Man kennt ihn einfach im Unterleberberg. Und man kennt ihn als Mann, der meist Schalk in den Augen und einen Spruch auf den Lippen hat. Seit 33 Jahren ist Beat Biberstein Schulhausabwart in Hubersdorf und fährt mit dem Schulbus durch den Unterleberberg. In mehr als 80 Theaterproduktionen hat der 1,92-Meter grosse Mann auf Solothurner Amateurbühnen Leute zum Lachen gebracht.

Doch nun sitzt Beat Biberstein im schwarzen Anzug und mit schwarzer Krawatte an einem langen Holztisch. Es ist seine bisher wohl ernsthafteste Rolle. Und es ist die ernste Seite eines Mannes, der so viele andere zum Lachen brachte. Biberstein ist zum Bestatter geworden. In diesen Tagen hat er in Luterbach in der früheren Gerber-Molkerei sein Geschäft eröffnet und mit der Arbeit begonnen.

"Du kannst viel helfen"

«Es ist eine Rolle, die sehr seriös sein muss», erklärt der 55-Jährige beim Kaffee. Fehler könnten überall geschehen. «Aber bei einem Bestatter dürfen sie eigentlich gar nicht passieren, weil die Situation für die Angehörigen schon so schwierig ist.»
Viele kannten diese Seite an ihm bisher nicht. Doch schon seit rund 30 Jahren hatte er einem Schulfreund, der Bestatter war, neben seinem 70-Prozent-Pensum am Schulhaus stundenweise ausgeholfen. «Du kannst so viel helfen und damit den Leuten sehr viel geben», nennt Biberstein, was ihn an diesem Beruf fasziniert, der aber nicht immer einfach sei. Wenn die Angehörigen nervös seien, müsse der Bestatter die Ruhe behalten, sagt er - ergänzt aber: «Wir sind auch nur Menschen.» Es ist eben eine Rolle, in der es keine Schauspieler gibt, sondern die mitten im Leben spielt, auch wenn es ums Lebensende geht. Es komme vor, dass er die Tränen nicht zurückhalten könne, wenn er einen Sarg aus der Kirche trage, sagt Biberstein – gerade bei jungen Menschen. «Ich bin nahe am Wasser gebaut.»

Am Holztisch in seinem Büro erzählt Biberstein: Nach dem Tod seines Freundes – des Bestatters – habe er gründlich überlegt, ob er ein eigenes Geschäft eröffnen solle. Er hat es mit seiner Frau besprochen, weil ein Bestatter 365 Tage rund um die Uhr seine Dienste bereitstellen muss. Er hat sich dafür entscheiden, weil ihm Jacqueline Schneider, eine erfahrene Bestatterin, als Geschäftsführerin zur Seite steht und das Tagesgeschäft bestreitet. Denn Biberstein ist nach wie vor zu 70 Prozent als Schulhausabwart angestellt. Dieser Job soll nicht leiden.

Gegen Tabus und falsche Vorstellungen

Eine Uhr tickt an der Wand hinter Biberstein. Urnen aus Holz und Metall, Kerzen, ein Kindersarg, Blumen und viel grüne Farbe zieren den Geschäftsraum in Luterbach. Dieser ist dezent, aber hell eingerichtet. Biberstein hat sogar das Schaufenster des früheren Ladens behalten und stellt dort, zwar pietätvoll, aber ganz offen, Urnen aus.

Ist der Tod nicht noch immer ein Tabu? Doch, erwidert Biberstein, gerade bei der älteren Generation. Er hat erlebt, dass jemand zögerte, ihm die Hand zu geben, weil er Bestatter ist. Er aber rät, sich frühzeitig mit dem eigenen Ableben auseinanderzusetzen, gerade wenn man gesund sei und dafür - anders als wenn man vielleicht mit einer schweren Krankheit konfrontiert sei – Energie habe. «Was möchte er wohl?», habe sich seine Familie etwas ratlos gefragt, als Bibersteins Vater starb. Es sei deshalb besser, sich mit den Angehörigen zusammenzusetzen und zu diskutieren, was man gerne möchte. Ob Erdbestattung, Kremation, ob Gottesdienst oder nur eine Feier in kleinem Rahmen.

Falsche Vorstellungen - wegen Fernsehserie

Hemmungen abbauen will Biberstein auch heute Samstag mit einem Tag der offenen Türe. Die Leute sollen vorbeikommen und Fragen stellen. Dann können auch falsche Vorstellungen ausgeräumt werden, die durch populäre Fernsehserien über Bestatter verbreitet werden. So trifft Biberstein immer auf Leute, die glauben, die toten Körper befänden sich in den Räumlichkeiten des Bestatters. Dort seien aber nur das Fahrzeug und das Sarglager. «Die Verstorbenen sind in den Aufbahrungshallen, im Krematorium oder sie bleiben zuhause aufgebahrt, wenn es die Angehörigen wünschen.»

Und Beat Biberstein selbst, wie blickt er auf das Lebensende? «Ich habe Angst vor dem Tod», sagt der kräftige Mann, der so stark wirkt. Vor zwei Monaten hatte er eine schwere Operation, das habe ihm aufgezeigt, wie schnell unser Gastspiel auf der Erde enden könne. Im Hintergrund tickt die Uhr.