Ständeratswahl

CVP-Präsident Pfister leistet Wahlhilfe für SP-Mann Zanetti

Roberto Zanetti (l) erhält Unterstützung von Gerhard Pfister.

Roberto Zanetti (l) erhält Unterstützung von Gerhard Pfister.

Gerhard Pfister, der Präsident der CVP Schweiz, lobt öffentlich SP-Ständerat Roberto Zanetti und schiesst gegen die Solothurner SVP.

Sie haben sich weggeduckt, als es darum ging, eine Empfehlung für den zweiten Ständeratswahlgang abzugeben. Die Solothurner CVP wollte keine Farbe bekennen – weder zu SP-Ständerat Roberto Zanetti noch zu Herausforderer Christian Imark (SVP). Und auch der bereits im ersten Wahlgang wiedergewählte CVP-Ständerat Pirmin Bischof kam nicht über die zurückhaltenden Worte hinaus, dass er sehr gut mit Zanetti zusammenarbeite und gerne weiterhin mit ihm im Zug nach Bern fahren würde. Es schien, als ob die CVP – trotz latenter Sympathien für Zanetti – Ladehemmungen hat, den SP-Mann offiziell zu unterstützen.

Jetzt hat einer deutliche Worte gewählt und erst noch einer, der dem bürgerlich-konservativen CVP-Flügel angehört. Gerhard Pfister, Präsident der CVP Schweiz, mischt sich in den Solothurner Wahlkampf ein und weibelt auf Twitter für Zanetti. Für ihn sei der Solothurner SP-Ständerat «wählbarer als mancher Politiker, der sich ‹bürgerlich› nennt.» Weiter: «Bei ihm weiss man wenigstens, woran man ist.» Der Solothurner SP-Ständerat mache «pragmatische sozialdemokratische Politik». Kurz: «Habe meine Differenzen mit ihm, aber dafür verlässliche», so Pfister.

Pfister wehrt sich vor allem gegen die Art der SVP

Hintergrund von Pfisters Äusserungen sind die Angriffe, die die Solothurner SVP auf CVP und FDP gestartet hat, nachdem diese keine Wahlempfehlung für ihren Kandidaten Imark abgeben wollten. Als «Pseudobürgerliche» bezeichnete SVP-Nationalrat Walter Wobmann CVP und FDP im Kanton. «Wenn die SVP SO einen SPler schlagen will, ist es dumm, auf FDP und CVP zu prügeln», antwortete daraufhin Pfister auf Twitter. «Von der SVP SO kann man lernen, wie man es anstellen soll, wenn man auf keinen Fall einen Ständeratssitz gewinnen will.» O-Ton Pfister: Imark schaffe es «nur bis zum Angiften derjenigen, die ihn wählen sollten, wenn er wirklich Ständerat werden wollte».

Imark reagierte auf Twitter säuerlich. «Also entweder bist du nicht der echte Gerhard Pfister oder Zug ist weiter weg von Solothurn, als mir bekannt war», schrieb er und wies darauf hin, dass er sich im Angriff zurückgehalten habe.

Doch Pfister verteidigte Zanetti im Twitter-Kleinkrieg sogar in der Behring/Pro-Facile-Affäre, die dazu führte, dass der Gerlafinger 2005 als Regierungsrat abgewählt wurde. Der SP-Mann habe dafür «mehr als gebüsst. Und ist hingestanden. Mehr als manche Bürgerliche in ähnlichen Situationen», so Pfister. Schon präventiv scheint der CVP-Präsident dem Vorwurf vorgreifen zu wollen, die fehlende Unterstützung von CVP und FDP könnte am 17. November schuld sein, wenn es Imark nicht schafft. Denn es sei, so Pfister, die Solothurner SVP, die mit ihrem Verhalten «beste Wahlhilfe für Zanetti» liefere. Dieser dürfe «schon mal das Bier kühl stellen».

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