Amtsgericht Thal-Gäu

59-Jähriger wegen Schändung seiner mittleren Tochter verurteilt – Freisprüche bei Vorwürfen der jüngsten Tochter

Der Fall stellte für die Amtsrichter eine Herausforderung dar. (Symbolbild)

Vor über 20 Jahren hatte ein heute 59-jähriger Schweizer seine damals etwa vierjährige Tochter sexuell missbraucht und geschändet. Dies sah das Amtsgericht Thal-Gäu als erwiesen an und verurteilte den wohlhabenden Mann zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten.

Wegen des sexuellen Missbrauchs seiner ältesten, damals fünfjährigen Tochter wurde der Mann aus dem Gäu bereits einmal rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Die Akte wäre längst archiviert, doch nun holte ihn die Vergangenheit trotzdem nochmals ein: 2017 haben auch noch seine beiden jüngeren Töchter Anzeige erstattet. Ihr Vater habe sich auch an ihnen vergangen. Das Amtsgericht Thal-Gäu musste nun beurteilen, ob die Erinnerungen der jungen Frauen an ihre frühste Kindheit tatsächlichen Erlebnissen entsprechen, oder ob es sich um Suggestionen handelt, die sich im Laufe der Zeit zu Scheinerinnerungen entwickelt haben.

«Der Fall stellte eine Herausforderung dar, weil die zu beurteilenden Sachverhalte über 20 Jahre zurückliegen», begann Gerichtspräsident Guido Walser die Urteilsbegründung. Deshalb habe es bei den Vorwürfen der jüngsten Tochter Freisprüche gegeben: «Sie war erst zwei Jahre alt, weshalb von einem sehr geringen Erinnerungsvermögen auszugehen ist. Es bestehen berechtigte Zweifel, ob es sich bei ihr tatsächlich um sexuelle Handlungen gehandelt hatte.»

Bei der mittleren, heute 25-jährigen Tochter, war das Gericht aber von den Schandtaten des Vaters überzeugt. In den Akten des ersten Verfahrens, als es zu einem Schuldspruch wegen des Missbrauchs der ältesten Tochter gekommen war, habe das Gericht wichtige Passagen gefunden. Staatsanwalt Raphael Stüdi habe damals aber auf Anraten des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes (KJPD) darauf verzichtet, das damals vierjährige, bereits traumatisierte Mädchen ins erste Verfahren einzubeziehen, erklärte der Gerichtspräsident.

«Die Schilderungen des Missbrauchs sind aus kindlicher Sicht erfolgt und mit nachvollziehbaren Beschreibungen der Gefühlen begleitet», erklärte das Gericht den Schuldspruch. «Das Motiv für die Anzeige ist nachvollziehbar. Die beiden Töchter haben auf ein Mail ihres Vaters reagiert, in welchem er angekündigt hatte, dass er nach Thailand auswandern und ein Kind adoptieren möchte. Dieser Kinderwunsch gab er nach eigenen Angaben erst später auf.»

Das Gericht erklärte die angesichts der gravierenden Schändungen an seiner Tochter recht milde Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten mit der langen Zeit, die seit den Taten verstrichen ist, und dem «Wohlverhalten» der vergangenen 20 Jahre, in denen sich der Beschuldigte nichts mehr zu Schulden kommen liess. Seinem Opfer habe er schweren seelischen Schaden zugefügt und der Vater muss seiner mittleren Tochter deshalb eine Genugtuung von 12'000 Franken zahlen. 

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