Das Streben in die Höhe

Beliebter Balmberg und co.: «Die Leute rennen uns fast jeden Tag die Bude ein»

Der Anfahrtsweg schreckt auch Leute von weit her nicht davon ab, auf die Blüemlismatt zu fahren.

Der Anfahrtsweg schreckt auch Leute von weit her nicht davon ab, auf die Blüemlismatt zu fahren.

Die Flachländer stürmten am Wochenende die Berge – und Bergrestaurants. Mit Kameras bewaffnet machten sie sich auf zu den sonnigen Terrassen in der Region. Einige Wirte wurden richtig auf Trab gehalten. Vor allem um die Mittagszeit war Einiges los.

Blüemlismatt: Advent und Spätsommer treffen sich

Der Anfahrtsweg schreckt auch Leute von weit her nicht davon ab, auf die Blüemlismatt zu fahren.

Der Anfahrtsweg schreckt auch Leute von weit her nicht davon ab, auf die Blüemlismatt zu fahren.

Wer mit dem Auto auf die Blüemlismatt oberhalb von Egerkingen will, nimmt mitunter einen ziemlich weiten Anfahrtsweg in Kauf. Die Nummernschilder auf dem überfüllten Parkplatz verraten es: Zürcher, Aargauer, Basler, Berner, Solothurner sowieso, aber auch Zentralschweizer und sogar süddeutsche Autokennzeichen sind hier auf 814 Metern über Meer vertreten.

«Das geht nun schon seit Wochen so», sagt Blüemlismatt-Wirt Markus Studer mit Blick auf die bis auf den letzten Platz gefüllte Terrasse. «Die Leute rennen uns fast jeden Tag förmlich die Bude ein, wir sind ausgebucht.»

Sowohl auf der Sonnenterrasse als auch im Restaurant des «Blüemlismatt» gab es am Sonntag lange Zeit keinen freien Platz mehr. Die Blüemlismatt-Gäste sitzen in leichter Kleidung an der warmen Sonne und geniessen das Essen oder ein Dessert, trinken einen feinen Wein oder Kaffee.

An Tagen wie diesen seien alle seiner sechzehn Angestellten pausenlos im Einsatz, verrät der Blüemlismatt-Wirt, der selber ebenfalls voll im Service mithilft.

Das gegenwärtige Wetter sei zwar gut für sein Geschäft, so Studer weiter, sagt aber auch – und deutet auf die staubtrockenen Juraweiden –, dass dies der Natur hier oben alles andere als guttut.

Das im Fensterrahmen angebrachte Thermometer zeigt es an: 22 Grad Celsius. Und ein Blick durch das Fenster zeigt auch: Die Gaststube ist bereits weihnachtlich dekoriert.

An der Decke brennen Hunderte von kleinen Lichtlein und trotz der ungewöhnlichen Wärme lassen Weihnachtskugeln, Tannzapfen und Girlanden so etwas wie Adventsstimmung aufkommen.

«Meine Gäste mögen die üppigen Weihnachtsdekorationen innerhalb und ausserhalb des Bergrestaurants», ist Markus Studer überzeugt und freut sich bereits auf das nächste Wochenende.

Dann nämlich ist die Vernissage für die weitherum bekannte Weihnachtsausstellung in der grossen Scheune fällig. Würde dies nicht auf einer grossen schwarzen Tafel angekündet, man hielte dies für einen kleinen Scherz vom Wirt.

Balmberg: Für einige war gar Bräteln angesagt

Probiers mal mit Gemütlichkeit – auf dem Balmberg.Vera Havrda

Probiers mal mit Gemütlichkeit – auf dem Balmberg.Vera Havrda

Das ganze Wochenende konnte man sich über viel Sonne und hohe Temperaturen freuen. Und so lockte auch der Balmberg am Sonntag viele Besucher an.

Zwar war es am Vormittag noch ruhig auf dem Berg.

Einzelne Autos schlängelten die Serpentinen hinauf, ab und zu sah man einen Velofahrer oder Wanderer. Ein paar Beizen hatten offen, und hier und da sass jemand und trank einen Kaffee.

Um die Mittagszeit wurde es lebendiger. Die Parkplätze beim Seilpark waren schnell voll. Auch die zwei unteren Parkplätze sowie der Mittlere und Vordere Balmberg fingen an, sich zu füllen.

Die Lage blieb jedoch um den Mittag herum entspannt. Viele Familien picknickten, brätelten und genossen die Sonne. Der Seilpark war gut besucht, und auch die Beizen hatten genug Kundschaft.

Mit Sonnenbrille und Wanderschuhen sassen die Menschen auf den Bänken und genossen die herbstlichen Sonnenstrahlen. Ein paar liessen sich im Rasen nieder und genossen so die Mittagssonne.

Den Besuchern des Balmbergs bot sich ein malerisches Panorama. Der Himmel war klar und blau, das Farbenspiel der Natur wunderschön, und die Alpen waren in der Ferne gut zu sehen.

Viele machten Fotos von der Aussicht und schlenderten gemütlich den Wanderwegen entlang. «Auf den Weissenstein geht man lieber an Werktagen. Am Wochenende kommt man da ja gar nicht rauf», so einige Besucher.

Viele schreckte das Chaos, das sich letztes Wochenende auf dem Weissenstein abspielte, ab. Nun sucht man nach einer Alternative zum Weissenstein: Der Balmberg scheint eine ziemlich gute zu sein. Auch mit dem Bus ist der Ort gut zu erreichen.

