank den Alp-Erfahrungen waren wir den Umgang mit Tieren gewohnt», sagt Fischer. Früher hatten sie auch im Winter Tiere, aber die ganzjährige Stallarbeit wurde für die beiden zu anstrengend und kompliziert, unter anderem weil die Ställe nicht neu renoviert wurden. Im Sommer sind dafür auch noch Schweine fürs eigene Fleisch auf dem Hof. Auch im Rest des Jahres werde besonders auf biologische und saisonale Produkte geschaut, betont das Paar.

Deola und Fischer leiten das Geschäft erfolgreich und blicken zufrieden auf eine gute Zeit zurück. Man müsse natürlich die Ansprüche an den Ort anpassen, finden sie. Das Publikum sei sehr unterschiedlich, im Winter würden viele Schneeschuhlaufen, im Sommer werde spaziert. Auch sei das grosse Einzugsgebiet vorteilhaft: «Die urbanen Gebiete sind nah, die Gäste können innert kurzer Zeit dem Alltag entfliehen», so Fischer. Auch andersrum gelangen die beiden «schnell» in die Stadt. Diese Lage sei mit ein Grund für den Einzug ins Hofbergli gewesen: «Wir wollten einen festen Wohnsitz, das ist beispielsweise in den Alpen nicht möglich», erzählt Fischer. Die Wintersaison im Dorf oder in der Stadt verbringen und die Sommersaison auf der Alp, dies wollte das Paar nicht mehr.

Einkaufen muss geplant sein

Während der Feiertage und im Sommer gebe es im Hofbergli externe Unterstützung, «wir haben eine tolle Crew, wie eine Familie», erklärt Fischer. In den meisten Bergwirtschaften sei es normal, die gesamte Familie einzubinden, sie seien jedoch nur zu zweit. «Unterstützung und Freunde haben wir schnell gefunden», so Deola.

«Wir sehen unsere alten Freunde weniger, seit wir hier wohnen, das ist vielleicht ein Nachteil», so Fischer. Auch das Einkaufen sei am Anfang eher schwierig gewesen, die Getränke werden geliefert, der Einkauf müsse aber gut geplant sein, «wenn etwas fehlt, ist das Migros nicht um die Ecke», lacht Deola. Als Selbstständige arbeiten die beiden beinahe rund um die Uhr, immer sei etwas los bei ihnen. «Wenn wir zu viel Stress haben, sehen wir manchmal das Schöne an diesem Ort nicht mehr», stimmen sie überein, aber immer wieder gelinge es ihnen, aus der Umgebung Kraft und Ruhe zu tanken.

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