Berufsschule

Berufsschüler erhalten Busse für unentschuldigte Absenzen – doch das reicht manchmal nicht aus

Eine unentschuldigte Absenz kostet im Wiederholungsfall 20 Franken.

Eine unentschuldigte Absenz kostet im Wiederholungsfall 20 Franken.

Die Solothurner Berufsschulen erteilen Geldbussen für unentschuldigte Absenzen. Manchmal braucht es jedoch zusätzliche Massnahmen.

Knapp 100'000 Franken landeten in den letzten Jahren jeweils in den Bussenkassen der Berufsschulen Olten und Solothurn-Grenchen, rund 48000 Franken pro Schule. Lernende, die mehrmals unentschuldigt fehlen oder sich nicht an die Verhaltensregeln halten, erhalten eine Geldstrafe. Eine unentschuldigte Absenz kostet nach kantonalen Richtlinien 20 Franken, eine Verhaltensbusse bis zu 300 Franken. Solche müssten jedoch kaum ausgesprochen werden, sagt Georg Berger, Direktor des Berufsbildungszentrum Olten (BBZ).

Der grösste Teil der 96’000 Franken sei den Absenzen geschuldet. Was nach einer grossen Zahl klingt, sieht auf die Schülerzahl gerechnet weniger dramatisch aus. Bei 7000 Lernenden kommen auf jeden Einzelnen 14 Franken Busse im Jahr. „Es ist aber schlussendlich eine Minderheit, die mit Bussen in Berührung kommt“, so Berger. Die Lehrer, die über Bussen entscheiden, würden auch nicht immer sofort zur Strafe greifen und durchaus mal ein Auge zudrücken.

Fehle jemand aber willentlich wiederholt oder entschuldige sich nicht rechtzeitig, müsse er damit rechnen, gebüsst zu werden. „Ein Schultag ist ein bezahlter Arbeitstag. Der Lehrbetrieb darf deshalb auch erwarten, dass der Lernende zur Schule geht“, sagt der Direktor.

Büssen ist aber nicht alles: Merke man, dass sich bei jemandem die Absenzen häufen, und eventuell private Probleme dahinter stecken, komme ein Beratungsgespräch unter Einbezug des Amtes für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen dazu. Die Schule muss dann mit dem Schüler, dessen Eltern und dem Lehrbetrieb eine Lösung finden. „Das Ziel ist immer, dass die im Lehrvertrag vereinbarten Ziele erreicht werden können.“ Wenn nichts hilft und ein Lernender auf 20 unentschuldigte Absenzen kommt, kann das BBZ dem Berufsinspektorat beantragen, den Lehrvertrag aufzulösen.

Baselland gibt keine, Langenthal höhere Bussen

Nicht alle Berufsschulen in den umliegenden Kantonen bestrafen unentschuldigte Absenzen gleich. Im Kanton Baselland sind keine Geldbussen vorgesehen. „Stärkste Sanktionsmassnahme ist es, bei wiederholten Verstössen und nach erfolglosen Gesprächen eine Auflösung des Lehrverhältnisses oder eine Zuweisung zu einem andern Schulort zu beantragen“, schreibt Dominique Tellenbach, Rektor der gewerblich-industriellen Berufsfachschulen Muttenz und Liestal.

Die Berufsschule Aarau erteilt Bussen von 10 Franken pro verpasster Lektion. Im Schuljahr 2018/2019 kamen bei 3100 Schülern rund 70000 Franken zusammen. Deutlich kleiner ist die Bussenkasse an der Berufsfachschule Langenthal, wo das zweite Vergehen mit 50 Franken, das dritte gar mit einer Busse von 100 Franken bestraft wird. Bei rund 2400 Lernenden gab es 2019 Einnahmen von 950 Franken. Die tiefe Zahl zeige. „dass wir das Glück haben, sehr pflicht- und verantwortungsbewusste Lernende unterrichten zu dürfen“, schreibt Rektor Thomas Zaugg.

Schlussendlich kommen die Bussenerträge wieder den Schülerinnen und Schülern zu Gute, sie finanzieren Ausflüge oder Abschlussfeiern. In den Solothurner Berufsfachschulen und in Aarau sind dies ordentliche Beträge. Dennoch: „Die Ausgaben, die wir tätigen, übersteigen zurzeit die Einnahmen aus der Bussenkasse“, sagt Georg Berger. 17 Franken würden jährlich für spezielle Anlässe pro Schüler ausgegeben, während 14 Franken in die Kasse kommen.

Die Schülerschaft selbst stehe daher der Bussenregelung relativ neutral gegenüber, so Berger. Andere Themen, wie beispielsweise die Angleichung des Stundenplans an den öffentlichen Verkehr, seien an Schülerkonferenzen wichtiger.

Autor

Alice Guldimann

Alice Guldimann

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