Beinwil

Alle «Primeler» in einer Klasse: So startete die kleinste Schule im Kanton Solothurn ins neue Schuljahr

Zu Besuch am ersten Schultag in der kleinsten Gesamtschule im Kanton Solothurn. In Beinwil, wo von 16 Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse, fünf Kinder zum ersten Mal den Schulsack packten.

Noch herrscht um halb Acht im Schulhaus von Beinwil Stille. Einzig Lehrerin Patricia Gigandet ist schon aktiv. Sie bereitet ihre zwei Schulzimmer für den ersten Schultag vor. Tatsächlich hat die junge, im letzten Jahr ihrer Ausbildung stehende Nunningerin zwei Schulzimmer zur Verfügung, die sie mit ihrer Klasse belegen kann. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit an dieser Schule. Besonders ist auch, dass sie mit nur einer Kollegin unterrichtet; dass ihre Schüler zwischen 7 und 12 Jahre alt sind und dass dieser Tag für sie selbst er erste Schultag ist, an dem sie selbstständig eine Klasse unterrichtet. Patricia Gigandet hat die Vertretung für Annina Wüthrich an der Gesamtschule Beinwil übernehmen können, welche noch weiter ihren Urlaub beziehen kann.

Der erste Schüler kommt langsam zum Schulhaus. Er ist jetzt ein Drittklässler und freut sich wieder auf die Schule. Und schon kommen seine Klassenkameradinnen und -Kameraden, teils zu Fuss, teils mit dem Schulbus, denn in der weitverzweigten Gemeinde liegen die einzelnen Wohnhäuser der Kinder oft sehr weit entfernt. Einzelne Mütter sind auch mit dabei; vor allen diejenigen der fünf Erstklässler. Sie brauchen zum Teil noch etwas Sicherheit. Aus einem Auto steigen gleich fünf Kinder einer einzigen Familie aus. Die Mutter verteilt rasch die Schultaschen an alle. Die Grossen stürmen gleich davon, der kleine Erstklässler ist mit seinem gebrochenen Arm noch etwas unsicher und hält sich (noch) an seine Mutter.

Alle übernehmen ein Ämtli im Schulbetrieb

Vor dem Schulhaus begrüsst Patricia Gigandet ihre Kinder und sagt ihnen schon mal, wo ihre Schuhe gegen die Finken auszutauschen sind. Dann gehts ins Klassenzimmer: Sitzen im Kreis steht auf dem Programm. Für jedes der zehn Buben und sechs Mädchen ist ein Plätzchen bereit. «Ich bin Frau Gigandet», stellt sich die Lehrerin vor. Sie nimmt ein Säcklein mit «Glücks-»Muscheln zur Hand, auf denen alle Namen der Kinder geschrieben stehen. Sie zieht eine Muschel mit dem Namen Larissa und sagt: «Ich heisse Frau Gigandet, ich freue mich auf die Schüler und ich wünsche Larissa Glück.»

Larissa übernimmt das Säckchen mit den Muscheln, zieht eine weitere heraus und sagt: «Ich heisse Larissa, ich freue mich auf die dritte Klasse und ich wünsche Ben Glück». Und so geht es in der Runde weiter, bis sich alle Kinder kurz vorgestellt, einen Wunsch geäussert und einem Klassenkameraden Glück gewünscht haben. Die Erstklässlerin Luzia ist noch etwas scheu. Als sie an die Reihe kommt, sieht sie zu ihrer Mutter hinter ihr, die dann die ersten Sätze für sie formuliert.

Frau Gigandet verteilt nun die Ämtli der Kinder. Die Zweit- bis Sechstklässler wissen genau, wie das vor sich geht. Es gibt Ämtli fürs Bodenwischen, Pflanzengiessen, Wandtafel putzen, Austeilen und mehr. Die Grossen wissen sehr genau, was sie machen wollen und ermuntern die Neulinge, sich ebenfalls für ein bestimmtes Ämtli zu melden.

Kennenlern-Spiele: Eines für die Kleinen – eines für die Grossen

Die Ämtli sind rasch verteilt und nun geht es in einem Spiel darum, sich besser kennenzulernen. Dazu stellen sich die Kinder zu zweit voreinander; eines sitzt, das andere steht vor ihm. «Nun schaut das stehende Kind sein Gegenüber gut an, denn nach einer Minute müsst ihr euch umdrehen. Das sitzende Kind verändert etwas an sich und ihr müsst danach erkennen, was anders ist», erklärt die Lehrerin. Mit Eifer gehen die Kinder daran, sich gegenseitig gut anzuschauen und finden dann rasch heraus, dass einer jetzt keine Finken mehr trägt, oder der Erstklässler sein mitgebrachtes Plüschtier unter dem T-Shirt versteckt.

In einem weiteren Spiel soll es noch etwas schwieriger werden. Die Kinder wurden vor den Ferien aufgefordert, einen Gegenstand aus den Ferien mitzubringen. Ohne dass die anderen Kinder zusahen, wurden diese Dinge in eine Schachtel gelegt und nun berichtet jedes aus seinen Ferien. «Wir waren im Legoland», sagt Sebastian. Also muss der Legostein in der Kiste ihm gehören. Dann wird berichtet von schönen Stränden, Spielplätzen, Velofahrten und Bergerlebnissen. Auch Luzia, deren Mutter in der Zwischenzeit gegangen ist, hat ihre Scheu verloren und erzählt unbefangen.

«Die grösste Herausforderung für mich wird es sein, den Kleinen in der Klasse gerecht zu werden und dass es den Grossen nicht langweilig wird, denn sie wollen etwas lernen», sagt Patricia Gigandet in einer kleinen Pause. Es seien halt ganz unterschiedliche Bedürfnisse, welche diese 16 Kinder in einer Klasse mitbrächten, meint sie. Deshalb war es wichtig, den Kindern schon am ersten Tag Leitplanken zu geben und klare Ansagen zu machen. Der erste Schultag soll auch für die Erstklässler ein normaler Schultag nach Montags-Stundenplan sein. Nach der Pause gibt es Turnen und nach Schulschluss ganz bestimmt Hausaufgaben.

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