So wütend war Karin Büttler noch nie im Kantonsrat zu hören. Mit Verve kritisierte die Laupersdörfer FDP-Kantonsrätin, dass 88'000 Franken Staatsgelder für den Aufbau des Landfrauen-Caterings «So fein» geflossen sind (vgl. Kasten). «Das kann doch gar nicht sein. Jeder kleine Gewerbler muss selbst schauen», zeigte sich Kantonsrätin Büttler entrüstet.

Wut? Entrüstung? Wäre am Mittwoch nicht die FDP-Fraktion im Kantonsrat auf die Hinterbeine gestanden, hätte dieser ordnungspolitisch fragwürdige, von alt FDP-Kantonsrat Markus Grütter aufgedeckte Subventionsfall wohl kaum Wellen geworfen. Man dürfe die «So fein»-Cateringprodukte weiterhin «ohne schlechtes Gewissen» geniessen, sagte etwa Peter Kyburz (Obergösgen) als Sprecher der grossen Mittefraktion. «Das alles ist ein Sturm im Wasserglas, der Medien grosse Schlagzeilen bringt. Auch andere Verbände erhalten Zustüpfe für die Ausbildung.»

Also gar nichts passiert? Auch SP-Sprecherin Karin Kälin (Rodersdorf) sah kein Problem. «Der Erfolg zeigt, dass die Starthilfe funktioniert.» Das Projekt sei kein Problem, da sich die Bäuerinnen auf regionale Produkte fokussierten und deshalb in keiner Konkurrenz zu anderen Betrieben stünden. Da hatte die SP-Molekularbiologin nicht mit den Gewerbefrauen aus der FDP gerechnet, etwa mit Johanna Bartholdi, «ehemals Beizerin» und jetzt unerschrockene Gemeindepräsidentin in Egerkingen. «Es gibt viele ähnliche Cateringdienste, die auch regionale Anbieter berücksichtigen.

Sie können nur von einer solchen Unterstützung träumen», so Bartholdi. «88'000 Franken sind zwei Monatsumsätze eines durchschnittlichen Gastrobetriebes. Das ist eine klare Verzerrung des Marktes.» Sie kritisiere nicht die Landfrauen, betonte die Egerkinger Gemeindepräsidentin. Aber diejenigen, die das Geld verteilt hätten. «Ich kritisiere die ungleich langen Spiesse», ergänzte Gewerbeverbandspräsidentin Marianne Meister (FDP, Messen).

Also doch nicht alles gut? Vielleicht wäre das Urteil anders ausgefallen, wenn es nicht um Landwirte gegangen wäre. Welche Macht der Bauernstand hat und welche Sympathien er geniesst, wurde gestern bei jedem Votum deutlich. Jeder, wirklich jeder Redner betonte zu Beginn seines Votums, dass er nichts, aber auch gar nichts gegen die Bauern und das Catering habe. Etwa FDP-Fraktionssprecher Urs Unterlerchner. «Wir kritisieren nicht die Landfrauen. Es ist auch nichts geschehen, das gegen das Gesetz verstösst. Aber die Kommission hat die Relation völlig aus den Augen verloren. 88'000 Franken sind ein Wahnsinnsbetrag», sagte der Stadtsolothurner. Und: Das Geld sei unter anderem für die Erarbeitung eines Businessplans genutzt worden. «Jeder andere Firmengründer muss Tage und Wochen dafür ohne einen Franken Lohn aufwenden.»

Wer setzte sich denn für die Bauern ein? Es kam das Votum eines zornigen Edgar Kupper. «Eine Interpellation, die niemandem nützt und falsche Politik macht», sagte der Laupersdörfer CVP-Landwirt. Rufschädigend sei der Vorstoss von Markus Grütter. Toll sei das Catering, mit viel Liebe aufgebaut. Und überhaupt: Die ganze Unterstützung hätte nie öffentlich werden sollen. Nur weil das Kommissionsgeheimnis gebrochen worden sei, gebe es jetzt Probleme. Der Datenschutz habe versagt.

Also besser Schweigen? Dass er selbst politischer Berater des Bauernverbandes ist, der am Catering beteiligt ist, verschwieg Kupper. Ebenso die Tatsache, dass seine Frau Gesellschafterin des Caterings und Vizepräsidentin des Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes ist.

Alle in der FDP? Nur ein FDP-Redner war nicht kritisch: Fraktionschef Peter Hodel (Schönenwerd). Der Landwirt ist Präsident der Kommission, die das Geld verteilt hat. Er stehe nach wie vor zum Entscheid und übernehme die Verantwortung, sagte er. «Der Regierungsrat war jederzeit über unsere Arbeit informiert. Wir sind kein Schattenkabinett.» Ihn störe, dass die Unterlagen den Weg aus der Kommission in die Öffentlichkeit gefunden haben. Er werde das Leck suchen, drohte er mit markigen Worten.

Und die Konsequenzen? Die Kritik von Grünen-Sprecher und Bio-Bauer Felix Lang (Lostorf) zielte nicht auf die Unterstützung. Sondern auf die fehlende Transparenz über die Arbeit Kommission, die die entsprechenden Beiträge verteilt. «Staatliche Anschubfinanzierungen sollen transparent gemacht werden. Es gibt keinen sachlichen Grund für die Geheimhaltung.» In eine ähnliche Richtung zielte SVP-Fraktionssprecher Hugo Schumacher. Die Kommission könne heute Steuergelder vergeben, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen, sagte der Luterbacher. «Es braucht etwas mehr Feingefühl.» Schumachers Fazit: Mit dem Beitrag und der negativen Presse, die folgte, habe die Kommission den Landfrauen wahrlich einen «Bärendienst» erwiesen.

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