Aktionär

Alpiq zahlt Dividende an Kanton Solothurn in Aktien statt in bar

Dem Energiekonzern Alpiq geht es schlecht. 2014 resultierte ein Jahresverlust von 902 Millionen Franken.

Dem Energiekonzern Alpiq geht es schlecht. 2014 resultierte ein Jahresverlust von 902 Millionen Franken.

Dem Energiekonzern Alpiq geht es schlecht. 2014 resultierte ein Jahresverlust von 902 Millionen Franken. Der Kanton Solothurn erhält als Aktionär rund 41 100 neue Alpiq-Aktien – damit steigt das Risiko von Kursverlusten.

Grund waren Wertberichtigungen und Rückstellungen, insbesondere auf den Schweizer Wasserkraftwerken. Immerhin erwirtschaftete Alpiq – wenn auch fast ein Viertel weniger als im Vorjahr – einen operativen Gewinn von 609 Millionen Franken. Auch deshalb zahlt Alpiq ihren Aktionären für 2014 wie im Vorjahr eine unveränderte Dividende von 2 Franken je Aktie.

Doch vergangene Woche beschloss die Generalversammlung eine Wahldividende. Die Aktionäre können die Ausschüttung in bar oder in neu auszugebende Aktien beziehen. Alpiq will dadurch die Kapitalbasis stärken und die finanzielle Flexibilität der Gruppe verbessern. Zur Erinnerung. Die Nettoverschuldung lag Ende 2014 bei 1,9 Milliarden Franken.

Kanton bezieht Aktien

Wie die anderen grossen und grösseren Alpiq-Aktionäre hat auch der Kanton Solothurn entschieden, anstelle einer Bardividende neue Alpiq-Aktien im Verhältnis seiner bisherigen Beteiligung zu beziehen, wie Finanzdirektor Roland Heim auf Anfrage bestätigt. Den Beschluss habe der Gesamtregierungsrat gefasst. Heim begründet den Entscheid mit den erheblichen Veränderungen im Energiesektor, welche das operative Geschäft der Alpiq stark negativ beeinflusst hätten. Der Preiszerfall habe das Unternehmen zu den erwähnten Wertberichtigungen gezwungen. «Alpiq hat auf diese Situation reagiert, ihr Geschäftsmodell überarbeitet und setzt schmerzhafte Kostensenkungsprogramme um.» Unter dieser Prämisse, so Heim weiter, seien auch die Aktionäre gefordert, ein Zeichen zu setzen, damit Alpiq wieder zurück auf die Erfolgsstrasse finde.

Der Kanton bringt mit der Ausübung des Aktienbezugsrechts klar zum Ausdruck, dass er an die Zukunft der Alpiq glaubt und die Anstrengungen zur Gesundung honoriere.» Der Kanton Solothurn habe ein besonders grosses Interesse daran, dass Alpiq wieder erstarke. Der Stromkonzern sei ein bedeutender Arbeitgeber in der Region, welcher rund 530 Mitarbeitende im Kanton beschäftige, davon alleine 400 in Olten.

Schaffner: «Nachhaltiger als in bar»

Auch Susanne Schaffner, SP-Kantonsrätin und Mitglied der Finanzkommission, verweist in ihrer Stellungnahme auf den Arbeitsmarkt. «Es war und ist wichtig, dass die Arbeitsplätze in der Region Olten erhalten bleiben.» Soweit der Regierungsrat erwarte, dass sich der Wert der Aktien künftig wieder erhole, scheine der Entscheid richtig. «In diesem Fall ist er nachhaltiger als eine Barausschüttung, und zwar sowohl für den Staatshaushalt als auch für die Alpiq selbst.» Beat Loosli, FDP-Kantonsrat und Präsident der Finanzkommission, sagt: «Wenn die Strategie mit der Neuausrichtung der Alpiq erfolgreich verläuft, dann ist das auch für die Aktionäre positiv.»

Bardividende von 3 Millionen

Bei einer Bardividende von 2 Franken je Titel hätte der Kanton für seinen Anteil von 5,6 Prozent oder rund 1,5 Millionen Aktien eine Dividende von leicht über 3 Millionen Franken erhalten. Ein willkommener Zustupf für die Staatskasse? «Selbstverständlich», sagt Roland Heim. Nun sei dieser Zustupf in Form von Wertpapieren erfolgt. Langfristig betrachtet sei es für den Kanton noch willkommener, wenn Alpiq den Aufschwung schaffe und so Arbeitsplätze erhalten könne. «Die Alternative zur Wahldividende hätte auch sein können, dass gar keine Dividende ausgeschüttet wird.» Und Schaffner hält fest, dass 3 Millionen Franken den Staatshaushalt weder sanieren noch aus dem Lot bringen.

Nun wird der Kanton also rund 41 100 zusätzliche Aktien (pro 37 alte Titel gibt es einen neuen) im Gegenwert von rund 3 Millionen Franken erhalten. Der Kapitalanteil an Alpiq bleibt zwar unverändert bei 5,6 Prozent. Aber der Kanton hält nun eben mehr Titel im Portefeuille – und damit steigt das mögliche Ausmass von Verlusten auf dieser Anlage. Und das Kursrisiko ist enorm, wie die letztjährige Kurstalfahrt zeigt. Allein 2014 musste in der Staatsrechnung das bisherige Aktienpaket um fast 40 Millionen auf 110 Millionen Franken wertberichtigt werden.

Heim spricht denn auch von «schmerzhaften Spuren». Und: «Das Risiko ist nicht zu leugnen, dass sich der Kurs kurz- oder mittelfristig nicht erholen wird.» Es wäre jedoch zu kurzfristig, einzig die Performance im Auge zu haben. Die Neupositionierung von Alpiq werde eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Er sei aber zuversichtlich. «Ob und wann sich diese sich die Massnahmen auf den Aktienkurs auswirken werden, weiss heute jedoch niemand.» Susanne Schaffner weist ebenfalls auf die Gefahr hin, dass die Aktien nochmals abgewertet werden könnten, was sich negativ auf die Staatsrechnung auswirken würde. Loosli hält nüchtern fest: «Jeder Franken in Aktien ist mit einem Risiko verbunden.»

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