Berchtoldstag
Blocher ehrt Solothurner: Elogen für Munzinger, Amiet und Ritschard

Alt Bundesrat Christoph Blocher führte seine zehnte Würdigung bedeutender Schweizerinnen und Schweizer am Berchtoldstag trotz Pandemie durch. Ohne physisches Publikum vor Ort. Dafür im Live-Stream.

Balz Bruder
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«Viele sagen nicht, was sie denken», meinte alt Bundesrat Christoph Blocher bei der Würdigung bedeutender Solothurner am Berchtoldstag.

«Viele sagen nicht, was sie denken», meinte alt Bundesrat Christoph Blocher bei der Würdigung bedeutender Solothurner am Berchtoldstag.

AZ

Er hätte es sich anders gewünscht. Doch es war nun einmal so, wie es war, beziehungsweise sein musste. Die zehnte Würdigung bedeutender Persönlichkeiten, die Christoph Blocher alljährlich am 2. Januar durchführt, musste virtuell und vor leeren Rängen im Studio einer Produktionsfirma in Biel stattfinden.

Geplant war die Veranstaltung ursprünglich in der Hägendorfer Raiffeisen-Arena, wo sich über 1000 Personen eingefunden hätten. Dann in Balsthal vor historischer Kulisse, um die drei grossen Solothurner Josef Munzinger, Cuno Amiet und Willi Ritschard zu ehren. Doch am Ende funktionierte weder das eine noch das andere. Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt.

Nun, Altmeister Blocher liess sich den Spass an der Sache durch die widrigen Umstände nicht verderben. Mit kraftvollen Worten und kräftigen Gesten würdigte er den Oltner Revolutionär Munzinger, der am 22. Dezember 1830 auf der «Rössli»-Treppe zu Balsthal die Volksherrschaft verkündete. Er würdigte den unvergleichlichen Farbenmeister Amiet, den Wegbereiter der Moderne in der Malerei, der mit Hodler und Giacometti ebenso verkehrte wie mit dem malenden Premier Churchill. Und er würdigte den Arbeiter-Bundesrat Ritschard, der mit seinem Tiefsinn und seiner Volksverbundenheit, mit seinem einfachen Denken und seiner einfachen Sprache Politik als Sache für die Menschen fassbar machte.

Die heutige classe politique «unter Kontrolle halten»

Blocher war sichtbar im Element - was insofern kein Wunder war, als er die drei Persönlichkeiten offensichtlich mit Bedacht ausgewählt hatte. Weil sie ihm selber nahe sind, durch ihren Auftrag, durch ihr Wesen, durch ihre Fähigkeiten und Neigungen, durch ihre Haltungen auch. Das schimmerte bei Munzinger im Kampf für die Volksrechte und das Misstrauen gegenüber den Regierenden ebenso durch wie bei Amiet mit seinem ganz eigenen Blick auf die Welt und die Menschen - und wie man sie sich, über das, was man wahrzunehmen scheint, auch sehen kann. Und erst recht bei Ritschard, der die Dinge nie komplizierter machen wollte, als sie ohnehin waren, sondern nach dem Kern der Sache und dem ihr dienenden Weg forschte - und sich bis zum Letzten dafür hingab.

«Viele sagen heute nicht, was sie denken», meinte Laudator Blocher. Und nahm dabei die classe politique nicht aus, im Gegenteil. Auch deshalb verstünden die Leute die Politik immer weniger. Aber auch, weil die Politiker, wenn sie denn redeten, es nicht so täten, dass man überhaupt begreifen könne. Umso wichtiger sei es, diese classe politique– unveränderter einer der Schlüsselbegriffe Blocherscher Diktion– «unter Kontrolle zu halten». Mit Volkes Stimme und Wille, versteht sich.

Selbstredend im Namen einer freiheitlichen Gesellschaft in einem freiheitlichen Staat, der nicht sich selber, sondern den Bürgerinnen und Bürgern dient. Gerade auch in Zeiten, da sich die Staaten anschickten, sich bis über den Kopf zu verschulden. Und sich in unabsehbare Abhängigkeiten, vor allem für die Menschen im Land, zu begeben.

Auch ohne Publikum: Eine spannende Lehrstunde - in ihrer anachronistischen Eigenheit und ihrer unverleugneten Parteilichkeit. Da hatte sich der alt Bundesrat den ehrerbietigen Dank von Parteipräsident Christian Imark und den Grenchner Geschenkkorb von Regierungsratskandidat Richard Aschberger im wörtlichen Sinn redlich verdient.