Coronavirus Kanton Solothurn

«Backwards-Tracing»: Infizierte müssen neu genau angeben, wo sie in den den letzten 10 Tagen waren

Virendetektive am Anschlag: Das Contact Tracing war auch im Kanton Solothurn überfordert.

Virendetektive am Anschlag: Das Contact Tracing war auch im Kanton Solothurn überfordert.

Beim kantonalen Contact-Tracing spielt neu die «Rückwärts-Ermittlung» eine wichtige Rolle.

Sobald erste Symptome da sind, die auf eine Infektion mit Covid-19 hinweisen könnten, fängt es in den meisten Köpfen an zu rattern: Wen habe ich getroffen, und wo war ich in den letzten Tagen ... ?

Diese gedankliche Auflistung machen die meisten deshalb, weil Politik und Wissenschaft seit Monaten betonen, wie wichtig ein funktionierendes Contact Tracing für die Eindämmung der Pandemie ist. Im Kanton Solothurn soll nun ein –zumindest hierzulande – neuer Ansatz das bisherige Contact Tracing ergänzen: Die Rückwärts-Ermittlung, die laut dem Magazin «Sciencemag» unter anderem in Südkorea einen Beitrag dazu geleistet haben soll, dass die Zahl der Neuansteckungen stabil geblieben ist.

Neu können Personen, die im Kanton an einer Veranstaltung teilgenommen haben, wo sich möglicherweise viele Leute angesteckt haben, also vorsorglich in Quarantäne geschickt und nach ihren Kontakten befragt werden. Jedenfalls dann, wenn eine anwesende Person später positiv getestet wird.

Backwards-Tracing: Rückwärts statt vorwärts

Die Rückwärtsermittlung beruht auf der Erkenntnis, dass 10 bis 20 Prozent der mit Covid-19 Infizierten für 80 bis 90 Prozent der Übertragungen verantwortlich sein könnten. Das Risiko wird erheblich gesteigert, wenn sich viele Leute gemeinsam in einem geschlossenen Raum aufhalten.

Infizierte müssen im Kanton Solothurn im Rahmen des Routine-Tracings deshalb neu in einem Online-Fragebogen genau angeben, wo sie sich in den zehn Tagen vor der Entwicklung der Symptome aufgehalten haben. So will der kantonsärztliche Dienst versuchen, mögliche Gelegenheiten zu finden, an denen sich viele Personen angesteckt haben könnten.

Diese Methode sei möglicherweise effizienter, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern, so der Kantonsarzt Lukas Fenner. Wichtig sei, dass die Bögen schnell, korrekt und vollständig ausgefüllt würden. Vor allem Sekundärinfektionen könnten so schneller gefunden werden.

Autor

Rebekka Balzarini

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