«Ein Touch New York, eine Prise San Francisco, ein Hauch Venedig, eine Spur Istanbul, ein Duft Provence.» So gehört im Werbespot zu den diesjährigen Denkmaltagen, die an diesem Wochenende in zahlreichen Schweizer Ortschaften über die Bühne gingen.

Die Denkmaltage, welche heuer bereits zum 22. Mal durchgeführt werden, stehen unter dem Thema «Austausch – Einfluss». Neben Schlössern, Kirchen und anderen Denkmälern in der ganzen Schweiz öffnete auch die Ballyana-Sammlung in Schönenwerd ihre Türen und gab an zwei Tagen in vier Führungen Einblick in einen Teil der Schweizer Technologiegeschichte.

Philipp Abegg, Leiter der Ballyana-Stiftung

Philipp Abegg, Leiter der Ballyana-Stiftung

Starker Einfluss

«Um 1900 produzierte Bally 14 000 bis 15 000 Schuhe pro Tag», führt der Leiter der Ballyana-Stiftung, Philipp Abegg, zu Beginn der Führung aus.

Angefangen hat das Familienunternehmen im 18. Jahrhundert mit der Produktion von Bändern, die zuerst aus Seide, dann aus Baumwolle und später aus Kautschuk waren. 1851 begann Carl Franz Bally mit einfachsten Mitteln mit der Schuhproduktion.

Bally-Schuhe im Wellengang der Geschichte.

Bally-Schuhe im Wellengang der Geschichte.

Bis 1862 wurde von Hand gearbeitet. In diesem Jahr wurde von einem Engländer die erste Dampfmaschine installiert. Die Maschine hatte zu Beginn vier PS, was mit der Motorenstärke eines heutigen Rasenmähers vergleichbar ist. In England war die Dampfmaschine damals bereits patentiert, in der Schweiz kannte man Patente noch nicht – damit war die Schönenwerder Maschine eine Raubkopie.

Einfluss aus USA und England

Spätestens nach der Präsentation der zweiten Maschine erkennt der Besucher, wieso die Ballyana-Stiftung an den diesjährigen Denkmaltagen teilnimmt: Das Ausland, insbesondere England und die USA, hatte entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Technologie und damit auf die Schuhproduktion in der Niederämter Gemeinde. So stammt zum Beispiel eine Nähmaschine aus den USA.

Webmaschinen begründeten die Bally-Erfolgsgeschichte.

Webmaschinen begründeten die Bally-Erfolgsgeschichte.

Einer kleinen Revolution kam die Sohlen-Durchnäh-Maschine gleich. Sie konnte den Schuh an die Sohle nähen. Eduard Bally, Sohn des Carl Franz, hatte sie in den USA entdeckt und reiste 1869 nach England, um über deren Kosten zu verhandeln. Sie hatte einen Anschaffungspreis von 2500 Franken, plus eine jährliche Miete von 1500 Franken. «Zu dieser Zeit war das sehr viel Geld. Der Jahreslohn eines Kadermitgliedes betrug damals 1000 Franken», weiss Abegg. Verhandeln konnte Bally nicht, angeschafft wurde die Maschine trotzdem.

Und sie verhalf zu einer massgeblichen Verbesserung der Produktion und der Qualität. Nun konnte 100-mal mehr produziert werden. Ein Exemplar dieser Sohlen-Durchnäh-Maschine ist seit zirka drei Jahren im Besitz der Ballyana-Stiftung. «Es existieren nicht mehr viele dieser Maschinen», erklärt Philipp Abegg stolz.

Patentschutz gefordert

Ungefähr zur selben Zeit wollte Eduard Bally eine weitere Maschine, die Walkmaschine, aus den USA importieren. Mit dieser Maschine konnte einem Stück Leder eine Form gegeben werden. Die Amerikaner wollten die Maschine aus Angst vor möglichen Raubkopien nicht exportieren. Diese Angst war tatsächlich nicht von der Hand zu weisen, wie das Beispiel der Dampfmaschine zeigt.

Die Schweiz brauchte also einen Patentschutz. Um eine Motion zur Einführung des Patentschutzes einzubringen, liess sich Carl Franz Bally 1875 in den Nationalrat wählen. Als diese angenommen worden war, trat er wieder aus dem Nationalrat zurück. Das heutige Schweizer Patentrecht geht auf diese Motion zurück.