Umweltbewusst

CDs und DVDs wegwerfen: «Vermeidbare Verschwendung von wertvollen Ressourcen»

Nur wenige wissen, wie sie CDs und DVDs richtig entsorgen. (Archiv)

Nur wenige wissen, wie sie CDs und DVDs richtig entsorgen. (Archiv)

Unterricht im Recycling statt harte politische Debatte: Der Kantonsrat lernte, dass man CDs zum Recyceln abgeben kann. Damit wissen die 100 Räte wohl mehr als die meisten Solothurner.

Der Schweizer fühlt sich gerne als Weltmeister auf, wenn er Abfall sammelt: PET, Eisen, Glas trennt er oft. Doch was passiert mit alten CDs, die ausgedient haben? Da weiss der Schweizer meist nicht mehr weiter. Endstation Kebag.

Das stört SP-Kantonsrat Mathias Stricker (Bettlach). Als «vermeidbare Verschwendung von wertvollen Ressourcen» bezeichnet er das Wegwerfen von CDs und DVDs. Denn einerseits bestehen die flachen Scheiben aus Polycarbonat, das energieintensiv und teuer ist. Und andererseits gäbe es in vielen Gemeinden, auf vielen Poststellen und in den Migrosfilialen die Möglichkeit, CDs und DVDs zurückzugeben. «Im Recyclingprozess kann das Polycarbonat von Discs in hoher Reinheit wiedergewonnen werden», hielt Stricker in einer Interpellation fest, die am Mittwoch im Kantonsrat diskutiert wurde.

«Das Rezyklieren trägt dazu bei, den CO2-Ausstoss zu reduzieren und die nicht erneuerbare Ressource Erdöl zu schonen. Dieses Potenzial muss genutzt werden.» Nur müsste die Bevölkerung wissen, dass sie alte CDs sammeln kann. Dabei erreichte Stricker schon mal einen Erfolg: Zumindest die 100 Kantonsräte wissen nun, dass das Recycling möglich ist.

Dass das Wissen aber oft fehlt, zeigte eine kleine Umfrage von Stricker selbst: Mehrere Stellen, die laut dem schweizweit tätigen Recycling-Organisator eigentlich CDs zurücknehmen sollten, hatten keine Ahnung. Baudirektor Roland Fürst, in dessen Departement das Amt für Umwelt (AfU) angesiedelt ist, versprach, dass das AfU über die zur Verfügung stehenden Kanäle so gut als möglich informieren wird: Gemeinden etwa könnten darauf aufmerksam gemacht werden und vielleicht in ihren Entsorgungsblättern auf CD- und DVD-Recycling hinweisen.

Grünen-Sprecherin Doris Häfliger konnte dagegen freudig mit einer CD winken: In Zuchwil hat sie schon längst dafür gesorgt, dass die Postangestellten nicht mehr ratlos schauen, wenn einer mit einer alten CD konfrontiert wird.

«Unnötig» oder «angebracht»?

Für «völlig unnötig» hielt dagegen SVP-Sprecher Leonz Walker den Vorstoss mit der Forderung nach zusätzlichen Massnahmen. Walker zweifelte, dass noch allzu viele CDs in Umlauf sind. «Ich habe von der Abgabestelle bisher nichts gewusst», bekannte dagegen FDP-Sprecher Heiner Studer (Nunningen). «Eine Information in den Gemeinden wäre angebracht.»

Langfristig wird sich das Problem wohl tatsächlich erledigen: Im Laden kauft CDs fast niemand mehr. Einst erfolgreiche CD-Verkaufsgeschäfte wie Musik Hug schliessen inzwischen auch in Zürich ihre Filialen. Nur zuhause lagern derzeit wohl noch viele CDs – auch wenn die Musik inzwischen vielleicht längst auf Computern, Handys und iPods spielt.

Meistgesehen

Artboard 1