Umwelt

1. August: So beeinträchtigt Feuerwerk die Luftqualität

Feuerwerk sorgt für grosse Luftbelastung.

Feuerwerk sorgt für grosse Luftbelastung.

Wenn die Schweiz feiert, hat der Feinstaub Saison. Nie ist die Konzentration höher als jeweils am Nationalfeiertag.

5, 4, 3, 2, 1, Zero – die 1. August-Rakete saust in die Höhe, bevor sich kurz darauf mit einem Knall ein farbiges Spektakel am Firmament entfaltet. So schön ein Feuerwerk ist, es sind nicht nur farbige Lichtkügelchen, die langsam zur Erde gleiten, sondern auch Millionen kleinster Partikel, die sich in der Luft ansammeln und sich wie ein feiner Nebel über das Dorf oder die Stadt legt.

Nie hat es in der Solothurner Luft mehr Feinstaub, als in der Nacht vom 1. auf den 2. August. Auch in diesem Jahr explodierten nicht nur die Raketen, sondern auch die gemessenen Feinstaub-Konzentrationen (siehe Grafiken) – an allen fünf kantonalen Messstationen, an denen die Feinstaub-Werte (PM 10) erfasst werden.

Sehr hohe Belastung

Beispiel Altwyberhüsli in Solothurn: Um 16 Uhr am Nachmittag des Nationalfeiertags ist im Quartier die Luftqualität einwandfrei. Die Messstation des kantonalen Amts für Umwelt misst ein Stundenmittel von 0,7 Mikrokramm Feinstaub pro Kubikmeter – der Tagestiefstwert an diesem 1. August. Fünf Stunden und etliche Raketen, Zuckerstöcke, und Rauchbomben später, ist der Wert detoniert. Um Mitternacht misst die Messstation ein Stundenmittel von 420 Mikrogramm pro Kubikmeter und überschreitet somit den vom Bund festgelegten Grenzwert von 50 Mikrogramm pro m3 um beinahe das Fünffache.

Da für eine gesetzliche Grenzwertüberschreitung der Tagesdurchschnitt zählt, wird der 1. August im Endeffekt denoch nicht als Tag mit einer zu hohen Feinstaubbelastung gewertet. Doch für mehrere Stunden stellt die Luftqualität gemäss dem Kurzzeit-Belasungs-Index eine sehr hohe Belastung dar – die höchste mögliche Stufe. Dies galt für alle kantonalen Messstationen.

Feuerwerk in Solothurn und Höhenfeuer auf dem Bleichenberg – die Feinstaubbelastung ist sichtbar.

Feuerwerk in Solothurn und Höhenfeuer auf dem Bleichenberg – die Feinstaubbelastung ist sichtbar.

«In der Regel sind die stündlichen Feinstaub-Werte in der Nacht vom 1. auf den 2. August am höchsten», bestätigt Markus Chastonay, Abteilungsleiter Luft und Lärm beim Amt für Umwelt. «Auch an Silvester sind sie hoch, aber meist nicht im selben Ausmass wie am Nationalfeiertag.» Denn: In der Schweiz werden weiterhin am 1. August viel mehr Feuerwerkskörper abgefeuert als zum Jahresbeginn. Die Feinstaufkonzentration – ein Indikator dafür,wie viele Feuerwerkskörper Herr und Frau Solothurner jeweils zünden.

Doch ist der kurze, aber heftige Anstieg an Feinstaub für uns schädlich? «Bei sensiblen Menschen, zum Beispiel mit Atembeschwerden, kann die hohe Feinstaubkonzentration Reaktionen auslösen», sagt Chastonay. Husten, Kurzatmigkeit oder auch ein allgemeines Unwohlsein. Für sie empfiehlt es sich besonders, Türen und Fenster der Wohnung während dem freudigen Geknalle geschlossen zu halten und dem 1. August- Getümmel auszuweichen.

Oder auch auf Regen und Wind zu hoffen. Denn diese beiden Faktoren führen dazu, dass die Feinstaubbelastung möglichst schnell wieder sinkt, beziehungsweise zu keinem Zeitpunkt eine hohe Konzentration erreicht. So passiert am letztjährigen 1. August. Chastonay: «Damals hat der Regen die Feinstaubpartikel aus der Luft herausgewaschen.» Resultat: Die Messstationen massen eine viel geringere Feinstaub-Konzentration.

Dieses Jahr gab es nach dem Feuerwerk keine Dusche, dementsprechend länger dauerte es, bis sich der Feinstaub komplett abgebaut hatte. Ab 12 Uhr mittags am 2. August war die Feinstaubkonzentration bei sämtlichen Messstationen wieder unter dem Grenzwert. Die Normalität ist eingekehrt.

Positiver Trend

Der Tagesgrenzwert wurde im Kanton 2015 über das ganze Jahr nur bei zwei der vier Messstandorte während 3 Tagen überschritten. Damit setzt sich der positive Trend der letzten Jahre fort. «Die ergriffenen Massnahmen haben ihren Zweck erfüllt», sagt Chastonay. Dazu zählt das Einbauen von Partikelfiltern bei Dieselmoltoren oder auch die Präventionskampagne, wie man korrekt anfeuert.

Zurücklehnen könne man sich trotzdem nicht, so der Abteilungsleiter. «Es muss uns gelingen, das Erreichte zu halten und noch weiter zu verbessern, im Besonderen die noch kleineren Partikel (PM 2.5) zu reduzieren.» Bei ihnen hat der Bund noch kein Grenzwert gesetzlich verankert.

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Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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