Das Kunsthaus Grenchen widmet seine Herbstausstellung der Berner Künstlerin Anna Amadio (*1968). Sie, die seit Jahren in Basel lebt, ist in letzter Zeit vorwiegend in Gruppenausstellungen aufgefallen; nun bietet Grenchen ihr eine eigene grössere Plattform. Bekannt geworden ist die Künstlerin mit ihren riesigen räumlichen, nicht begehbaren Luftobjekten oder spannungsvollen Frottagen.

Ausgehend vom Raum des Neubaus des Kunsthauses hat Amadio eine Installation geschaffen, die sehr viel mit Malerei zu tun hat. «Es ist auch das erste Mal, dass ich mich so konsequent mit Malerei beschäftigt habe, ja gar selbst zur Malerin geworden bin», sagt die Künstlerin. Ihre intensive Malerei ist aber auf den ersten Blick gar nicht erkennbar, denn betritt man den Raum, fallen grosse Holzsockel und -staffeleien auf, auf denen lauter monochrome Bilder in verschiedenen Farben und unterschiedlichen Formaten stehen.

Klassiker nachgemalt

Bei näherer Betrachtung erkennt man, dass es Bilder sind, die erst nach genauer Betrachtung, ja fast Untersuchung der Strukturoberfläche zu erkennen sind. Van Goghs Sonnenblumen zum Beispiel, oder Claude Monets Seerosen. Amadio erklärt, wie sie zu diesen Arbeiten kam: «Ich habe mich intensiv mit der klassischen Moderne auseinandergesetzt. Schliesslich begann ich, ausgesuchte Werke selbst nachzumalen, und zwar genau so, wie sie die Meister geschaffen haben.»

Über diese Bilder hat sie dann eine dickflüssige Farb-Leimschicht gegossen und somit einen Abdruck ihrer Werke erhalten. Diese Abdrucke sind nun zu sehen.

Es sei eine sehr intensive Begegnung mit den Grossen der Kunstgeschichte geworden, sagt Amadio zum Entstehungsprozess der Bilder. «Ich lernte enorm viel über die Arbeit eines Cézanne, Gauguin oder Franz Marc.» Dass die Künstlerin Vertreter des Impressionismus gewählt hat, habe mit der Geschichte der Malerei zu tun, begründet sie. «Im Impressionismus wurde die Farbe erstmals zum Hauptakteur eines Bildes.» Anna Amadio versteht sich trotz dem grossen malerischen Aufwand dieser Arbeiten nicht als Malerin, sondern als Plastikerin. Ausgehend von der Tatsache, dass ein fertiges Werk kein gemaltes Bild, sondern ein plastisches Objekt ist, zeigt die Künstlerin ihre Arbeiten auf den eigens für die Ausstellung konzipierten Gestellen. Diese übernehmen in ihren Dimensionen exakt die Masse der gezeigten Bilder.

Anna Amadio erforscht mit dieser Arbeit die Geschichte und das Wesen der Malerei und Plastik und versucht beiden eine neue Dimension zu geben. «Ich suche in meiner Arbeit immer auch das Erlebnis», meint sie.

Kunsthaus Grenchen Vernissage am Samstag, 26. August, 16.30 Uhr. Bis 5. November.