Von Solothurn aus fährt der Bus mit der Nummer 12 mehrere Male am Tag auf den Balmberg. Ob jung oder alt, alleine, mit dem Partner oder mit der ganzen Familie, hier fand jeder sein Plätzchen. Vor allem an so schönen Herbsttagen schien es eine gute Idee, auf den Balmberg raufzufahren. 

Grenchenberg: nichts mit Bergruhe für Wirtsleute

Grenchenberg: Blechrösser vor ruhiger Bergkulisse.

Grenchenberg: Blechrösser vor ruhiger Bergkulisse.

Blechrösser vor ruhiger Bergkulisse. Ab und zu stösst ein weiteres Auto, ein Töff oder kleiner Trupp Wanderer hinzu. Im Restaurant Unterer Grenchenberg hats noch Platz. Die Gäste geniessen die warmen Strahlen.

«Es ist wunderwunderschön», schwärmt Heidi Unger aus Solothurn, «wir haben Besuch aus Karlsruhe, und weil die im Flachland leben, zeigen wir ihnen verschiedene Berge.» Sie genössen die Wärme und das Panorama.

Peter Dominkovits aus Bellach entschied spontan, auf den Grenchenberg zu gehen. «Ich möchte etwas erleben und einmal etwas anderes sehen als den Weissenstein und das Flachland.»

Mit einer Kamera bewaffnet ziele er auf die Aussicht. Familie Rüefli mit Tochter Jana aus Arch: «Wir kommen wegen des schönen Wetters, der Fitness und wegen des Essens.» Sie kämen allerdings auch bei weniger schönem Wetter.

«Wir gehen auch ins Berner Oberland, aber der Grenchenberg ist halt nahe.» Gabriele van der Floe aus Oberdorf steigt sonst mit ihrem Mann gleich zu Fuss auf den Weissenstein. Doch diesmal suchten sie Abwechslung. «Ich kam wegen des Hundes hierher. Da ich erst krank war, gehe ich jetzt mit dem Auto zurück, aber mein Mann wandert nach Hause.»

Auch sie lockte das eine: «Die Aussicht auf die Berge. Die ist einfach sehr schön.» Die meisten fahren per Privatauto. Einhellig der Tipp, wegen des Parkproblems schon früh zu kommen.

Vreni Schneider, Wirtin des Gasthofs Untergrenchenberg, hat in der Küche alle Hände voll zu tun: «Ich habe keine Ahnung, wie viel Leute da sind. Denn ich kann nicht hinausgehen und schauen, wie es ist.»

Letzten Sonntag verkaufte sie 20 Kilogramm Vermicelles. Sie habe Mühe, Personal zu finden für den Ansturm. Und sie habe auch mit der Ungeduld der Leute zu kämpfen: «Die Leute haben keine Zeit, um aufs Essen zu warten, obwohl sie freie Zeit haben.» Aber sie tut, was sie kann. Bergruhe hat sie wohl erst am Abend. 

Obere Wechten: Bergidylle pur im Guldental 

Urige Gastlichkeit gibt es auf der Oberen Wechten in Mümliswil.

Urige Gastlichkeit gibt es auf der Oberen Wechten in Mümliswil.

Unten im Dorf, in Mümliswil, lockt die St. Martins-Chilbi, die für einmal bei warmem Wetter durchgeführt werden kann. Es sind sicher ein paar Besucher mehr als an anderen Jahren. Oben auf der Sonnenterrasse der Oberen Wechten ist es schön angefüllt, aber nicht überfüllt.

An jeder Bank sitzen Wanderer und Ausflügler, Kinder spielen im Schatten und Hunde schlabbern unter den Tischen ihre wohlverdienten Wasserportionen. Gemütliche Bergidylle, wie man es sonst vom Berner Oberland oder vom Wallis her kennt.

Und dazu ein Panorama, das keine Wünsche offenlässt: direkt im Blick das Guldental mit seinen sanft geschwungenen, noch grünen Hügeln, weiter hinten etwas dunstig das Mittelland und ganz am Horizont die Voralpenkette.

Wer sich zur Oberen Wechten aufmacht, weiss, was ihn erwartet, hier finden sich keine Ortsunkundigen. Man weiss, dass es hier oben nur ein paar wenige Parkplätze hat, die schnell weg sind und man sich daher besser zu Fuss aufmacht.

Der Ortskundige weiss auch, dass hier oben keine Haute Cuisine zu finden ist, sondern ein Fleisch- oder Käseplättli, eine Bratwurst mit Pommes, ein gutes Glas Wein oder ein währschaftes Tagesmenü genügen sollen.

Er weiss zudem, dass er sich seine Verpflegung in der Gaststube selbst bestellen muss, dass Gritli hier oben noch von Hand zusammenrechnet und man per Lautsprecher aufgefordert wird, sein Essen zu holen.

Es ist so urig und unkompliziert, dass es schon wieder kultig ist. Auffallend ist, dass sehr viele Baselbieterdeutsch-sprechende Gäste hier oben anzutreffen sind. Es erstaunt nicht, denn die Wasserfallen ist nicht weit entfernt.

Langsam wird es heiss auf der Terrasse, man ärgert sich, keine sommerliche Kleidung mit dabei zu haben. Da gibt es halt nur eines: wandern Richtung Passwang oder ins Tal nach Mümliswil. Dort gibt es ja noch einen Märet. (ae/vhs/omb/frb)

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